Ben Hamidou : « Die Zivilisation, Mutter ! »

Artikel veröffentlicht am 22. März 2014
Artikel veröffentlicht am 22. März 2014

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Was pas­siert, wenn eine un­ge­bil­de­te Frau die Zi­vi­li­sa­ti­on ent­deckt? Der aus Mo­len­beek stam­men­de Schau­spie­ler Ben Ha­mi­dou hat auf seine Art den in­ter­na­tio­na­len Frau­en­tag ge­fei­ert: mit einer Auf­füh­rung vol­ler Humor und Mensch­lich­keit. Und Lie­be.

Seit der Premiere beim Fes­ti­val Daba Maroc im Ok­to­ber 2012 ist das Schau­spiel "Die Zi­vi­li­sa­ti­on, Mut­ter!" ge­spielt von Ben Ha­mi­dou ein Dau­er­bren­ner in Brüs­sel. Es ist die Büh­nen­be­ar­bei­tung des gleich­lau­ten­den Ro­mans und Klas­si­kers der ma­rok­ka­ni­schen Lit­e­ra­tur von Driss Chraïbi. Der Re­gis­seur Gen­naro Pi­tisci und sein Freund Ben Ha­mi­dou wür­den dieses Buch am liebs­ten ab so­fort in allen un­se­ren Bi­blio­the­ken gleich neben den gro­ßen Klas­si­kern der west­li­chen Lit­e­ra­tur sehen.

Die Ge­schich­te ist ein­fach, aber mit­reißend. Wir sind im Ma­rok­ko der 30er Jahre. Welches Schick­sal erwartet Yas­mi­ne, eine mit 13 Jah­ren ver­hei­ra­te­te Frau und Mut­ter von 2 Kin­dern, die noch nie das Haus ver­las­sen hat? Die Ant­wort liegt in den Hän­den ihrer bei­den Söhne, die eines Tages be­schließen, ihre Augen für eine Welt zu öff­nen, die ihr bis­her immer Angst ge­macht hat. Eine Welt, die sie lang­sam und vorsichtig in ihrer Fan­ta­sie zu ge­nießen be­ginnt. Zu­nächst über ein Radio, das ihr die Jungs schen­ken, spä­ter übers Te­le­fon, mit dem sie stun­den­lang mit Un­be­kann­ten spricht. Schließ­lich wagt sie, ohne das Wis­sen ihres Man­nes, den Schritt über die Haus­schwel­le, die sie bis­her von der "Zi­vi­li­sa­ti­on" ge­trennt hat. Im Laufe ihrer Es­ka­pa­den blüht Yas­mi­ne wie ein Blume auf, lernt lesen und schrei­ben, ent­deckt ihr Wohn­vier­tel, fin­det Freun­de, geht sogar mit ihren Jungs ins Kino, wird von Män­nern teils mit ver­wun­der­ten teils mit ent­setz­ten Bli­cken be­traut. Ihr Hausverstand und ihre Zivilcou­ra­ge las­sen sie sogar an einem Stück Weltge­schich­te teil­ha­ben, als sie sich fran­zö­sis­chen Ko­lo­nis­ten ge­gen­über be­haup­tet.

Ben Ha­mi­dou ist al­lei­ne auf der Bühne, ein Stuhl ist das ein­zi­ge Dekor. Er spielt alle Fi­gu­ren, alle Ge­räu­sche und Plät­ze der Ge­schich­te. Sein son­ni­ger Humor, seine ge­schmei­di­gen und har­mo­ni­schen Ges­ten, seine spon­ta­nen und sprit­zi­gen Cho­reo­gra­phi­en und seine ur­ko­mi­schen Ka­ri­ka­tu­ren haben alle be­geis­tert. Alle haben von Her­zen ge­lacht: Junge und we­ni­ger Junge, Ma­rok­ka­ner oder nicht. Die­ser po­ly­mor­phe Künst­ler war für uns die Of­fen­ba­rung des Abends.

Eine Frage ist al­ler­dings un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben: Wird die Frei­heit bei Yas­mi­ne dazu füh­ren, dass sie keine glück­li­che Ehe mehr füh­ren kann?