Band Vetusta Morla: Spaniens Indie-Rock von Madrid bis Kopenhagen

Artikel veröffentlicht am 15. November 2011
Artikel veröffentlicht am 15. November 2011
Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Die spanische Band Vetusta Morla [auf Deutsch: die uralte Morla] lässt nicht gleichgültig. Langsam aber sicher entkommt die Band, die in den Neunzigern in den Klassenzimmern eines Madrider Gymnasiums gegründet wurde, dem Schubladendenken.

Ihr 2008 erschienenes Album Un día en el mundo [Deutsch: 'Ein Tag auf der Erde'] löste einen wahrhaftigen Vetusta Morla Boom in der spanischen Musiklandschaft aus. Der Song Copenhague wurde zu einem der drei besten Lieder des spanischen Indie-Rock der vergangenen 30 Jahre gewählt. Die Band setzt sich aus Pucho (Gesang), Guillermo Galván (Gitarre), Jorge González (Perkussion), David García „El Indio“ [auf Deutsch: der Indianer] (Schlagzeug), Álvaro B. Baglietto (Bass) und Juanma Latorre (Gitarre) zusammen. Zurzeit sind Vetusta Morla gemeinsamin Mexiko auf Tour, um auch international durchzustarten.

cafebabel.com: Nachdem ihr nun auf den Straßen Spaniens, Argentiniens und Mexikos unterwegs wart, wann dürfen wir mit einer Europatour rechnen?

"Die uralte Morla"Juanma (Vetusta Morla): Im März werden wir in London auftreten. Abgesehen von ein paar Auftritten in Italien wird das unser erster europäischer Gig sein. Und hoffentlich nicht der letzte. Wir haben von sehr interessanten Orten in Deutschland und Frankreich gehört, aber wir haben ein kleines Handicap – die Sprache. Wir singen auf Spanisch und es ist schwieriger ein Publikum zu erreichen, das nicht dieselbe Sprache spricht. Trotzdem hat man uns Mut gemacht es zu versuchen. Angeblich gibt es Interesse an spanischsprachiger Musik… Ein weiteres Hindernis ist die Tatsache, dass wir spanischsprachige Musik ohne folkloristischen Bezug machen: nämlich Rock. Würde es sich um Flamenco handeln, wäre das Interesse vielleicht eher da.

cafebabel.com: Habt ihr mal überlegt in einer anderen Sprache zu singen?

Guille(Vetusta Morla): Ehrlich gesagt, nein. Als wir anfingen haben wir ein bisschen mit englischen Liedern experimentiert — mit einer Art Sprachenmix. Aber wir haben festgestellt, dass wir unsere eigene Sprache brauchen, um in unseren Liedern das ausdrücken zu können, was uns im Kopf herumschwirrt. Es ist das gleiche mit den Instrumenten, die man perfekt beherrschen muss, um etwas rüberzubringen.

cafebabel.com: Ihr habt Eure eigene Produktionsfirma. Wie kam es dazu?

Pucho(Vetusta Morla): Ein wenig aus der Not heraus. Anfangs machten wir eine Demo-CD, die wir allen Plattenfirmen schickten. Doch wir erhielten keine Reaktionen. Also beschlossen wir zu Plan B überzugehen: Die CD ohne die Hilfe einer Plattenfirma selbst aufnehmen und dann sehen, was passiert. Das funktionierte aber auch nicht, also haben wir Plan C in Angriff genommen, was die Gründung einer eigenen Plattenfirma war. Mit dem zweiten Album Mapas beschlossen wir genauso weiterzumachen, denn bisher sind wir gut damit gefahren.

cafebabel.com: Der Erfolg kam für euch nicht urplötzlich: Was waren eure Schlüsselmomente?

"Mit der plötzlichen Aufmerksamkeit der Medien 2009 könnte man sagen, sind wir aus der Versenkung aufgetaucht."

Juanma(Vetusta Morla): Mit der plötzlichen Aufmerksamkeit der Medien 2009 könnte man sagen, sind wir aus der Versenkung aufgetaucht. Doch wir hatten davor schon einige Zeit gearbeitet und die Dinge gingen langsam voran, sodass wir Schritt halten und uns daran gewöhnen konnten. Natürlich gab es auch ganz besondere Momente, als wir beispielsweise den Song Qué es lo que está pasando von Deluxe (spanischer Sänger) sangen.

Guille(Vetusta Morla): Es gab einen Moment, über den wir normalerweise nicht reden, aber er hat uns einen kleinen Schock versetzt. Als wir das erste Mal im Club La Riviera in Madrid auftraten – erinnert Ihr euch? Es war ein Konzert verschiedener Bands, wir waren eine davon. Es sah aus, als sei das Konzert zu Ende, aber die Leute fingen an „oeoeoe“ zu singen und wir standen da wie angewurzelt und dachten „meine Güte…“

Jorge(Vetusta Morla): Für mich war das auch ein Schlüsselmoment, denn das war der Grund, weshalb ich mein Strandcafé zugemacht habe. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass es unmöglich sein würde beide Sachen unter einen Hut zu bringen und dass die Band meine ganze Energie bräuchte.

cafebabel.com: Wer entscheidet, was im Tourbus-Radio läuft, wenn ihr unterwegs seid?

Guille(Vetusta Morla): Da dreht der Beifahrer dran ‘rum, weil er am besten drankommt. Meistens ist das Juanma, obwohl er auch manchmal was von den hinteren Reihen eingeflüstert bekommt. Aber normalerweise ist die Zeit im Tourbus zur Erholung da und wir versuchen Musik und Geräusche zu vermeiden.

Juanma(Vetusta Morla): Ich stelle was zusammen. Ich mache für die Fahrt im Tourbus CDs und werde auch sauer, wenn sie mir die wegnehmen. Wir haben uns bisher noch nicht in die Haare gekriegt, aber die anderen haben schon Plastikflaschen auf mich geworfen.

cafebabel.com: Spielt Ihr lieber in kleineren Clubs unplugged oder auf der großen Bühne mit Elektro-Sound?

Jorge(Vetusta Morla): Die unplugged Auftritte sind so selten, dass sie mich ziemlich nervös machen. Es ist immer eine besondere Atmosphäre. Außerdem sind Konzerte unberechenbar. Die Auftritte mit Elektro-Sound haben wir mittlerweile im Blut, aber die unplugged Auftritte sind eine Besonderheit, die wir ab und an machen. Was mir besser gefällt? Kann ich nicht sagen.

Spanisches Musik-Festival

cafebabel.com: Nach so vielen Konzerten und Touren, gibt es etwas, an das ihr euch immer noch nicht gewöhnt habt?

Guille(Vetusta Morla): Ich glaube die Momente kurz vor dem Auftritt. Die sind schrecklich!

Juanma(Vetusta Morla): Ja, wenn man vor dem Konzert hinter der Bühne steht. Da werden wir immer noch nervös. Beim Auftritt in Tres Cantos für das Jubiläum von Amnesty International hatten wir alle wacklige Knie. Das war etwas Besonderes, weil die ganze Familie und alle Freunde da waren. Und wir machten etwas, was wir davor noch nie gemacht hatten: Wir spielten zum ersten Mal die Lieder des Albums Mapasunplugged. Alles war neu. Und ich glaube, das war das Konzert der Tour, bei dem ich am aufgeregtesten war.

Vetusta Morla ist noch bis 18. November 2011 in Mexiko auf Tournee.

Illustrationen: Homepage: ©Marta Arias; Album-Cover und Sonorama 2008 (cc)offizielle Facebookseite vonVetusta Morla; Video: vetustamorla/YouTube