Berlin Europaplatz

Artikel veröffentlicht am 12. November 2007
Artikel veröffentlicht am 12. November 2007

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Im Herzen des Europaplatzes steht der Berliner Hauptbahnhof, nach dem Fernsehturm und der Reichstagskuppel neuestes architektonisches Glanzstück der Stadt.

Wie der Platz heißt? Sind Sie sicher, dass er einen Namen hat? "Wir sind vor dem Hauptbahnhof, ist doch egal wie er heißt", ruft ein junger Reisender unter seiner Schirmmütze hervor. Ein auf einem Pfeiler sitzendes, in seinen Mantel eingemummtes Mädchen schreit in sein Handy: "Ich bin vor dem Bahnhof Mama, auf der Parkplatzseite!". "Ja, dort wo die Busse abfahren!", fügt es hinzu, nachdem es sich nach allen Seiten umgesehen hat, auf der Suche nach etwas, was diesen Ort wohl am besten beschreiben könnte.

Wegweisend und langweilig

"Parkplatzseite" oder auch "Taxiseite", so beschreiben die meisten Reisenden den Platz Entgegen der deutschen Gewohnheit ist das Schild "Europaplatz" in dem vier Etagen umfassenden Bahnhof eher unscheinbar. Ganz abgesehen davon, dass der Bezug des Ortes zu Europa nicht gerade ins Auge fällt. Nur wer sich die Nase an der Türscheibe des Ausgangs geradezu plattdrückt, dabei den Blick hebt und es nicht allzu eilig hat, bemerkt die weißen Lettern auf marineblauem Grund mit dem Hinweis "Europaplatz". Als ob die Stadtverwaltung bedauere, einen so "nackten und langweiligen" Platz "Europa" getauft zu haben, vertraut ein Hamburger Durchreisender an.

Mit zerzausten Haaren und noch verquollenen Augen sind Florence und Matthias im frühen Morgengrauen mit dem Nachtzug aus Paris eingetroffen. Florence ist zum ersten Mal in Berlin und entdeckt einen immensen, zu weiten Raum, beinahe grenzenlos. Ohne Strukturen. "Ich habe das Gefühl, nach einem Sturm auf einer einsamen Insel gestrandet zu sein. Wenn das Berlin ist! Schlimmer: wenn das Berlins Sicht auf Europa ist!" Matthias reagiert offener: "Dieser Bahnhof wurde vor kaum einem Jahr eingeweiht, gerade einmal vor der Fußballweltmeisterschaft im Mai 2006. Jahrelang war er nichts weiter als eine einfache S- Bahnstation inmitten öden Geländes. Lass den Berlinern und den Europäern Zeit, sich den Raum anzueignen!"

Für Matthias trägt der Ort zu Recht seinen Namen. Wie der Platz, ist auch Europa ein weiter, sich ausdehnender geografischer Knotenpunkt sowie ein im Entstehen begriffener geopolitischer Raum. Und wahrhaftig: kaum acht Uhr morgens wimmelt es auf dem Europaplatz von Menschen. Ständig erscheinen neue Menschen auf dem Gehweg. Zigarettenpause, Handypause. Einige halten eines der vor dem Bahnhof in Reihen parkenden Taxis an, andere überqueren die Straße und schlängeln sich gleich darauf durch die 50, vielleicht 100 aufgereihten Fahrräder, auf dem Weg zur gegnüberliegenden Bushaltestelle.

Busse, die auf dem Weg nach Kreuzberg, dem Multikulti-Viertel des Südostens, sind ; nach Friedrichshain, dem alternativen Osten, oder nach Mitte, dem Schicki-Micki des Zentrums. Oder noch weiter über die in Touristenführern beschriebenen 'Kieze' hinaus: nach Marzahn, Pankow oder Wedding. Der Europaplatz ist ohne Zweifel ein Nervenzentrum Berlins. Aber auch nur das.

Abgeschriebene Imbissbuden

Bevor sie ihre Route fortsetzen, machen hungrige Reisende am nächsten Imbissstand halt. Auf dem Busbahnhof stehen vier kleine Hütten Seite an Seite am Straßenrand – wie angewurzelt. Bieten sie einen Vorgeschmack auf die multikulturelle, kulinarische Vielfalt der Stadt? Sind sie der Beweis, dass die Berliner Vorstellung von Europa nicht räumlich begrenzt ist, sondern vielmehr das Tor zur Türkei und nach Asien öffnet? Nicht wirklich.

Auf dem leeren Platz spiegeln die Imbissbuden mit Kitschdekor und typischer Musik eher die Eroberung des Imbissbudenmarktes durch Junk Food wider: schnell, billig, sättigend aber wenig geschmackvoll! Lust auf Kost aus dem Wok oder eine vietnamesische, fast transparente Suppe für zwei Euro? Auf einen zuckergusstriefenden Donut und Schokoriegel? Abgesehen davon, nichts weiter. Oder doch, ein endlos weiter Platz. Der Busparkplatz erstreckt sich noch hinter die Buden bis zur Invalidenstraße. Der Europaplatz hat keine geografischen Grenzen: wie sein institutionelles Pendant?

Eintauchen in die Bedeutung und Herkunft der zahlreichen Plätze und Straßen auf unserem Kontinent, die den Namen „Europa“ tragen? Jeden Monat schlendern wir in Gedanken über einen dieser Plätze. Nächster Halt: Viale Europa in Rom, am 11. Dezember.