Barock   Nur schöner Schein?

Artikel veröffentlicht am 6. Oktober 2016
Artikel veröffentlicht am 6. Oktober 2016

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Die Reiss-Engelhorn-Museen (rem) in Mannheim präsentieren noch bis Mitte Februar 2017 die Sonderausstellung zum Thema Barock. Zu sehen sind rund 300 Objekte auf zwei Etagen. Die Ausstellung gliedert sich in sechs Themenschwerpunkte, die das Thema Barock dem Besucher anschaulich näherbringen: „Raum“, „Körper“,“ Wissen“, „Ordnung“, „Glauben“ und „Zeit“.

Wo: rem, Museum Zeughaus C5. 

Barock – Nur schöner Schein? Das Fragezeigen macht deutlich, dass die kulturhistorische Sonderausstellung dem Thema kritisch gegenübersteht und den Barock nicht nur darstellt, sondern auch hinterfragt. Die Ausstellung im Museum Zeughaus C5 begann am 11. September mit einem Bürgerfest auf dem Toulonplatz. Bei herrlichem Wetter gab es für Jung und Alt vieles zu bestaunen und genießen. Etwa das Barockbier der örtlichen Privatbrauerei oder der Barockwein der Schriesheimer Winzergenossenschaft und sonstige Köstlichkeiten. Barocke Holzspiele aus der größten Holzspielsammlung Europas luden zum Mitmachen ein und Darbietungen sorgten bei herrlichem Wetter für viel Abwechslung. Eine originale Postkutsche von 1730 sorgte für viel Aufsehen.

Barock ist mehr als Puder, Pomp und Dekadenz

Die Ausstellung in Mannheim macht deutlich, dass das Zeitalter zwischen 1580 und circa 1770 mehr zu bieten hat, als Puder, Pomp und Dekadenz. Die Epoche wird in ihrer Vielschichtigkeit vorgestellt und gängige Klischees hinterfragt. Es ist eine Zeit der Widersprüche. Üppigen „Rubensweibern“ steht ein klassisch antikes Schönheitsideal gegenüber und dem religiösen Wunderglauben die wissenschaftliche Rationalität. Die besser Gestellten feierten rauschende Feste. Das Volk litt an den Folgen der verheerenden Kriege, etwa dem 30Jährigen Krieg oder den sogenannten Reunionskriegen von dem Franzosen Ludwig XIV und der spanische Erbfolgekrieg kennzeichnen das Land und hinterlassen verwüstende Landstriche. Dieses Geschehen spiegelt sich in den Werken vieler Künstler wieder und zeigt das Kriegsgeschehen in seiner ganzen Grausamkeit („Zeit“). Viele sterben in den Kriegen und später an Seuchen. Der Tod ist überall gegenwärtig.  Den Barocken Menschen prägt ein Todesbewusstsein. Vanitas-Stillleben und Memento Mori-Darstellungen sind verbreitet. Blühende Blumen mahnen an die Vergänglichkeit des Irdischen. Totenschädel, erlöschende Kerzen und Sanduhren sind Symbole für das Verrinnen der Lebenszeit und beliebte Motive in Memento Mori-Bildern. Mit diesem Abschnitt „Zeit“ endet die Ausstellung.

Mit dem Themenkomplex „Raum“ und Bewegung beginnt der Rundgang

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt mit dem Kapitel „Raum“ im 2. Obergeschoss. Im Barock herrschte Aufbruchsstimmung. Viele Entwicklungen und Neuerungen waren grundlegend für die spätere Zeit der Aufklärung und des Klassizismus. Sie sind bis heute das Fundamt der Gesellschaft. Erfindungen wie das Fernrohr, mit dem Galilei die Gestirne erforschte oder das Mikroskop, mit dem van Leeuwenhoek die Bakterien entdeckte, stammen aus dieser Zeit. Adlige, Händler, Missionare und Pilger machten sich auf Reisen, die die Welt stark veränderten. Unbekannte Länder wurden erschlossen. Exotisches kam nach Europa, etwa Kaffee, Kakao und Tabak. Diese Genussmittel waren schon damals teuer und der oberen Schicht vorbehalten.

Enge Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien

Sechs Themenkomplexe machen die Barockepoche in der Ausstellung greifbar. Sie heißen: „Raum“,

„Körper“,“ Wissen“, „Ordnung“, „Glauben“ und „Zeit“. Hier können die Besucher die wichtigsten Merkmale des Zeitalters an Hand von diversen Gegenständen betrachten. Beschriftete Schautafeln führen in die einzelnen Themen ein. Mit rund 300 Exponaten präsentiert die Ausstellung den Barock als europäisches Phänomen und schlägt immer wieder eine Brücke nach Mannheim, In die Region und in die Zeitgenössische Kunst.   Barocke Gemälde, Grafiken, Büsten, seltene Bücher, die erste Zeitung, Porzellan und außergewöhnliche Möbelstücke gehören zur Ausstellung ebenso wie wissenschaftliche Instrumente, Globen und Alltagsgegenstände. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien, das viele Gemälde für die Sonderausstellung zur Verfügung stellte, etwa den Apostel Paulus von Rembrandt oder Gräfin Amalie von Solms-Braunfels von van Dyck und die büßende Maria Magdalene von Gentileschi.

