Balkan-Kino: Gelobtes Land für Kassenschlager

Artikel veröffentlicht am 19. September 2011
Artikel veröffentlicht am 19. September 2011
16 Jahre nach Ende des Bosnienkriegs wird Bosnien zum 'Gelobten Land' für Filmemacher aus Hollywood und Europa, die sich nach einer kommerziell erfolgreichen Kriegsgeschichte sehnen. Wird die tragische bosnische Vergangenheit tatsächlich zur Einnahmequelle?

Am 8. September war die spanische Oscar-Preisträgerin Penelope Cruz für Dreharbeiten im internationalen Flughafen Sarajevo zu sehen. Der neue Film des italienischen Regisseurs Sergio Castellitto, Venuto al Mondo ('Das schönste Wort der Welt', 2012), basiert auf dem gleichnamigen Bestseller seiner Frau Margaret Mazzantini und handelt von einer alleinerziehenden Flüchtlingsmutter, die zusammen mit ihrem 16 Jahre alten Sohn nach Sarajevo zurückkehrt – an den Ort, an dem der Vater während des Bosnienkrieges (1992-95) ums Leben kam.

Balkankriege: Neuer Kino-Trend?

Frühere Kriegsfilme spielten direkt während des Krieges, wie Im Fadenkreuz – Allein gegen alle (2001), oder waren auf die Jagd eines Terroristen fokussiert (Projekt: Peacemaker, 1997). Jetzt, 16 Jahre nach Ende des Balkankriegs, haben sich solche Geschichten entwickelt und erklären menschliche Beziehungen und das Leben gewöhnlicher Leute, die so schwer von dem Krieg betroffen waren. Dass bosnische Kriegsgeschichten mit Gefühl in Hollywood so in Mode gekommen sind, ist auch der amerikanischen Schauspielerin Angelina Jolie zu verdanken, die 2010 zum ersten Mal als Sonderbotschafterin für das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Bosnien erschienen war. Zu dem Drehbuch für ihren neuen Film In the Land of Blood And Honey, einer Liebesgeschichte in Kriegszeiten zwischen einem christlichen Serben (Goran Kostic) und einer muslimischen Bosnierin (Zana Marjanovic), wurde sie während eines Grippeanfalls in ihrem Haus in Südfrankreich angeregt. Trotz der schwierigen Zeit vor Drehbeginn, in der sich bosnische Vergewaltigungsopfer über den Film beschwerten – die bosnischen Behörden hoben kurzzeitig die Filmerlaubnis auf – gewann ihre Arbeit jetzt den „Honorary Heart of Sarajevo“-Award. Es war fast ergreifend zu sehen, wie Jolie von den stehenden Ovationen der Zuschauer zu Tränen gerührt war. „Im Auto habe ich Brad gesagt: ‚Hoffentlich fange ich nicht an zu weinen‘“, sagte die Schauspielerin während der Pressekonferenz.

Über die Vergangenheit zu reden ist nichts Schlechtes. Es ist sehr wichtig für die Leute in Bosnien, die Geschehnisse während und nach dem Krieg aufzuarbeiten. Wenn wir die Vergangenheit einfach hinter uns lassen, werden wir nie die Möglichkeit haben, uns von ihr zu erholen. Dabei kann Kunst sehr hilfreich sein, vor allem Filme. Aber man ist etwas skeptisch gegenüber Filmen aus Hollywood, denn deren Geschichten werden produziert, um einem großen Publikum zu gefallen und Geld einzuspielen. Unsere Filmemacher sollten und könnten besser sein: wenn ihre Filme einfühlsamer und ehrlicher wären.

In the Land of Blood and Honey kommt am 23. Dezember in US-amerikanische Kinos.

Foto: (cc)kinogalerie/movienewz.com/in-the-land-of-blood-and-honey/#