Beide Teile oder keiner

Artikel veröffentlicht am 16. Februar 2004
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Artikel veröffentlicht am 16. Februar 2004

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Die Geschichte von Zypern zeigt: Mit dem Beitritt der Insel lässt sich Europa auf ein gefährliches Spiel ein. Die Bürger sind gefragt, um die Wogen zu glätten.

Die Teilung Zyperns, der drittgrößten Insel des Mittelmeeres, beruht auf seiner bewegten politischen und religiösen Geschichte. Die Insel wurde bis 1960 von Fremden regiert. Sie liegt 70 km vor der türkischen Küste und ca. 400 km von der griechischen Insel Rhodos entfernt.

Von Venus zu Makarios

Der Legende nach wurde Venus auf Zypern geboren. Bis die türkischen Ottomanen die strategische Bedeutung der Insel erkannten und eroberten herrschte Venedig über die Insel. 1878 wurde die politische Souveränität an Großbritannien übertragen. London entließ Zypern 1959 in die Unabhängigkeit.

Die Situation blieb stabil bis 1967, dem Jahr des Militärputschs in Griechenland: die Junta verfolgte nationale Zielen auf Zypern, und damit begannen die die Auseinandersetzungen zwischen der türkischen und griechischen Bevölkerung.

Die Lage änderte sich beträchtlich, als 1974 in Nikosia, der Hauptstadt der Insel, ein Putschversuch vereitelt wurde. Der Staatsstreich wurde vom griechischen Regime veranlasst, um die Einheitsregierung Makarios zu stürzen. Die Türkei mobilisierte die Streitkräfte und nahm innerhalb von drei Tagen ca. ein Drittel des Inselgebietes ein. 1975 kontrollierte die türkisch-zypriotische Gemeinschaft den Nordteil der Insel, etwa 37% des gesamten Gebietes, während der Rest in der Hand des griechischen Teils blieb. Und so ist es noch heute.

1983 rief der türkische Teil die „Türkische Republik Nordzypern“ aus. Damit wurde der Riss zwischen den Inselhälften zementiert. Die Vereinten Nationen lehnten die ethnische Teilung der Insel ab, lediglich die Türkei bestritt die politische Einheit der Insel.

Wenn Europa das internationale Recht verletzt

Zwischen den Inselteilen gibt es viele Streitpunkte und die Suche nach einem Einvernehmen ist schwierig. Der griechisch-zypriotische Teil will die Bildung eines Bundes unter einer gemeinsamen starken Regierung, die türkische Minderheit bevorzugt eine Föderation, in der eine gewisse Souveränität der Landesteile erhalten bleibt, um sich vor der griechischen Übermacht zu schützen.

Die Teilung ist tief und untergräbt die Friedensabkommen. 1999 kam zusätzlicher Sprengstoff ins Spiel: Im Rahmen der Osterweiterung nahm die Europäische Union Zypern, bzw. den griechisch-zypriotischen Staat, in die Gruppe der Anfangskandidaten auf.

Seit 1999 hat Zypern die wirtschaftlichen Reformen, die von der EU gefordert wurden, sehr gut umgesetzt. Heute präsentiert man sich als Musterkandidat für den Beitritt. Doch durch den EU-Beitritt wurden die Karten der inneren Machtverteilung auf der Insel neu gemischt.

Gefährlicher Sprengstoff

Die Entscheidung der EU, die es Zypern erlaubt auch ohne den türkischen Teil beizutreten, stellt die Linie der UNO-Resolutionen bezüglich der Einheit der Insel in Frage. Tatsächlich ist es so als ob man die gesetzliche Teilung festgelegt hätte, mit möglicherweise riskanten Auswirkungen wie zum Beispiel in Bosnien. Doch vor allem fühlt sich der griechische Teil nicht mehr gezwungen, ein Abkommen mit dem türkischen Teil zu erreichen.

Die EU ist Teil eines politischen Spiels und beeinflusst sein Ergebnis. Der Beitritt Zyperns, statt Brückenschlag für einen möglichen Beitritt der Türkei, kann sich als gefährlicher Sprengstoff herausstellen. Die Partner müssen aber fähig sein, neue Wege zu gehen, die der Wiedervereinigung der Insel eine Chance geben.

Der Wunsch nach Frieden wird von allen Bürgern der Insel geteilt. Auf dieser Grundlage könnten Schritt für Schritt konkrete Ergebnisse erzielt werden. Zum Beispiel könnten Kommunen der EU Partnerschaften mit griechisch-zypriotischen Gemeinden eingehen und sie verpflichten, sich mit den türkischstämmigen Zyprioten auseinander zu setzen.

Für die Bürger wäre eine offene Straße von einem Inselteil in den anderen der interessanteste Aspekt einer Einigung, aber sie ist sicher nicht der Einzige. Auch ein wirtschaftliches Förderprogramm wäre nützlich, um die Kluft zwischen den beiden Inselteilen auszugleichen, neben der notwendigen allgemeinen Entspannung zwischen Griechenland und der Türkei. Nur mit der Realisierung gleichzeitiger Pläne auf allen möglichen Ebenen wird Zypern den neuen Sprengstoff entschärfen können. Der Antrieb muss von der Bevölkerung ausgehen, mit Hilfe der europäischen Zivilgesellschaft.