Balkan-Perspektiven: Sendung gegen Sackgasse

Artikel veröffentlicht am 16. April 2015
Artikel veröffentlicht am 16. April 2015

Auf dem Balkan wird nach Lösungen gesucht, um die jungen Leute zu vereinen, die bis heute unter den Nachwehen des Krieges in den 1990er Jahren zu leiden haben. Die neue Radiosendung 'Perspektiva' auf Radio Slobodna Evropa soll dabei helfen. 

Radio Slobodna Evropa (Radio Free Europe) hat ein neues Vorzeigeprojekt. Die amerikanische Radiostation, welche ihren Teil zum Untergang des Kommunismus vor 25 Jahren beigetragen hat, begibt sich auf jüngeres Terrain. Zunächst hatte der Sender versucht im Ukrainekonflikt gegenüber Russland Position zu beziehen. Gleichzeitig wollte er sich aber auch als ein wichtiges Medien-Outlet auf dem Gebiet der ehemaligen jugoslawischen Staaten zeigen.

In Zusammenarbeit mit dem NED (The National Endorsment for Democracy) und Mebius Film hat Radio Slobodna Evropa nun im Februar die sehr erfolgreiche Serie 'Perspektiva' über junge Menschen und deren Alltag im Balkan gestartet. Für die Sendung wurden bekannte Musiker gecastet, die die Moderation übernehmen sollen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, Stars wie Edo MaajkaMarko Šelic (Marčelo) oder Brano Jakubović für die Sendung unter Vertrag zu nehmen. 

Edo Maajka, ein Rapper aus Bosnien, sendet aus Budva, einer Küstenstadt in Montenegro. "Ich war ziemlich gestresst, doch dank der Studis, die echt gut drauf sind, habe ich mich sehr schnell integriert gefühlt", sagt er über die Sendung. 

Mauern durchbrechen

In ingesamt 52 Radiosendungen soll es insbesondere um Gesellschaftsthemen wie Stereotype und Vorurteile, Toleranz, Liebe und Hass, Mischehen, Abtreibung und LGBT gehen. Die Radiosendungen aus Budva und Mostar sind bereits im Kasten. Aktuell ist das Sendeformat in Sarajevo unterwegs, um sich der Ideen der Jugend anzunehmen.

"In der Sendung geht es vordergründig darum, Mauern zu durchbrechen, die der Krieg, das Bildungssystem oder die Medien zwischen den jungen Menschen verschiedener Nationalitäten hinterlassen haben", steht auf der Seite zur Sendung schwarz auf weiß. "Wir haben der Jugend die Möglichkeit gegeben, vor laufender Kamera über verschiedene Themen ihrer Generation zu sprechen. Wir hören ihnen zu, und sie hören sich gegenseitig zu. Manchmal sind sie gleicher Meinung oder sie wägen ihre unterschiedlichen Standpunkte gegeneinander ab."

Perspektiva gibt vor allem Abiturienten aus Gymnasien in Bosnien, Serbien und dem Kosovo eine Stimme. "Die Meinungen in diesen Ländern klaffen oft weit auseinander und werden für die Fans der Sendung eine große Überraschung sein", meint Radio Free Europe. Die Produzenten erhoffen sich einen offenen Dialog der Jugend auf dem Balkan, damit sich ihre Perspektiven des Zusammenlebens zukünftig verbessern.