Berlinale 2014: Klappe, die Letzte

Artikel veröffentlicht am 23. Februar 2014
Artikel veröffentlicht am 23. Februar 2014

Vier Jour­na­lis­ten, ein Fo­to­graf, 58 Filme, 21 Spra­chen, 5 Stun­den am roten Tep­pich und 5800 Film­mi­nu­ten in elf Tagen: Cafébabel Ber­lin hat über die In­ter­na­tio­na­len Film­fest­spie­le be­rich­tet. Dort sind wir schnell süchtig geworden: nach Kaf­fee, Auf­re­gung und In­ter­views. Und na­tür­lich nach Fil­men. Aber wie or­ga­ni­siert man das Ganze? 

Wann kommt das Ak­kre­di­tie­rungs­schrei­ben? Wer hat wel­che Film­vor­lie­ben? Was war da noch­mal mit den Eu­ro­pean Shoo­ting Stars? Schon drei Wo­chen vor dem of­fi­zi­el­len Ber­li­na­le-Be­ginn am 6. Fe­bru­ar brach in der Ber­lin-Re­dak­ti­on von Cafébabel ge­schäf­ti­ges Trei­ben aus. Bei über 400 Fil­men in zehn Sek­tio­nen gab es bei den dies­jäh­ri­gen 64. In­ter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len Ber­lin aber so ei­ni­ges zu ent­de­cken. Trotz­dem brauch­te es nur ein Re­dak­ti­ons­tref­fen im Vor­feld und zwei vor Ort – den Rest er­le­dig­ten Face­book, Drop­box, Skype und E-Mail.

5804 Film­minuten macht 58 Filme?

Die ein­zel­nen Schwer­punk­te waren schnell klar: Chris­ti­na mag La­tein­ame­ri­ka, Da­ni­el dis­ku­tiert gern über so­zio-po­li­ti­sche Ver­hält­nis­se, Li­li­an ist asi­en­ver­liebt und Sébas­ti­en ver­folgt die fil­mi­schen Ent­wick­lun­gen in sei­nem Hei­mat­land. Jean-Paul hatte als Fo­to­graf über­wie­gend freie Hand – nur ein Schnapp­schuss von Ge­or­ge Cloo­ney soll­te na­tür­lich dabei sein. Von den über 400 Fil­men im ge­sam­ten Ber­li­na­le-Pro­gramm haben wir 58 an ins­ge­samt neun Spiel­stät­ten in der gan­zen Stadt ge­se­hen: Bei rund 5804 Film­mi­nu­ten wird der psy­che­de­li­sche Ber­li­na­le-Jing­le da schnell zum Ohr­wurm und Kaf­fee zum Lieb­lings­ge­tränk. Wäh­rend Da­ni­el und Sébas­ti­en ab­sti­nent blie­ben und Jean-Paul eher wenig kon­su­mier­te, tran­ken Chris­ti­na und Li­li­an genug Kaf­fee für alle zu­sam­men – bei ge­fühl­ten 342 Li­tern wurde die Sta­tis­tik ab­ge­bro­chen. 

Der süch­tig ma­chen­de Ber­li­na­le-Jing­le 2014 im Be­su­cher-Vi­deo von Ber­lin­Mitte­Boy1307.

Die Ber­li­na­le war schon immer in­ter­na­tio­nal, aber die­ses Jahr knack­te sie alle Re­kor­de. Von den 58 Fil­men, die sich das Ber­lin-Team an­ge­se­hen hat, spiel­ten die meis­ten nicht in Deutsch­land, son­dern in Korea, Japan, China, Tai­wan, Hong­kong, Viet­nam, In­di­en, Myan­mar, Eng­land, in den USA, Frank­reich, Bel­gi­en, Schwe­den, Ös­ter­reich, im Süd-Su­dan, So­ma­lia, Ar­gen­ti­ni­en, Me­xi­ko, Is­ra­el, Dä­ne­mark, Bra­si­li­en, Russ­land und in der fik­ti­ven Re­pu­blik Zu­brow­ka. Auf der Ki­no­lein­wand reis­ten die Caféba­bel-Re­dak­teu­re durch 23 frem­de Län­der und lern­ten dabei nicht nur blin­de chi­ne­si­sche Mas­seu­re, lila Ho­tel­boys und so­ma­li­sche Pi­ra­ten, son­dern auch bra­si­lia­ni­sche Ret­tungs­schwim­mer und Mi­chel Hou­el­l­e­becq bes­ser ken­nen.