Üppige Körper - antikes Schlankheitsideal – Biblische Szenen

Unter „Körper“ widmet sich die Ausstellung den Schönheitsidealen und –rezepten, der Hygiene, der Esskultur und der medizinischen Versorgung im Barock. Die Menschen griffen lieber zu einem Schorle, um sich das Gesicht zu reinigen, als zu Wasser, denn Wasser war damals weit von unserem heutigen Standard entfernt. Im Barock stand der Vorliebe für üppige Körper ein antikes Schlankheitsideal gegenüber. Maler beschäftigten sich mit nackten Körpern. Beliebt waren biblische Szenen, etwa der Heilige Sebastian oder die Büßende Maria Magdalena. Zahlreiche Bilder kommen aus Wien und den Königlichen Kunstmuseen Belgiens in Brüssel. Der Bezug zur Moderne und zeitgenössischen Interpretation wird hergestellt. Der Niederländer Hendrik Kerstens setzt sich in seinen Arbeiten ironisch mit den Alten Meistern auseinander.

Bei den Essgewohnheiten wird der Unterschied zwischen Arm und Reich sehr deutlich. Den Barock kennzeichnen verheerende Hungersnöte und rauschhafter Überfluss. An den Höfen wird fürstlich gespeist, die einfache Bevölkerung muss sich mit einer kargen Küche begnügen.

„Wissen“: Fernrohr, Mikroskop, Alchemie

Technische Innovationen bestimmen den Barock. Mit Fernrohren erforscht man Sterne und den Weltraum. Mikroskope machen Dinge sichtbar, die das bloße Auge nicht erkennt. Bekannte Größen dieser Zeit sind: Galileo Galilei, der die Gestirne erforscht, William Harvey entdeckt den Blutkreislauf, Antoni van Laeuwenhoek beobachtet im menschlichen Speichel Bakterien, Isaac Newton beweist die Gesetzte der Schwerkraft. Neben Traktaten zeigt die Ausstellung viele wissenschaftliche Instrumente, die den Fortschritt der Barockzeit deutlich machen. Die Alchemie verbindet naturwissenschaftliche und Philosophische Aspekte. Man versucht, das Unreine vom Reinen zu trennen. Alchemisten versuchen aus unedlen Metallen Gold zu produzieren. Dem Prunkbedürfniss der Herrscher steht eine notorische Geldknappheit gegenüber. Viele Betrüger tummeln sich auf diesem Gebiet. Dies bringt die Alchemie zunehmend mit Okkultismus, Hexerei und Aberglauben in Verbindung und damit in Verruf.

Bereich „Ordnung“: Gärten – Anordnung der Städte - Kleiderordnung

Eine feste Ordnung ist typisch für die Barockzeit: Ständehierarchie, Staat, Gesellschaft. Jeder erfüllt eine bestimmte Rolle innerhalb des Ganzen. Ganz oben steht der Fürst. Jedem Untertan ist eine feste Position in der Hierarche zugewiesen. Der Machtanspruch der Fürsten gipfelt im Herrschaftssystem des Absolutismus. Die Ordnung der Barock Zeit manifestiert sich in der Kleidung, in Gartenanlagen, Anordnung der Städte, etwa der Quadrate Stadt Mannheim, oder Karlsruhe und Rastatt. Als Gegenpol zu diesen strengen Regeln schlüpfen Adelige bei Kostümfesten in die Rolle von Schäfern, Bauern oder Wirtsleuten. Die Kleiderordnung am Hof war streng und nicht gerade bequem.

Bereich „Glauben“: Katholiken – Protestanten - Glaubenskriege

Europa ist im 17 und 18 Jahrhundert geprägt von der Glauben Spaltung. Die Konfessionen, Katholiken, Protestanten, Kalvinisten sind erbitterte Gegner. Nur selten ist ein friedliches Nebeneinander möglich. Protestanten und Katholiken bekämpften sich mit Waffen in den Glaubenskriegen, in Predigten und Bildern und Flugblättern. Viele mussten wegen ihres Bekenntnisses die Heimat verlassen. Einen eigenen Weg schlug Kurfürst Karl Ludwig beim Wiederaufbau von Mannheim nach dem 30Jährigen Krieg ein. Ein rief in deutscher, französischer und niederländische Sprache „alle ehrlichen Leuten von allen Nationen“, dazu auf, sich in Mannheim niederzulassen und gestand u.a. Religionsfreiheit zu.  Im Bereich Glauben findet der Besucher Werke von zwei der berühmtesten Barockmaler. Zu meinen die Darstellung des Apostel Paulus von Rembrandt, eine Leihgabe aus Wien und das Bildnis einer lesen Frau von Ruben, aus den Beständen der rem.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.