Berlusconi: Der letzte Akt?

Artikel veröffentlicht am 2. August 2013
Artikel veröffentlicht am 2. August 2013

“Am Ende meiner Karriere wird der 20-jährige Einsatz für dieses Land mit Beschuldigungen und einem Urteil belohnt, das jeder Grundlage entbehrt und mir meine persönliche Freiheit sowie politischen Rechte nimmt.” In seiner wenige Minuten dauernden Antwort auf das Urteil des Obersten Kassationsgericht wirkt Silvio Berlusconi vereinsamt und elend. 

An diesem Donnerstag, dem 1. August, wurde Silvio Berlusconi des Steuerbetrugs für schuldig befunden und zu 4 Jahren Haft verurteilt (3 davon werden ihm aufgrund seines Alters erlassen, eines kann er wahrscheinlich als Hausarrest ableisten). Die Entscheidung über das Verbot, öffentliche Ämter auszuüben, schickte das Gericht zur nochmaligen Überprüfung an die unteren Instanzen zurück.

Einen ähnlichen Fall sah Europa vor zwei Jahren. Ein ehemaliger Staatschef fortgeschrittenen Alterswurde rechtskräftig verurteilt, allerdings hauptsächlich publikumswirksam und mit schönen Worten. Es war der Dezember 2011 und Jacques Chirac, damals 79, wurde der Unterschlagung öffentlicher Gelder für schuldig befunden, jedoch ohne Gefängnisstrafe. Allerdings war es das erste Mal, dass ein Präsident der Französischen Republik überhaupt verurteil wurde. Obwohl die beiden Fälle unterschiedliche Hintergrundgeschichten haben, endeten sie beide mit einem quasi symbolischen Urteil. Es bleibt ein vages Gefühl, dass dies zwar gut und richtig war, aber doch viel zu spät kommt. Das Berlusconi-Urteil wird sicherlich nicht die tragischen Folgen der Craxi-Affäre haben. Der frühere Abgeordnete der sozialistischen Partei wurde nach den umfangreichen Untersuchungen der frühen 1990er Jahre („Mani Pulite“) zu insgesamt 28 Jahren Haft verurteilt und floh daraufhin ins tunesische Ausland, wo er 2000 auch starb. Wahrscheinlich wird es  aber einen letzten lautstarken Auftritt des „Cavaliere“ geben, in dem Berlusconi wieder einmal den Märtyrer spielen und sich als selbsternanntes Opfer einer rachsüchtigen Justiz präsentieren kann.  

Die Journalisten bemühen sich jetzt also mit gutem Grund herauszufinden, was im Leben Berlusconis passieren wird. Mit welchen Waffen er seine lächerlichen Truppen in den Kampf  schickt, wie das Urteil das Gleichgewicht der Regierung verändert  und ob seine Tochter Marina eine ähnlich gefürchtete Polit-Patin werden wird ist alles von Interesse. Trotzdem scheint der Nimbus etwas angeknackst zu sein. Das, was endlich eine echte Veränderung zu bewirken scheint, sind zwei kleine Worte: „verurteilt“ und „schuldig“.  Der italienische Journalist Vittorio Feltri sprach in diesem Zusammenhang von der „enthaupteten Politik“, während Allessandro Sallusti die Internetsurfer der Zeitung Il Giornale lakonisch begrüßt und damit doch alles sagt: „Wortlos“ („Senza Parole“).  

“So belohnt Italien die Opfern und Anstrengungen seiner besten Bürger?”, hat ein konsternierter Berlusconi in seiner Videobotschaft gefragt. Und weiter: „Ist dies das Italien, das wir lieben? Das Italien, das wir wollen?“ Nein, noch nicht wirklich, aber vielleicht fängt es an, ein bisschen diesem Italien zu ähneln.