Babelianische Sprachenverwirrung und private jokes

Wie gut ist es da, dass die Ber­lin-Re­dak­ti­on meh­re­re Spra­chen be­herrscht. Den Rest er­le­dig­ten Un­ter­ti­tel, denn zu den Ori­gi­nal­spra­chen zähl­ten in die­sem Jahr nicht nur Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Deutsch und Eng­lisch, son­dern unter an­de­rem auch Viet­na­me­sisch, Ara­bisch, Schwe­disch, So­ma­li, Tsche­tsche­nisch, Kan­to­ne­sisch und Bur­me­sisch. Kaum waren die vier Re­dak­teu­re ihren Ki­no­ses­seln ent­sprun­gen, hack­ten sie auch schon ihre Kri­ti­ken, Ein­drü­cke und In­ter­views in die Tas­ta­tur oder ar­ran­gier­ten Jean-Pauls Schnapp­schüs­se in in­for­ma­ti­ven Bil­der­ga­le­ri­en. Das Ziel: ein Ar­ti­kel pro Tag. Mit ins­ge­samt mehr als 30 Tex­ten auf Deutsch, Eng­lisch und Fran­zö­sisch wurde das gleich drei­mal er­reicht.​ Was nach in­tel­lek­tu­el­ler Schwerst­ar­beit klingt, war die meis­te Zeit aber un­glaub­lich span­nend und manch­mal sogar rich­tig lus­tig: So zum Bei­spiel als Sébas­ti­en am Büf­fet der Eu­ro­pean Shoo­ting Stars für einen Kell­ner ge­hal­ten wurde.

Oder als Li­li­an in der Pres­se­vor­füh­rung von 20,000 Days on Earth (2013) neben Anke En­gel­ke saß und ein­fach von ihr ge­duzt wurde. Jean-Paul hin­ge­gen konn­te nur la­chen, als sich die Ge­or­ge Cloo­ney-Fans am roten Tep­pich alle mög­li­chen Ge­gen­stän­de von ihrem Idol si­gnie­ren lie­ßen – unter an­de­rem auch einen läng­li­chen Papp­kar­ton mit un­be­kann­tem In­halt. Sébas­ti­en amü­sier­te sich noch mal, als die deut­sche Nach­wuchs­schau­spie­le­rin Maria Dra­gus ihn freund­lich, aber be­stimmt dar­auf hin­wies, dass sie das In­ter­view auf Fran­zö­sisch füh­ren wolle: En français s‘il vous plaît! Am letz­ten Ber­li­na­le-Tag, dem 16. Fe­bru­ar, war der Film­ma­ra­thon dann schon wie­der vor­bei: Die Bären waren ver­ge­ben, die Ber­li­n-Re­dak­ti­on freu­te sich mit den Ge­win­nern Diao Yinan und Wes An­der­son, zog sich zum letz­ten Mal das Ber­li­na­le-Jing­le rein und freu­te sich ein­fach nur auf einen guten Film. Denn davon gibt es bei der Ber­li­na­le Hun­der­te. Wir sehen uns im nächs­ten Jahr!

Cafébabel Berlin bei der 64. Berlinale

Wir lie­ben Filme! Un­se­re täg­li­chen Up­dates be­kommt ihr di­rekt hier im Ma­ga­zin oder über Facebook und @Ca­fe­ba­bel­Ber­lin. Freut euch auf span­nen­de Film­kri­ti­ken, In­ter­views mit noch un­ent­deck­ten Stars und Schnapp­sch­üs­se rund um den Ber­li­na­le Pa­last.