Bergen: Auf halber Strecke nach Bologna

Artikel veröffentlicht am 17. Mai 2005
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Artikel veröffentlicht am 17. Mai 2005

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Beim Bildungsgipfel in Bergen am 19. Und 20. Mai wird die Harmonisierung der Hochschulbildung in Europa, der sogenannte Bologna-Prozess, unter die Lupe genommen. Was ist bisher passiert, was steht noch an?

Der Gipfel in Bergen eröffnet ein neues Kapitel im Prozess der Vereinheitlichung der höheren Bildung in Europa. Die Organisatoren in der norwegischen Stadt, deren Viertel Bryggen zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wollen dem Bologna-Prozess - getreu der skandinavischen Tradition - eine soziale Dimension verleihen. Das entspricht der wichtigsten Forderung von Studenten und anderen kritischen Gruppen, die fürchten, dass die Reformen die Bildung in eine Handelsware verwandeln werden. Die norwegische Bildungsministerin Kristin Clemet erinnert daran, dass „ höhere Bildung als Allgemeingut betrachtet werden sollte, für das die Bürger verantwortlich sind.“ Auf der Ebene nationaler Gesetzgebung heißt das: Förderung von Chancengleichheit beim Zugang zu höherer Bildung.

Drei Punkte auf der Tagesordung

Der Gipfel in Bergen wird 40 europäische Länder versammeln, die versuchen werden, die großangelegte Reform voranzubringen. Drei Punkte, die beim letzten Treffen in Berlin zur Priorität erklärt wurden, sind von Arbeitsgruppen vorbereitet worden. Der erste betrifft die Qualität der Reform: Bei der Verteilung der Verantwortlichkeiten zwischen den verschiedenen Institutionen und Akteuren soll Transparenz sichergestellt werden, verbesserte interne und externe Evaluierungsinstrumente sollen zur Anwendung kommen. Der zweite soll die ausgestellten Diplome in den verschiedenen Ländern vereinheitlichen, um sie vergleichbar und vereinbar zu machen.

Der dritte Punkt fordert die teilnehmenden Staaten auf, die „Lisbon Recognition Convention“ zu unterzeichnen. Dieses Abkommen, das vom Europarat und der UNESCO ausgearbeitet wurde, strebt die Anerkennung von Qualifikationen der Hochschulbildung in Europa an. Außerdem werden ab diesem Jahr alle Diplome automatisch und kostenlos einen Anhang enthalten, der die Abschlüsse harmonisieren soll.

Nur ein Weg zum europäischen Bildungsraum

Der Gipfel von Bergen liegt auf halber Strecke zum gesteckten Ziel, den Prozess bis 2010 zum Abschluss zu bringen. Die Magna Charta Universitatum (pdf), die die Grundprinzipien der Reform enthält, wurde bereits 1988, anlässlich der 900-Jahr-Feier der Universität von Bologna verabschiedet. Zehn Jahre später wurde die Sorbonne-Erklärung (pdf) durch die Bildungsministern von Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien unterzeichnet. Die Grundlagen für den Prozess der Harmonisierung der Hochschulbildung waren gelegt.

Die Erklärung von Bologna, die am 19. Juni 1999 von 29 Ländern verabschiedet wurde, definiert sechs Ziele: Verständliche und vergleichbare Diplome, ein Universitätssystem, das grundsätzlich aus zwei Zyklen besteht, ein Credit-System, mehr Mobilität, Zusammenarbeit zur Sicherung der Qualität der Ausbildung und eine europäische Dimension in der höheren Bildung. Beim Gipfel von 33 Bildungsministern in Prag 2001 wurden drei weitere Ziele bestimmt: Berufliche Bildung, Einbeziehung von Studenten und weltweite Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Bildungssystems.

Der Ministergipfel in Berlin 2003 schlug zusätzlich vor, die Promotion als dritten Zyklus sowie die Ausbildung junger Forscher mit einzubeziehen. Der Prozess weitete sich außerdem auf 40 Länder aus. Die Erklärung von Berlin eröffnet allen Ländern, die das Europäische Kulturabkommen unterzeichnet haben, die Möglichkeit, am europäischen Bildungsraum teilzunehmen, wenn sie gewillt sind, die Ziele von Bologna auf nationaler Ebene umzusetzen.

Und sonst?

Bologna ermöglicht die Harmonisierung der europäischen Hochsschulbildung. Niemand kann bestreiten, dass die Bildungslandschaft des Kontinents heute einem Flickenteppich gleicht. Ein vereinheitlichtes System wird eine europäische Wissensgesellschaft und grenzübergreifende Forschung ermöglichen und die Mobilität der Studenten erhöhen, die im Ausland studieren wollen. Das neue Programm Erasmus Mundus soll das Erasmus-Programm auf Master-Studiengänge ausdehnen.

Die Ideen sind gut, doch noch fehlt das Geld, damit die Reformen umgesetzt werden. Die heikle Frage von Stipendien und Zuwendungen relativisiert die Hoffnungen derer, die die Vereinheitlichung als Allheilmittel angesehen haben. Heute haben zahlreiche Studenten aus Zentral- und Osteuropa auf dem Papier die Möglichkeit, an Austauschprogrammen teilzunehmen, aber oft haben sie nicht die Mittel. Doch wenn das neue System zum Erfolg geführt werden soll, darf der Enthusiasmus nicht die negativen Seiten der Reformen vergessen lassen.