Berlinale 2013: Tag 6 - Demokratisch auch während des Medienrummels

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2013
Zu jedem Filmfestival gehören auch Autogrammjäger dazu. Am sechsten Tag widmete sich Cafebabel den Personen, die stundenlang auf eine Unterschrift warten. Wir haben das Mikrofon zur anderen Seite des roten Teppichs gerichtet, uns unter die Menge hinter dem Hotel Grand Hyatt Berlin gemischt und zwei Berliner Autogrammjäger zu ihrer Leidenschaft befragt. Hier ein kleiner Einblick.

Ca­fe­ba­bel: Guten Abend!

Au­to­gramm­jä­ger: n’Abend!

Ca­fe­ba­bel: Wir sind vom eu­ro­päi­schen On­line­ma­ga­zin Café Babel und wür­den Ihnen gerne ein Paar fra­gen stel­len.

Au­to­gramm­jä­ger: Naja, ich würde erst gerne mein Au­to­gramm be­kom­men. Eben habe ich ein In­ter­view ge­ge­ben, dann aber kein Au­to­gramm mehr be­kom­men.

Ca­fe­ba­bel: Ach so, Sie wol­len ein Au­to­gramm...

Au­to­gramm­jä­ger: Was wol­len Sie ja allet wis­sen?

Ca­fe­ba­bel: Na, z.B. von wem Sie ein Au­to­gramm be­kom­men möch­ten?

Au­to­gramm­jä­ger: Na, von den Stars!

Ca­fe­ba­bel: Die Stars kom­men also hier aus dem Hotel raus und gehen lang­sam genug, dass man von denen ein Au­to­gramm be­kom­men kann?

Au­to­gramm­jä­ger: Tsch­ja, manch­mal schrei­ben sie und manch­mal halt nich’.

Ca­fe­ba­bel: Und wel­che Stars er­war­ten Sie heute?

Au­to­gramm­jä­ger: Na, z.B. Mor­ri­co­ne.

Ca­fe­ba­bel: Ach so, stimmt. Der soll ja heute zur Pres­se­kon­fe­renz er­schei­nen. Und wann kommt er.

Au­to­gramm­jä­ger: Nach­her.

Ca­fe­ba­bel: Sie haben aber schon den bes­ten Platz.

Au­to­gramm­jä­ger: Ja, ich hoffe, dass er hier um die Ecke kommt und hier schreibt. Hoff’ ich.

Ca­fe­ba­bel: Danke! Wir wün­schen Ihnen noch viel Glück damit.

Ca­fe­ba­bel: Hallo! Und Sie, auf wel­che Stars war­ten Sie?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Auch auf Ennio Mor­ri­co­ne.

Ca­fe­ba­bel: Und wie läuft das?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Wir wis­sen gar nicht was pas­siert. Die Stars kom­men hier an und Mor­ri­co­ne ist ja nicht mehr der jüngs­te mit sei­nen 84 Jah­ren. Wir kön­nen nur hof­fen, dass er Au­to­gram­me schreibt. Ich kann ver­su­chen, ihn Ita­lie­nisch an­zu­spre­chen und ich kann nur hof­fen. Mehr kann ich nicht ma­chen.

Ca­fe­ba­bel: Und funk­tio­niert das nor­ma­ler­wei­se? Haben Sie schon Er­fah­rung damit?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Es hängt davon ab, wann die Herr­schaf­ten hier an­kom­men. Manch­mal kom­men sie zu spät an und wer­den dann von den Agen­ten ge­drängt: “Rein, rein, rein!” Manch­mal gibt es aber auch Stars, die sich durch­set­zen und sagen: “Nein! Ich schrei­be hier erst­mal Au­to­gram­me. Da sind meine Fans. Die haben mich zu der Größe ge­bracht.” Weil wir sind ja die Fans, gu­cken die Filme und hören die Musik. Man muss eben sehen, wie die Si­tua­ti­on ist und ob man Glück hat.

Ca­fe­ba­bel: Sie wer­den hier also zwei mal Ihr Glück pro­bie­ren: ein­mal beim An­kom­men der Stars und ein­mal beim Ver­las­sen.

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Also beim Ver­las­sen, da werde ich nicht mehr hier sein, weil ich dann zum roten Tep­pich am Fried­rich­stadt Pa­last gehe.

Ca­fe­ba­bel: Und was gibt es da?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Da ist dann die­ser Film von die­ser Pres­se­kon­fe­renz.

Ca­fe­ba­bel: Und Kar­ten haben Sie sich schon be­sorgt.

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Nein, ich habe keine Kar­ten. Das ist so schwie­rig. Man kann ja nur eins. Ent­we­der sam­melt man sich ein Au­to­gramm oder man geht in den Film.

Ca­fe­ba­bel: Sie schei­nen sich Ihre Stra­te­gie gut über­legt zu haben. Sind Sie das erste mal dabei?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Nein, ich mach’ das schon viele, viele Jahre.

Ca­fe­ba­bel: Sind Sie Ber­li­ne­rin?

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Ja, ich bin Ber­li­ne­rin und habe mir extra Ur­laub ge­nom­men.

Ca­fe­ba­bel: Viel Er­folg! Wir hof­fen es ge­lingt mit dem Au­to­gramm.

Au­to­gramm­jä­ge­rin: Danke schön!

Auch heute gab es wie­der einen Ba­be­li­na­le Mo­ment of the Day. Alles ge­schah nur kurz vor und kurz nach einem Film­scree­ning. Im Fried­rich­stadt-Pa­last wurde links vom Ca­fe­ba­bel-Team auf eng­lisch ge­spro­chen, rechts auf ita­lie­nisch ge­le­sen, vorne wurde auf deutsch dis­ku­tiert und hin­ten auf pol­nisch ge­plau­dert. Und nach der Vor­stel­lung ging es wei­ter: Es wurde schließ­lich auch auf fran­zö­sisch und spa­nisch über den Film ge­re­det. Ganz klar: Ca­fe­ba­bel!

Text: Chris­ti­na Heu­schen und Da­ni­el Tkatch

In­ter­views: Da­ni­el Tkatch

Foto: Kat­ar­zy­na Swierc