Belgrad: Das Dubai des Balkans?

Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2016
Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2016

[Podcast] Bis 2019 soll an den Ufern des Save-Flusses eine futuristische Landschaft entstehen, finanziert von emiratischen Millionären: die Belgrade Waterfront. Das Projekt spaltet die Bewohner der serbischen Hauptstadt.

Ich wurde 1981 in Belgrad geboren und gehöre zur sogenannten letzten Generation von Titos jungen Pionieren (der Jugendverband der Tito-Partei Bund der Kommunisten Jugoslawiens, Anm.). Im Jahr 2000 gehörte ich zu den tausenden Jugendlichen, die beschlossen, Jugoslawien zu verlassen und ins Ausland zu ziehen. Seitdem lebe ich in Rom, Hauptstadt der Kunst und der Schönheit.

Verglichen mit meiner Heimatstadt hat sich hier in der Ewigen Stadt überhaupt nichts verändert. Vračar, der historische Stadtteil von Belgrad, in dem ich aufgewachsen bin, und der berühmt ist für seine kleinen Häuser und grünen Hügel, wurde mit brandneuen hohen Gebäuden komplett umgestaltet.

In den letzten 15 Jahren war jedes Mal, wenn ich zurückkam, etwas verändert, umgestaltet, abgerissen, umorganisiert, modernisiert worden. Für viele Auswanderer sind Skepsis und Frustration angesichts der städtischen Veränderungen normal.

Aber eine größere Veränderung hat im Herzen der Stadt stattgefunden: der Bau der Belgrade Waterfront – eine futuristische Landschaft direkt an den Ufern des Save-Flusses, die sich nach ihrer Vollendung 2019 gen Himmel erheben wird.

Das Projekt kostet insgesamt 3,5 Milliarden Euro und wird von einem Millionär aus den Vereinten Arabischen Emiraten finanziert: Mohamed Alabbar. Die Belgrade Waterfront beinhaltet den Bau eines neuen Wirtschaftsbezirks, der sich über fast zwei Quadratkilometer erstreckt, inklusive Wohnungen und Luxushäusern, Einkaufszentren, Hotels, Parks, einem 200 Meter hohen Wolkenkratzer – der größte des Balkans – und den serbischen „Champs Elysées“.

Die Einwohner von Belgrad sind immer noch gespalten, was das Projekt angeht. Einige sehen die Belgrade Waterfront als einen notwendigen Schritt Richtung Modernisierung in der serbischen Hauptstadt. Andere fürchten sich vor der Aussicht, Bürger des „Dubais des Balkans“ zu werden. Seit 2015 nehmen die Bürgerunruhen zu, Aktivisten prangern die Korruption und die fehlende Transparenz des Projektes an. 

Podcast: Belgrade, das Dubai des Balkans?

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Text und Audio: Marina Lalovic

Photographie: Jasmin Brutus

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25 Jahre nach Ausbruch der Balkankriege will Balkans & Beyond originelle Geschichten erzählen und Gesichter der jungen Generation aus Bosnien, Mazedonien, Kroatien, Kosovo, Slowenien, Serbien und Montenegro zeigen, eine Generation, die bereit ist zu vergeben aber nicht zu vergessen. Das Projekt wird von der Allianz Kulturstiftung und cafébabel Berlin getragen.