Berlin Jukebox: Anatopia

Artikel veröffentlicht am 19. September 2014
Artikel veröffentlicht am 19. September 2014

Habt ihr jemals handgefertigten Hightech-Pop gehört? Falls nicht, dann habt ihr nur darauf gewartet, Henrietta Morgenstern und Klaus Plötzlich der Berliner Elektropop-Band Anatopia zu treffen. Über musikalische, künstlerische und nationale Grenzen hinweg hat das Paar ein elektrisierenden experimentellen Live Act kreiert. Tune in.

Stellt euch einen Song als Performance vor – „wie in einer kleinen Welt mit ihrer eigenen theatralischen Geschichte und Charakteren“. Fügt großartige 80er-Jahre Kostüme, weißes Make-up, fiktive Charaktere und verschiedenste Synthesizer hinzu und ihr habt eine grobe Idee, warum Anatopia so eine Überraschung auf der Bühne ist. Kein Wunder, denn beide Bandmitglieder kommen vom experimentellen Theater her: Shani Leiderman aus Tel Aviv ist Schauspielerin und viel im Theater unterwegs. 2008 tat sie sich mit dem Musiker Valentin von Lindenau zusammen, um einen Song für eine ihrer Perfomances zu machen. Seitdem haben sie einen elektrisierenden Elektropop-Act entwickelt, den sie als ihre Alter Egos Henrietta Morgenstern und Klaus Plötzlich auf die Bühne bringen. Mit ihren Konzerten sind sie um die ganze Welt gekommen, von Deutschland und Polen bis in die Niederlande, die Schweiz, Israel und Japan. Ihre erste EP 20110609 (Random Robots) wurde 2011 veröffentlicht, im Oktober dieses Jahres kommt ihr zweites Album User Experience (Snow White Records) heraus.

Cafébabel: Anatopia - was ist das für ein Name?

Henrietta: Als wir anfangs noch mit Namen gespielt haben, haben wir „Anatopia“ gefunden und herausgefunden, was es bedeutet: „der Stand der Dinge, wenn sie sich nicht am richtigen Ort befinden“. Wir mochten den Sound und es passt auch zu dem, was wir machen.

Cafébabel: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Henrietta: Mit den Jahren haben wir sieben Begriffe entwickelt, wie „maximal Techno“ und „intergalaktisches Kabarett”. Jetzt bezeichnen wir sie als „handgefertigen Hightechpop”, weil wir von elektronischer Musik und Techno inspiriert werden. Aber wir machen jeden Sound sichtbar. Wir spielen alles selbst!

Klaus: Unser Ziel ist es, Techno zu spielen, aber wir machen alles live. Wir waren einfach all die Live Acts satt, die ständig Loops und Sampler nutzen.

Henrietta: Es ist eine nette Herausforderung, weil die Leute Beats gewohnt sind, die sehr eng und maschinell sind. Wir versuchen das, was eine Maschine macht, mit unseren Körpern zu tun! Das ist der Grund, warum unsere Performances energiegeladen und hämmernd,  aber auch so fragil sind.

Cafébabel: Warum habt ihr eure Alter Egos Henrietta Morgenstern und Klaus Plötzlich erfunden?

Klaus: Ich möchte mit einer Performance die Menschen überraschen. Sehr häufig sehe ich Bands, die mich kaum ansprechen, weil es einfach ein paar Leute in ganz normalen Klamotten sind. Wir haben beide einen Theaterhintergrund. Daher wollten wir unseren Shows auch eine klare ästhetische Linie geben.

Henrietta: Wir beide lieben die Fantasie – diesen Moment, wenn du von deiner täglichen Ästhetik und Umwelt wegkommst. Kostüme und Charaktere sind für uns ein Weg, diese Fantasiewelt zu kreieren. 

Cafébabel: Ist Berlin ein guter Ort für musikalische Newcomer?

Henrietta: Es ist großartig, weil hier eine Menge Leute sind, mit denen du zusammen arbeiten kannst, und es gibt viel Inspiration. Du kannst kreativ werden, ohne über die kommerziellen Seiten nachzudenken, was einem sehr viel Frieden und Vergnügen bereitet. Aber es ist natürlich auch schwierig, weil es nicht viel Geld gibt.

Klaus: Berlin ist eine sehr musikalische Stadt, aber ein Großteil davon besteht aus DJ-Musik. Ich würde nicht sagen, dass Berlin live viel bietet – außer es sind kleine Bands oder Techno. Mit einer größeren Band werden die Chancen schwieriger, aber manchmal funktionieren auch extravagantere Live Acts sehr gut.

Wollt ihr Anatopia live erleben? Glück gehabt! Am Freitag, den 19. September, spielen Anatopia ihre erste Berlin Herbst-Show im Supamolly (Jessner Str. 41, Friedrichshain, 22h). Wir sehen uns! 

Cafébabel Berlin schmeißt die Jukebox an

Keine Lust mehr auf die immer gleichen Tophits, Radioschleifen oder Spotify-Playlists? Ab April 2014 stellen wir euch in der Rubrik Jukebox junge Musiker, DJs und Live Acts aus Berlin vor, die noch Unerhörtes zu bieten haben. Mehr Tracks und Playlists gibt es auf Facebook und Twitter.