Auf eine Tasse Kaffee mit Madame d'Amico

Artikel veröffentlicht am 12. Januar 2011
Artikel veröffentlicht am 12. Januar 2011
Den kleinen Innenhof Cour Darmoye, der zwischen dem breiten Boulevard Richard Lenoir und der turbulenten Rue de la Roquette vom Place de la Bastille abzweigt, übersehen auch Pariser leicht. Nicht zuletzt, weil der Eingang in dieses verwunschene Reich ab den frühen Abendstunden bis zum Morgen von einem hohen Eisentor versperrt wird.

Begibt man sich aber zu zivilisierten Zeiten in diese Ecke von Paris, steht das große Tor jedem Besucher offen und führt auf eine unebende Pflastersteingasse, an deren Seiten sich weinumrankte Keramikläden und Kunstgalerien drängen. Fast am Ende des Gässchens schmückt eine mit dem Schriftzug café – thé verzierte Laterne den Eingang der Brûlerie Daval, einer kleinen Kaffeerösterei, in der Andréa d'Amico Kaffee und Tee in alten Porzellantassen mit Sprung serviert. Das Sortiment – von Honigtee bis Mokka Harrar – ist fast zu groß, als dass man sich für nur eine Sorte entscheiden könnte. Aber da jede von Madame d'Amico frisch gebrühte Tasse Kaffee oder Tee nur 1 bzw. 1,50 Euro kosten, sollte man sich getrost durch alle an den Ladenwänden aufgereihten Blechdosen trinken.

Bei schönem Wetter kann man seinen Kaffee auf einem Klappstuhl vor der Rösterei schlürfen und mit Madame d'Amico über die schwierige Wohnlage in Paris, die hohen Mieten am Place de la Bastille und ihre große Liebe, das 20. Arrondissement diskutieren: „Meine Kunden beneiden mich um meine Allgemeinbildung – aber dafür habe ich von Geschäftsführung und Finanzen kaum eine Ahnung! Das ist bei der momentanen Wohnsituation in Paris natürlich nicht von Vorteil.“ Dass sie nichts von Finanzen verstehe, sei vor allem ihrer Mutter geschuldet, die sie immer nur dazu angehalten habe, ihre Aussteuer zu nähen, und so von handfesteren Dingen ferngehalten habe. Die Miete für ihre kleine Brûlerie kann Madame d'Amico aber glücklicherweise trotzdem noch bezahlen, nicht zuletzt dank ihrer vielen Kunden, die sogar aus der Banlieue bis zur Place de la Bastille fahren, um hier ihre monatliche Kaffee- oder Teeration zu kaufen. Die Gefahr langer Wartezeiten und ungenießbarer Kaffeebrühe ist hier also trotz des regen Betriebs kurz vor Ladenschluss gebannt – ein wenig Geduld beim Rösten und Aufbrühen des Kaffees genügt und der Pariser Nachmittag ist perfekt. Zufallsbekanntschaften garantiert.

Brûlerie Daval, Cour Damoye, 12 place de la Bastille, 75011 Paris (Métro Bastille oder Richard Lenoir), 10-13h und 15-19h (außer montags).