Bank Job in Brüssel: Überfall der ING-Filiale im 'Hochsicherheitstrakt' Europaparlament

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
Ein als Frau verkleideter Mann hat am Nachmittag des 12. Februar die Bankfiliale der ING überfallen, die sich im Erdgeschoss des EU-Parlaments in Brüssel befindet. Unterdessen fand einige Etagen darüber eine Konferenz zum Thema „Wasser und Frieden unseres Planeten“ statt, an der sowohl der ehemalige russische Präsident Michail Gorbatschow und Prinz Albert von Monaco teilnahmen.

„Da werden Köpfe rollen“, kommentiert ein Assistent des Europäischen Parlaments kurz nach dem heutigen Parlamentskrimi. Circa 4 Uhr nachmittags hatte eine als Frau verkleidete Person, deren Identität noch unbekannt ist, alle Kontrollen und Sicherheitsbarrieren des Parlamentsgebäudes überwinden können, die als äußerst stren gelten.

Der Einbrecher hat von dem ING-Angestellten, der sich zur Zeit des Überfalls allein in der Filiale befand, das im Tresor vorhandene Geld verlangt. Die entwendete Summe ist bisher noch unbekannt. Im Sicherheitsbüro des Europäischen Parlaments bevorzugte man zunächst, Ruhe um das Ereignis und dessen Details zu bewahren. Die Eingänge des Gebäudes wurden eine halbe Stunde lang blockiert. Personenkontrollen innerhalb des Gebäudes wurden verschärft.

Europas Fort Knox geknackt

Im Europäischen Parlament arbeiten und bewegen sich täglich 7000 Menschen. Die Eingangskontrollen sind streng und gelinde ausgedrückt „bürokratisch“. Um Zugang zu erhalten, benötigt man eine Akkreditierung, die man nur als Parlamentarischer Assistent, Journalist oder Angestellter des Gebäudes erhält. Besucher benötigen eine offizielle Einladung eines Parlamentariers beziehungsweise einer parlamentarischen Autorität.

Doch der heutige Vorfall hat gezeigt, dass es Schlupflöcher gibt. Und obwohl jeder Besucher am Eingang einen Ausweis und ein Formular voll ausgefüllt präsentieren und man Körper und persönliche Gegenstände durch einen Scanner schieben muss, konnte eine Person unbescholten in das Herzstück des Parlamentsgebäudes gelangen. Einzig Personen, die einen Herzschrittmacher besitzen, kommen um den Metalldetektor herum, informiert eine Angestellte des Besuchsservices.

Das Parlament fotografiert zur Sicherheit alle Personen, die das Gebäude betreten und verlassen. Eventuell sei die verdächtige Person noch immer im Parlament. Momentan dürfen einzelne Personen das Parlament verlassen. Autos müssen weiterhin im Parlament verharren, bis die Durchsuchungen abgeschlossen sind. Eine offizielle Stellungnahme wird für morgen erwartet.