Berlin Jukebox: Esquina Latina

Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2014

Mit neun Bandmitgliedern und ebenso vielen Instrumenten dürfte Esquina Latina zu den größten Bands Berlins gehören. Und damit möchte die Band afro­ku­ba­ni­schen Salsa in der Hauptstadt etablieren. Cafébabel sprach mit drei Band­mit­glie­dern.

Salsa ver­bin­den die meis­ten Men­schen mit La­tein­ame­ri­ka. Mit Berlin wür­den die We­nigs­ten heiße Rhythmen in Ver­bin­dung brin­gen. Doch auch in der Haupt­stadt gibt es mehr als lang­wei­li­ge Me­lo­di­en. Seit 2010 macht Es­qui­na La­ti­na hier afro­ku­ba­ni­schen Salsa. Die Band in­ter­pre­tiert tra­di­tio­nel­le Musik von Künst­lern wie Bebo Val­dez, Ray Bar­ret­to oder „Buena Vista So­ci­al Club“ über­ra­schend neu. Und das mit neun Band­mit­glie­dern, Ge­sang sowie vie­len In­stru­men­ten: Per­cus­sion, Schlag­zeug, Alt­sa­xo­phon, Bass, Gi­tar­re, Piano, Ba­ri­ton­s­a­xo­phon und Trom­pe­te.

Wie seid ihr auf die Idee Salsa zu ma­chen?

Tobi: Vor ei­ni­ger Zeit habe ich Schlag­zeug­un­ter­richt ge­nom­men und da­mals hat mein Leh­rer mir was in diese Rich­tung ge­zeigt. Er selbst hat bei einem sehr be­rühm­ten Con­ga­spie­ler Un­ter­richt be­kom­men. Das pass­te dann ein­fach, weil Tuz und ich da­mals was Neues ma­chen woll­ten. Am An­fang war Es­qui­na La­ti­na also eine Art Selbst­lern­pro­jekt: Wir haben den Stil auf­ge­grif­fen und eine ei­ge­ne Stim­me ent­wi­ckelt.

Henry: Diese Musik ist einfach le­bens­froh und nimmt mich bei jedem Auf­tritt mit, ob­wohl ich sie per­sön­lich nicht so häu­fig höre. Trotz­dem hab ich ein­fach eine Ver­bin­dung dazu, die, ob­wohl ich sie nicht so genau er­klä­ren kann, tief geht. Au­ßer­dem ge­hört sie, wie Funk und Jazz, zu einer ein­fa­chen und trotz­dem kom­ple­xen Stil­art, die viel Po­ten­ti­al für einen Mu­si­ker hat.

Hat einer von euch per­sön­li­che Be­zie­hun­gen zu La­tein­ame­ri­ka?

Henry: Ja, mein Vater hat eine ku­ba­ni­sche Frau und ich selbst war auch schon auf Kuba. Seitdem ich dort war, habe ich eine enge Be­zie­hung zu die­ser Fa­mi­lie und dem Land. Das ist einer der we­ni­gen Fle­cken der Erde, wo man noch die „alte“ Zeit er­le­ben kann.

"Lagrimas Negras"

Was ist das be­son­de­re an eurer Musik? Wie wür­det ihr euren per­sön­li­chen Stil be­schrei­ben?

Tobi: Wir ma­chen Salsa. Aber wir haben sehr viele Ein­flüs­se, vor allem aus dem Funk, Jazz und Blues – Das heißt aus den Sti­len aus denen wir ur­sprüng­lich kom­men.  

Lea: Auch wenn wir covern, be­rei­chern wir die Lie­der: Wir ma­chen neue Ar­ran­ge­ments und ver­än­dern zum Bei­spiel die Blä­ser­li­ne. 

Tobi: Das gilt auch für E-Gi­tar­ren, weil es die in den vor­han­de­nen Ar­ran­ge­ments meist nicht gibt.

Henry: Klar, wir ma­chen Salsa, wie viele, aber bei uns ist es „jung und frisch“. Wir haben noch den Flow, den Elan und die En­er­gie, die vom Pu­bli­kum und von uns selbst aus­geht. 

"El Cuarto de Tula"

Was sind eure per­sön­li­chen Vor­bil­der?

