Ausstellung: Wenn Cafébabel Frieden stiftet 

Artikel veröffentlicht am 30. April 2018
Artikel veröffentlicht am 30. April 2018

Im Erinnerungsjahr 2018 organisiert Cafébabel die Fotoausstellung 'Tales of the Afterwar', die den Friedensstiftern in Europa gewidmet ist und Bilder von Nachkriegsgeschichten in Europa zeigt, die noch gar nicht so lang zurückliegen. Ein Projekt von Alizée Gau, das unsere Redaktion aufgerüttelt hat und unsere Generation herausfordert.

'Was ist das eigentlich, Krieg?' Wenn man das heute einen Zwanzigjährigen fragt, nimmt der wahrscheinlich direkt die Beine in die Hand. Doch vor noch gar nicht allzu langer Zeit hatte die Frage auf jeden Fall Grund zu existieren. Im Jahr 2015, kurz nach den Attentaten hier in Paris, sprach der ehemalige Präsident Frankreichs - François Hollande - von einem 'acte de guerre', einer Kriegshandlung.

Und wir erinnern uns alle noch sehr gut. In Redaktionskonferenzen, an Abendbrottischen, beim Feierabendbier: immer wieder gab es lange Diskussionen zum Thema. Und die Frage, die stândig aufkam, lautete? 'Was bedeutet Krieg für eine Generation, die nur Frieden kennt? Dieser Antagonismus bereitete ziemliche Kopfschmerzen: Es ist ziemlich schwierig, für europäische Millennials, sich als 'im Krieg' zu betrachten. 

Und eines Tages, wie es von Zeit zu Zeit bei Cafébabel geschieht, schreibt uns eine Journalistin, um ein Thema vorzuschlagen. Energisch erklärt sie uns, dass sie über eine Reportagereihe über die Nachkriegszeit in Europa nachdenkt. In Wahrheit geht es dabei aber eher um ein Projekt über die Friedensstifter in Europa, diese Menschen, die in Folge von Konflikten für ein erneutes Zusammenlaben einstehen; unter der Annahme, dass der alte Kontinent sich manchmal auf einer alten Idee ausruht: dass hierzulande für immer Frieden herrschen wird. 

Alizée Gau zufolge sei genau das ziemlich gefährlich. Schlimmer noch, es ist sogar falsch. Im Handumdrehen zählt die junge Französin alle europäischen Länder auf, in denen vor noch gar nicht allzu langer Zeit Krieg oder bewaffnete Konflikte herrschten: Nordirland (bis 1998), die Jugoslawienkriege (bis 2001), der Kaukasuskrieg (2008) und die Spannungen, die Zypern bis heute in zwei Teile teilen.

Alizée plante, genau diese Nachkriegsregionen zu besuchen, um mit Menschen zu sprechen, die dort Friedensprojekte durchführen und die Erinnerungsarbeit voranbringen. Tales of the Afterwar war geboren. Von unserer Seite beobachten wir schon seit Längerem die Zunahme des Extremismus in Europa, Terroranschläge und identitäre Bewegungen - sprich, das Projekt von Alizée entsprach unseren Werten, über das friedliche Zusammenleben in Europa zu berichten. Deal!

Alizée begab sich kurz darauf auf eine mehrere Monate lange Reise, traf Aktivisten, Professoren, Künstler, Veteranen, Politiker oder Studenten, die denken, bauen und Akte der Versöhnung fördern. Dank dieser Akteure, die als echte Charaktere präsentiert werden, und der Atmosphäre jeder einzelnen Region brachte sie Geschichten zurück, die wir hier und da veröffentlicht haben. Zudem hat die Journalistin atemberaubende Fotos gemacht. Die wir sehr gemocht haben. So sehr, dass wir Tales of the Afterwar mit einer Ausstellung ein zweites Leben geben wollten. 

Die Vernissage findet am 3. Mai ab 18.30 Uhr im Rathaus des 14. Arrondissement von Paris, 2 Place Ferdinand Brunot, statt. Die Fotos werden dort eine Woche ausgestellt, bevor sie ihre nächste Reise an diverse Orte der französischen Hauptstadt antreten.

Die Ausstellung soll dem Thema Frieden in Europa 2018 Gesichter und Namen geben, einem Thema, das für unsere Generation kein Tabu bleiben sollte. Deal?

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Hier geht es zum Facebook-Event der Vernissage von Tales of the Afterwar.