Autos in der Stadt: Halt da!

Artikel veröffentlicht am 15. März 2008
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Artikel veröffentlicht am 15. März 2008
Da also ist es, worum alle europäischen Abgeordneten einen Bogen machen. Einst Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit, ist das Auto künftig, da es sich nun einmal darum dreht, im Fadenkreuz aller verantwortungsvollen und respektablen Politik.

Insbesondere in den großen Ballungsräumen. Im September 2005 war London die erste Megalopolis, welche sich mit einer Straßenmaut namens London congestion Charge (London City-Maut) versah. Jedes Fahrzeug muss eine Summe von 8 Pfund begleichen (10,70 €), um Zugang zur Innenstadt zu bekommen, und zwar zwischen 7 und 18 Uhr von Montag bis Freitag.

Autofeindliche Politik überall in Europa

Ken Livingstone, Bürgermeister der britischen Hauptstadt und Labour-Party-Mitglied und Anstifter dieser Jagd auf die Vierräder denkt nicht daran, es dabei zu belassen. Eine Steuer von 200 Pfund (268 €) wird bald für die Einfuhr von Lastkraftwagen, die am meisten Abgase verursachen, eingeführt. Zusätzlich müssen jene Laster von mehr als 12 Tonnen, die nicht die europäischen Umweltnormen einhalten,  eine Steuer von 1000 Pfund (1340 €) abführen. Und diese autofeindliche Politik scheint auf Nacheiferer zu stoßen. Man sehe in Richtung Deutschland, wo nach Berlin, Köln und Hannover nun auch Stuttgart und bald 20 andere Städte jenseits des Rhein den Stadtverkehr eingrenzen. Dank der grünen, gelben und roten Aufkleber, je nach Grad des CO2-Ausstoßes vom Fahrzeug.

In Italien fand am Ende des Jahres das System ECOPASS unter dem Antrieb der mailändischen Bürgermeisterin Letizia Moratti Anwendung. Es erlaubt den Fahrern von geringfügig Abgase produzierenden Fahrzeugen den Zugang zur lombardischen Hauptstadt zu bestimmten Uhrzeiten (von Montag bis Freitag von 7:00 bis 19:30). All dies erfolgt unter der Kontrolle der Gendarmerie und Überwachungskameras.

Und nun Paris?

Am Vorabend zu den Gemeindewahlen in Frankreich sind die Trümpfe der Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters in Paris auf den Tisch gelegt. Der von Bertrand Delanoë (PS) geführte Stab will nicht bei dem “Effet Velib” stehen bleiben. Neben der Zunahme der öffentlichen Verkehrsmittel enthüllte der amtierende Bürgermeister eines seiner Phare-Projekte: der “Autolib”. Parks mit kleinen elektrisch betriebenen Fahrzeugen.

Françoise de Panafieu (UMP) unterstützt das Projekt Métrophérique der Régie autonome des transports Parisiens (RATP). Um den Verkehr zwischen Paris und der Vorortschaft zu erleichtern, wird eine unterirdische Umgehungsstraße für die Verbindung von allen Endhaltestellen der U-Bahn-Linien ausprobiert. Die Kandidatin aus der rechten Ecke hat sich gleichermaßen für Autobahnen auf der Île-de-France ausgesprochen, aber wünscht zuvor „eine auf das Thema Stadtmaut bezogene, öffentliche Beratung, welche im Verhältnis zum Paris Ballungsraum steht.“

Von den Grünen bekommt man die radikalsten Reden zu hören. Denis Baupin, der Kopf der Liste und sich um Transport und Verkehr kümmernder Stellvertreter des Bürgermeisters von Paris, engagiert sich, „das Umland und das Autobahnnetz der Île-de-France kostenpflichtig zu machen“, wobei die Einnahmen der „Finanzierung der öffentlichen Verkehrsmittel der Île-de-France“ dienen sollen.

Eine Sache ist sicher: das Auto wird sich künftig einstimmig abwählen…

Trad.: Matthias Jakob Becker