Be gay for a day: 24 Stunden Homo in Holland

Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2009

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Im Juli findet einmal jährlich in Holland der größte Jahrmarkt der Welt statt. Aber hinter den Karussellen von Tilburg kann man am so genannten „Rosa Montag“ auch für einen Tag Homo sein und die Emanzipation der Gay-Community feiern.

Die Arbeiterstadt Tilburg ist eine Stadt ohne Gesicht, die von den Holländern gemieden und selbst von den eigenen Einwohnern verflucht wird. Doch einmal im Jahr verwandelt sich Tilburg und wird zum Schauplatz des größten Jahrmarktspektakels in ganz Europa. Die Kirmes, die dieses Jahr zum 200. Mal stattfindet, hat sage und schreibe 237 verschiedene Attraktionen zu bieten, die auf die ganze Innenstadt verteilt sind. Jedes Jahr kommen mehr als zwei Millionen Besucher aus ganz Holland und selbst aus dem Ausland zum Jahrmarkt nach Tilburg, das im Süden der Niederlande liegt. Erst wenn man über die ganze Kirmes schlendert, wird man sich der Ausmaße dieses Schauspiels bewusst: Vom einen Ende bis zum anderen misst der Jahrmarkt 3,5 Kilometer. Wer sich einmal durch die Menschenmenge gedrängt hat, weiß, dass die Tilburger Kirmes wirklich für jeden etwas zu bieten hat. Inmitten dieser Kakophonie unzähliger Karusselle, Glücksspiele, Bars und Tanzaufführungen ist man umgeben von Jugendlichen, verliebten Paaren und Kindern mit ihren Eltern oder Großeltern. Und eben auch von Homosexuellen.

Zwei Ehemänner im Riesenrad

An klassischen Attraktionen fehlt es nicht: Es gibt Schießbuden, Karusselle, Autoscooter und allerlei Stände, die unterschiedlichste Leckereien im Angebot haben. Aber die Tilburger Kirmes will sich auch fortschrittlich. Die Straßen sind übersät mit Fahrgeschäften, die schon allein durch ihre Höhe einen unkontrollierbaren Brechreiz hervorrufen: So gibt es zum Beispiel einen 26 Meter hohen Freefall-Tower, das größte Riesenrad Europas mit einer Höhe von 55 Metern, eine riesige Achterbahn in der Nähe des Bahnhofs sowie einen 4-D-Film. Die Besucher können sogar in den Eingeweiden eines urgeschichtlichen Monsters spazieren gehen.

Aber der Jahrmarkt ist auch auf anderem Gebiet fortschrittlich: Ein Tag der Festivitäten, „Rosa Montag“ genannt, ist der Emanzipation der Homosexuellen gewidmet. An diesem Tag sind es die Homosexuellen, ganz in Rosa gekleidet, die die Kirmes dominieren. Sie kommen in rosafarbenen Kleidern, manche auch als Transvestiten, und feiern hemmungslos. Der Rosa Montag ist seit seiner Gründung im Jahr 1990 ein voller Erfolg. Der Tilburger Jahrmarkt dauert zwar zehn Tage, doch dies ist der Tag, an dem die meisten Besucher gezählt werden. Im letzten Jahr wurde sogar zum ersten Mal eine gleichgeschlechtliche Ehe in einem Riesenrad geschlossen. 

Rosa Montag - nicht nur für Homosexuelle

Dieses Jahr ist die ganze Welt dazu eingeladen, unter dem Motto Be gay for a day (auf Deutsch „Schwul für einen Tag“; A.d.R.) mit den Homosexuellen zu feiern. Denn der Rosa Montag soll eine Party für jedermann sein, nicht nur für Homosexuelle: Hier bietet sich vielmehr für alle Interessierten die einmalige Gelegenheit, einen Tag lang in die Haut eines Homosexuellen zu schlüpfen. Diese wiederum haben die Möglichkeit, ihre sexuellen Vorlieben mit vielen anderen inmitten der Gesellschaft zu feiern. In Tilburg scheint ihre Akzeptanz in der Gesellschaft vollkommen zu sein. Der Rosa Montag ist eine Art Hommage, eine Ermutigung. Nicht wenige Europäer und auch Holländer werden sich trotzdem die Frage stellen, ob in Tilburg die Grenze der Emanzipation der Homosexuellen überschritten wurde. Reicht ein rosafarbenes T-Shirt, um für einen Tag in die Haut eines Gays zu schlüpfen? Vielleicht kann man ja demnächst in Europa auch für einen Tag testen, wie es ist, ein Einwanderer oder eine Frau zu sein.