Becker-Hecht ins Steuerschlupfloch

Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2007

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Ob deutscher Tennisstar oder französischer Schlagersänger: Europas Promis werden erfindungsreich, wenn es hohe Steuersätze zu vermeiden gilt.

Am 07. Mai 2007 hat der für Finanzen zuständige EU-Kommissar Joaquín Almunia den wirtschaftspolitischen Frühjahrsbericht vorgestellt. Darin wird bezweifelt ob es der Europäischen Union gelingen wird, ihr Wirtschaftswachstum zu halten, wenn die Steuerlast auch weiterhin durchschnittlich 45 Prozent beträgt.

Es gibt aber auch EU-Länder, in denen die Steuersätze niedriger liegen. So hat Irland vor kurzem beschlossen, seine Unternehmen steuerlich zu entlasten. Auch Großbritannien wird in Zukunft seinen Handelsgesellschaften etwas weniger Geld abknöpfen.

Viele Prominente haben sich wegen der hohen Steuerlast für Reiche bereits entschlossen, ihren Heimatländern den Rücken zu kehren. Sie wollen ihr finanzielles Ausbluten verhindern. Oder einfach nur ein bißchen sparen…

Johny Hallyday

Der französische Schlagerstar ist der berühmteste und bisher letzte der „Deserteure“. Es ist erst einige Monate her, dass er beschloss, zukünftig lieber Belgier als Franzose sein zu wollen und seine Staatsbürgerschaft zu wechseln. Und das mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf.

Außerdem kündigte Hallyday an, dass er seinen Wohnsitz wechseln werde. Adieu France, Grüetzi Gstaad! Die erste Entscheidung dürfte die Franzosen vielleicht in Ihrer patriotischen Eitelkeit verletzt haben, galt er doch als gallische Antwort auf Elvis Presley. Die zweite Entscheidung dagegen trifft sie härter. Denn da geht es um’s liebe Geld.

Dieser Wechsel war aus Sicht Herrn Hallydays deshalb wünschenswert, weil sein neuer Wohnort ihn lediglich um 21 Prozent seiner Einnahmen erleichtern wird, während der französische Staat 70 Prozent davon haben wollte. Jeden Tag musste er die schwindelerregende Summe von 15 000 Euro an den französischen Fiskus abtreten.

„Ich bin es leid geworden, geschröpft zu werden, kaum dass ich aufgestanden bin“ gab er der Presse gegenüber zu. Immerhin lieferte sein „Fall“ einem der Präsidentschaftskandidaten, dem Konservativen Nicholas Sarkozy, eine prima Steilvorlage für seine Forderung nach einer möglichst raschen Steuerreform zugunsten von Großverdienern.

Man unterstellte Sarkozy prompt, seinen reichen Freunden zuliebe die Vermögenssteuer komplett abschaffen zu wollen – was er aber dementierte.

Montserrat Caballé

Spaniens international erfolgreichste Opernsängerin hat Ihrer Heimat ebenfalls den Rücken gekehrt, um der „untragbaren“ Steuerlast zu entgehen. In diesem Fall hatte es die Dame nicht weit. Sie mußte nur über die Grenze nach Andorra, das lediglich 200 Kilometer von Ihrer Geburtsstadt Barcelona entfernt liegt. Auf diese Weise spart Caballé etwa die Hälfte der Steuern, die sie in Spanien zahlen müßte.

Arancha Sánchez Vicario

Die Option Andorra wählte auch der ehemalige spanische Tennisstar Arancha Sánchez Vicario. Ihr Fall schlug hohe Wellen, denn in den Jahren 1989 bis 1993 hatte die ehemalige Rivalin Steffi Grafs Steueschulden in Höhe von 2,5 Millionen Euro angesammelt. Da sie weniger als die Hälfte des Jahres in Andorra verbrachte unterstand sie in dieser Zeit weiterhin dem spanischen Steuerrecht. Man einigte sich auf einen Vergleich und der Fall wurde ad acta gelegt. Auch heute pendelt sie: Seit dem Jahr 2000 hat sie ein Haus in Barcelona, behält aber ihre Wohnung in Andorra.

Boris Becker und Steffi Graf

Überhaupt scheinen vor allem Sportler dem Finden von Steuerschlupflöchern große Aufmerksamkeit zu widmen. Sie sind allzeit bereit, dem drohenden Würgegriff des Finanzamtes zu entkommen. Deutschland kann mit gleich zwei prominenten Fällen aufwarten: Boris Becker und Steffi Graf. Ersterer konnte im Jahr 2002 gerade noch einer Gefängnisstrafe entkommen. Er lebte damals in Deutschland, behauptete aber in Monte Carlo zu wohnen – einem der Steuerparadiese Europas.

Dem Gefängnis entging er durch ein umfassendes Geständnis, in dem er seine Steuerlüge zugab. Er kam auf Bewährung frei und wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 000 Euro verdonnert. Woraufhin er dann seine Koffer packte und sich in der Schweiz niederließ. In Zürich zahlt er seitdem lediglich 6,6 Prozent Steuern.

Auch Beckers ehemalige Kollegin Steffi Graf wurde 1995 der Steuerhinterziehung bezichtigt. Da es aber ihr Vater Peter war, der sich um’s Geschäftliche gekümmert hatte, hielt man sich in dieser Sache in erster Linie an ihn. Er wurde 1997 zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Vorwürfe gegenüber der Tochter wurden fallengelassen, Steffi Graf mußte lediglich eine Geldstrafe in Höhe von ca. 650000 Euro zahlen. Heute verfügt sie über ein Schweizer Bankkonto, genauso wie ihr Ehemann und Tenniskollege Andre Agassi.

Ungeliebte Unternehmenssteuern

Hunderte von Firmen suchen per Zeitungsanzeigen nach der perfekten Fluchtmöglichkeit ins Steuerparadies. Besonders beliebt sind die Schweiz und Monaco. Üblicherweise sorgen die Firmen jedoch dafür, dass es keine Reibereien mit den Regierungen der „Herkunftsländer“ gibt – das wäre nicht so gut für das Markenimage. Und da die EU ein Binnenmarkt ist, zu dem weder die Schweiz noch Monaco gehören, wäre es auch wirtschaftlich unklug, auf den zollfreien Handel innerhalb der EU zu verzichten. Schließlich muß das Geld erst einmal verdient werden, das man dann aber möglichst nicht besteuert sehen möchte.

Vielmehr werden nur bestimmte Geschäftsbereiche und gewisse Fonds ausgelagert – das läßt die Bilanzen unterm Strich schöner aussehen. Die Bankchefs Terry Burns (Abbey Bank) und Emilio Botín (Banco Santander) haben zahlreiche Investmentfonds laufen, die von den Bahamas aus operieren, aber auch von Jersey, den Antillen, der Isle of Man oder den Cayman Islands aus.

Wie sagte doch einst die US-amerikanische Hotelière Leona Helmsley: „Nur absolute Nobodys zahlen Steuern.“ Sie wurde übrigens wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

*Übersetzerin: María de los Ángeles Cid Antón