Tobi: Na­tür­lich in­spi­riert uns „Buena Vista So­ci­al Club“. Das Album ist schon sehr be­ein­dru­ckend. Per­sön­lich finde ich „Los Van Van“ toll, eine aus dem Latin Jazz kom­men­de Band auf Kuba. An­sons­ten finde ich die Ver­bin­dung von Jazz und Salsa ich span­nend.

Lea: Glo­ria Es­te­fan ist ein­fach klas­se; be­son­ders ihre Sal­sa-Plat­te „Mi Tier­ra“. Ich kann mich von der Stim­me her gut mit ihr iden­ti­fi­zie­ren und ge­ne­rell mag ich ihren Ge­sangs­stil. Lei­der gibt es we­ni­ge Frau­en, die Salsa sin­gen. Mir feh­len da ein biss­chen die Vor­bil­der. 

Henry: Tito Pu­en­te, Perez Prado, Buena Vista So­ci­al Club und James Brown.

Ihr seid ge­ra­de erst beim Kar­ne­val der Kul­tu­ren auf­ge­tre­ten.  Heute folgt die Fête de la Mu­si­que. Was be­deu­tet Ber­lin für eure Musik und für euch per­sön­lich?

Lea: Ber­lin be­deu­tet für uns na­tür­lich un­se­re Her­kunft, das, was uns prägt. Ber­lin ist aber auch eine große Bühne, denn wir gehen zu den Ber­li­nern raus auf die Stra­ße.

Henry: Wir haben da­durch ein sehr ge­misch­tes Pu­bli­kum. Und das Po­ten­ti­al ist da an alle Be­völ­ke­rungs­schich­ten ran­zu­kom­men. Ber­lin ist ein­fach eine to­le­ran­te, ab­ge­fuck­te, schö­ne, häss­li­che, ver­rück­te und ent­spann­te Stadt. 

"La vida es un carnaval": Auch Esquina Latina performte auf dem Karneval der Kulturen 2014.

Tobi: Die Stadt bie­tet viel­sei­ti­ge Mög­lich­kei­ten Zu­gän­ge zu Musik zu be­kom­men. Im Wed­ding gibt es eine große tür­kisch spra­chi­ge Com­mu­ni­ty mit ent­spre­chen­den mu­si­ka­li­schen Ein­flüs­sen. Und im Prin­zip gilt dies für alle Ein­flüs­se. Über­all kannst du Musik hören und selbst was ma­chen. Wir ma­chen Salsa. Hier gibt es nicht so viele Sal­sa-Bands. Die meis­ten sind re­la­tiv klein. Und wir sind da mit neun Leu­ten sel­ten. Aber wir haben na­tür­lich den ent­spre­chen­den Sound. 

Und wie sieht die Zu­kunft für Es­qui­na La­ti­na aus?

Tobi: Wir wol­len na­tür­lich immer neue Ar­ran­ge­ments aus­pro­bie­ren. Dafür sind Auf­nah­men auch ge­plant. Schließ­lich wer­den wir eine klei­ne Out­door­ses­si­on aus­pro­bie­ren: In Parks, re­la­tiv un­ab­hän­gig von Tech­nik und alles kurz­zei­tig. Mit an­de­ren tan­zen. 

Lea: Ein­fach Boxen ein­pa­cken und raus­ge­hen und zum Bei­spiel im Mau­er­park spie­len. Wir möch­ten ein­fach mobil sein und immer mehr für tan­zen­des Pu­bli­kum sin­gen.

Wer Esquina Latina live erleben möchte, sollte heute ihr Konzert besuchen: Die Band tritt um 20 Uhr auf der Bühne im Artenschutztheater (Lüneburger Straße 370, 10557 Berlin-Mitte) auf.

Cafébabel Berlin schmeißt die Jukebox an

Keine Lust mehr auf die immer glei­chen To­phits, Ra­di­o­schlei­fen oder Spo­ti­fy-Play­lists? Ab April 2014 stel­len wir euch in der Ru­brik Juke­box junge Mu­si­ker, DJs und Live Acts aus Ber­lin vor, die noch Un­er­hör­tes zu bie­ten haben. Mehr Tracks und Play­lists gibt es auf Face­book und Twit­ter.