'Balkans' not dead' - unmögliche mazedonische Liebesgeschichten

Artikel veröffentlicht am 16. März 2009
Artikel veröffentlicht am 16. März 2009
Von Paris über Priština bis nach Skopje: das Théâtre de Syldavie präsentiert ein sachliches Theaterstück, indem Muslime und Christen aus Mazedonien versuchen, miteinander klar zu kommen. Eine Bluthochzeit oder die Überarbeitung eines großen Klassikers der Literatur des Balkans.

Eine Probe zwei Wochen vor der Premiere. Wir befinden uns in einem Raum des Maison d’Europe et d’Orient, kahle Wände, einige Stühle und ein Baugerüst sind das einzige Dekor. Das Pariser Kulturzentrum Europas und Ostasiens ist Produzent des Ereignisses. Die Schauspieler lauschen aufmerksam den letzten Empfehlungen von Dominique Dolmieu. Danach kann das Spiel weitergehen. Drei Schauspieler stellen sich für die erste Szene auf.

©Viviana Rossi

Das Stück des mazedonischen Autors Dejan Dukovski Balkans‘ not dead erzählt vom Treffen zweier Völker. Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Provinz Mazedonien von den Türken dominiert. Der Herrscher Osman und sein Untergebener Rasim verbreiten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Die „Koumitas“, mazedonische Unabhängigkeitskämpfer, widerstehen mehr schlecht als recht. Ihr Chef, Spase, erlebt eine intensive Liebesbeziehung zu Cveta. Die Liebe, das edelmütige Gefühl schlechthin, durchzieht und dominiert das gesamte Stück. Sie drängt die beiden Völker zur Begegnung und zum Verständnis. Aber diese unmöglichen Liebesgeschichten zwischen Muslimen und Christen bringen Dramen und familiäre Zerrissenheit hervor.

„Das, was uns an diesem Stück interessiert hat, ist dieses Aufeinandertreffen der westlichen christlichen und der östlichen türkischen Welt. Das ist immer noch ein aktuelles Thema, egal welche Völker und Grenzen es nun betrifft“, erklärt Dominique Dolmieu. Ohne Zweifel handelt es sich um ein engagiertes Theater. „Unser Ziel ist es, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen.“ Die Hauptfiguren sehen sich zahlreichen Schwierigkeiten gegenüber, werden mit Gewinnstreben, Verrat, Gewalt und Mord konfrontiert.

Seit seinem Entstehen im Jahre 1995 überbringt das Stück eine wichtige Botschaft. Es ist die Überarbeitung eines großen Klassikers der mazedonischen Literatur, Die mazedonische Bluthochzeit von Vodjan Cernodrinski. Das Werk rühmt die traditionellen Werte wie die Ehre, die Verbundenheit mit einem Land, den Mut. Balkans‘ not dead nimmt diese Themen wieder auf und verfälscht sie. „All diese noblen Gefühle werden durch die Korruption, die Gier ersetzt, sei es für Geld oder für Sex. Der große Sieger, das Einzige, dessen Wert erhalten bleibt, ist die Liebe.“ Aber der Humor kommt nicht zu kurz. Wenden, Verwechslungen und bissige Antworten folgen munter aufeinander. Bewegende Szenen wechseln sich mit Lachsalven ab und zeichnen so das Leben, wie es ist: fröhlich und traurig gleichermaßen.

©Viviana Rossi

Vom 18. bis zum 29. März im Théâtre de l’Opprimé in Paris. Am 3. April im Nationaltheater des Kosovo in Priština und am 5. April im Mazedonischen Nationaltheater in Skopje.