Auf Französisch

Artikel veröffentlicht am 28. März 2007
Artikel veröffentlicht am 28. März 2007

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Der Mythos des französischen Liebhabers hat bei unseren Nachbarn und ihren weiblichen Artgenossen neben so manchem Andenken auch einige Spuren in den Fremdsprachen hinterlassen. Im kanadischen Quebec-Französisch ist das Verb frencher („auf Französisch küssen“) ein Beweis dafür. Aber oft weisen andere Sprachen zahlreiche französische, an sich unschuldige Wörter auf, und laden diese mit zweideutigen Anspielungen auf.

Wenn ein Franzose in England beim Zahnarzt einen Termin ausmacht, sollte er nicht von einem „rendez-vous“ sprechen. Das könnte ein böses Blitzen aus den Augen seines Gesprächspartners hervorrufen. Denn mit dem gewöhnlichen „appointment“ – dem Termin – hat das nichts zu tun, sondern meint im Englischen wie im Deutschen ein Stelldichein zweier Verliebter. Franzosen sollten deshalb vorsichtig sein – selbst wenn man mit seinem Zahnarzt ein gutes Verhältnis pflegen sollte.

Allgemein gesagt muss das international deklinierte Adjektiv „französisch“ oft für eher neckisch-akrobatische Kunststücke herhalten. Demnach bezeichnet das britische french kiss einen überaus intensiven Kuss zwischen Zungensalsa und Mikrobenballet. Noch trashiger sind die Spanier unterwegs, denn hacer un française beschreibt bei ihnen die Aktivität, die sich mit dem Mund praktizieren lässt und bei dem die Dame meistens kniet. Wie im Deutschen, wobei hier „es auf Französisch machen“ die berühmte Position 69 meint.

Gewisse Wörter oder Ausdrücke aus der Sprache Molières verlieren jedoch beim Überschreiten der Grenzen ihre Doppelbedeutungen. In Deutschland ist ein baiser ein aus Eischnee und Zucker bestehendes Schaumgebäck, das nur entfernt auf seinen französischen Ursprung, den französischen „Kuss“, verweist. In Quebec bedeutet ein cinq à sept ein von 17 bis 19 Uhr stattfindendes Rendezvous, das jedoch – anders als im Französischen – keinerlei besondere Intimität unterstellt. Außerdem bezeichnet dort der Ausdruck grimper le rideau („den Vorhang hinaufklettern“), mit dem die Franzosen einen vorschriftsmäßigen Orgasmus beschreiben, einen entnervten Zustand ganz und gar nicht sexueller Natur.