Auf der Suche nach neuen Wasserquellen

Artikel veröffentlicht am 2. November 2006
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Artikel veröffentlicht am 2. November 2006

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Europa rüstet sich mit Entsalzungsanlagen und Eisbergen gegen den zunehmenden Mangel an Trinkwasser.

Drei Prozent des Wasservorkommens auf der Erde sind Süßwasser. Davon befinden sich rund zwei Drittel in Form von Eis an den Polen. Für die Weltbevölkerung bleibt das restliche Drittel, also insgesamt ein Prozent aller Wasservorräte. Das wenige Wasser ist zudem ungerecht auf die verschiedenen Regionen der Welt verteilt.

Der Mangel an Trinkwasser verschärft sich in vielen Gegenden durch Phänomene wie Trockenperioden, Wüstenbildung, verunreinigte Flüsse oder landwirtschaftlichen Raubbau. Rund um den Mittelmeerraum sind Spanien, Libyen und Israel besonders vom Wassermangel betroffen. Doch selbst ein vermeintlich so regenreiches Land wie Großbritannien bleibt nicht verschont. Jedes der betroffenen Länder versucht auf seine Weise, das Wasserproblem zu lösen.

Künstliche Flüsse in der Wüste

Libyen ist im Mittelmeerraum zur Zeit der Vorreiter bei der Wassergewinnung. Bald sollen ehemalige Öl- und Gaspumpen den wichtigsten Rohstoff fördern: Trinkwasser. Unter der libyschen Wüste lagert in hundert Meter Tiefe ein Süßwasserreservoir, das insgesamt etwa zehntausend Kubikkilometer umfasst. Zapft man die Wasserquelle an, so können täglich sechs Millionen Kubikmeter an die Erdoberfläche gepumpt werden. Das Unternehmen trägt den Namen Great Man Made River Project, seine Gesamtkosten belaufen sich auf 18 Milliarden Euro. Über ein weites Netz von Leitungen werden vor allem die dicht besiedelten Küstenregionen mit Wasser versorgt.

Spanien entsalzt seine Meere

Innerhalb von Europa leidet Spanien am stärksten unter Wassermangel. Schon mehrmals wurde versucht, wasserreiche Flüsse in Gebiete umzuleiten, in denen die Versorgung knapp wurde. Um auch das Meerwasser nutzbar zu machen, wurden teure Entsalzungsanlagen gebaut.

Inzwischen gibt es eine neue Technik, die durch einen einfachen physikalischen Vorgang Wasser entsalzen kann. Sie ist wesentlich kostengünstiger als die alten Verfahren. Der Prozess ist einfach: Das Meerwasser wird in Bergreservoirs auf etwa sechshundert Meter Höhe gepumpt. Von dort aus wird es durch Leitungen wieder sechshundert Meter tiefer geschickt. Den Rest erledigt der Druck. 45 Prozent des Wassers verwandeln sich auf diese Weise in Trinkwasser, als positiver Nebeneffekt kann außerdem Strom gewonnen werden. Das restliche Wasser wird wieder ins Meer geleitet.

Eisberge in der Themse

Doch nicht nur in Südeuropa wird das Wasser knapp. Im Südosten Großbritanniens sind insgesamt 13 Millionen Menschen betroffen. Eine Wasserversorgung durch Tanklaster ist zu teuer. Angesichts dieses Problems hält das britische Unternehmen Thames Water einen spektakulären Lösungsvorschlag bereit: Von einem noch näher zu bestimmenden Ort in der Arktis sollen riesige Eisberge zur Mündung der Themse transportiert werden. Diese könnten dann angezapft werden, um die Engländer mit dem wertvollen Nass zu versorgen. Eine solche Idee hatten auch schon andere Länder, beispielsweise Saudi Arabien. Die erfolgreiche Umsetzung lässt noch auf sich warten.

Wasser in Pulverform

Die USA beschreiten ganz neue Wege bei der Wasserversorgung. Um den Mindestbedarf der Armeemitglieder auch in Extremsituationen zu decken, gibt es Wasser inzwischen in Pulverform. Die Herstellung ist recht umkompliziert: Sie beruht auf der chemischen Verbindung von Wasser. Durch hohen Druck werden die Moleküle Sauerstoff und Wasserstoff voneinander getrennt. Auf das Pulver aus den beiden Stoffen muss man nur einige Tropfen Wasser geben – und schon vereinigen sie sich wieder und können bedenkenlos genossen werden.

Die Luft ist ein weiteres Wasserreservoir. In ihr sind immerhin etwa 14 Milliarden Kubikmeter Wasser aufgelöst. Methoden zur Wassergewinnung aus der Luft sind schon auf dem Markt. Mit Hilfe eines Luftentfeuchters können pro Tag etwa 38 Liter Wasser gewonnen werden.

Selbst vor der Sonne macht die Suche nach Wasser nicht Halt. Wissenschaftler der Freien Universität Brüssel haben in Zusammenarbeit mit der NASA und der Ben-Gurion-Universität in Israel ein neues System entworfen. Ihr Lösungsansatz sieht die Wassergewinnung durch Sonnenlicht vor. Dunkle Platten absorbieren die Wärme der Sonnenstrahlen. Es wird Wasserdampf produziert, der am Wüstenhimmel künstlich Wolken und damit Regen erzeugt. Und der wird in den von der Desertifikation am stärksten betroffenen Gebieten dringend benötigt.

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