Auch Elfen haben rechte!

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2014
Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2014

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Wer kämpft ei­gent­lich für die Rech­te von Elfen und an­de­ren Fa­bel­we­sen? Die El­fen-Lob­by na­tür­lich. Was wie ein wei­te­res Hirn­ge­spinst der "Big Bang Theo­ry" kling, ist in Wahr­heit eine ein­ge­schwo­re­ne Ge­mein­schaft in Is­land, die nur die Spit­ze eines gro­ßen Eis­bergs an Aber­glau­be, ernst ge­nom­me­ner Pha­nat­sie und di­ver­ser Be­schwö­rungs­for­meln dar­stellt.

Hul­dufólk - Is­lands "ver­bor­ge­ne" Mit­bür­ger

Würde es ein Ran­king über die ge­fähr­lichs­ten Geg­ner von Groß­bau­pro­jek­ten geben, dann wür­den mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit die Rand­grup­pen der Tier­welt ganz oben ste­hen. Da ran­gie­ren dann weit vorn ob­sku­re Fle­der­maus­ar­ten und Am­phi­bi­en, wel­che vor einem Bau­pro­jekt nicht mal den ört­li­chen Tier­schutz­ver­ein son­der­lich in­ter­es­siert haben dürf­ten.  Wobei wir uns auf dem Kon­ti­nent schon längst an sol­che Dis­kus­sio­nen ge­wöhnt haben, könn­te man sich bei der Schlag­zei­le: "Stra­ßen­bau­pro­jekt in Is­land zum Schutz von "ver­bor­ge­nen" Elfen un­ter­bro­chen" ernst­haft fra­gen, ob sich die Jour­na­lis­tin des In­de­pen­dent da nicht ein Scherz er­laubt hat. Aber nein, Is­land wird vom Hul­dufólk be­wohnt, was so viel be­deu­tet wie "ver­bor­ge­ne Men­schen". Im­mer­hin glau­bt nach ei­ni­gen Um­fra­gen noch knapp die Hälf­te der Is­län­der an deren wun­der­sa­me Exis­tenz. Somit zählt diese"Lobby" circa 150.000 Mit­glie­der und eben des­halb muss­te 2013 auch die neue Stra­ßen­ver­bin­dung von der Haupt­stadt Reyk­ja­vik zur Halb­in­sel Álf­ta­nes un­ter­bro­chen wer­den. Die El­fen­ak­ti­vis­ten for­der­ten, dass man den orts­an­säs­si­gen Elfen Zeit zum Umzug geben müss­te.

Hier muss je­doch ein­mal ge­sagt wer­den, dass die un­wirk­li­che At­mo­sphä­re der Insel mit all ihren em­por­stei­gen­den Gey­si­ren, ihren sam­tig-wei­ßen Was­ser­fäl­len und der glut­ro­ten Lava, die sich durchs saf­ti­ge Gras bricht, schon die alten Wi­kin­gern in ihren Bann ge­zo­gen hatte. Die Nord­män­ner waren lange Win­ter in ihren Hei­mat­län­dern Skan­di­na­vi­ens ge­wöhnt und dort ver­trieb man sich die dunk­len Mo­na­te gern mit dem kunst­vol­len Er­zäh­len von Ge­schich­ten, die aus einer rei­chen Sa­gen­welt schöp­fen konn­ten. Diese Er­zäh­lun­gen, in denen es von Trol­len, Zwer­gen und Elfen nur so wim­melte, stan­den letzt­lich den My­then von Rö­mern und Grie­chen in nichts nach. Und auch nach der Chris­tia­ni­sie­rung Nord­eu­ro­pas über­dau­er­ten sie die Zeit. Das Hul­dufólk schien sogar so wich­tig, dass es in christ­li­che Er­zäh­lun­gen mit ein­ge­bun­den wurde, so­dass die Kir­che nie gegen die un­sicht­ba­ren Wesen vor­ge­gan­gen ist (den­noch wis­sen die Is­län­der, dass das "ver­bor­ge­ne" Volk Kir­chen und Ka­pel­len lie­ber mei­det).

Heute sehen die Is­län­der immer noch in skur­ri­len Fels­for­ma­tio­nen Rie­sen, in Hü­gel­ket­ten El­fen­häu­ser und die ganze Insel ist für sie eine Par­al­lel­welt zwi­schen der Welt der Men­schen und der mys­ti­schen Welt des Hul­dufólks. Diese Wesen leben völ­lig fried­lich neben den Men­schen her, kön­nen aber äu­ßerst un­ge­hal­ten wer­den, falls mal wie­der ein Bau­pro­jekt das "ver­steck­te" Ei­gen­tum des Hul­dufólks be­droht. Bau­ar­bei­ter er­zäh­len dann von de­fek­ten Ma­schi­nen und rät­sel­haf­ten Krank­heits­fäl­len in der Be­leg­schaft. Was also tut ein Is­län­der? Er ruft die El­fen­ver­mitt­ler.

Der Kopf die­ser "Di­plo­ma­ten" ist seit Jahr­zehn­ten Erla Stefánsdóttir, die in der deut­schen Pres­se auch gern als "El­fen­be­auf­trag­te" be­zeich­net wird. Sie ver­han­delt mit orts­an­säs­si­gen Elfen und über­zeugt sie vom Umzug, des­sen Kos­ten na­tür­lich die Bau­herren tra­gen. So säu­men zahl­rei­che Stra­ßen und Vor­gär­ten künst­li­che Hügel und grobe Stein­kon­struk­tio­nen. In diese "Neu­bau­ten" zie­hen dann die Fa­bel­we­sen ein, der Bag­ger gräbt wie­der und der Fah­rer ist sei­nen Reiz­hus­ten los. So ein­fach kann es gehen.

Wer glaubt, dass Frau Stefánsdóttirs Ar­beit diese my­thi­sche Ab­sur­di­tät ab­schließt, der soll­te sich die Home­page der "Elf­school" in Reyk­ja­vik ein­mal ge­nau­er an­se­hen. Neben Kur­sen in Elf­kom­mu­ni­ka­ti­on und damit ver­bun­de­nen Zer­ti­fi­ka­ten, kann man sich auch in ver­schie­dens­te "Prä­ze­denz­fäl­le" ein­le­sen, die von der "Elf­school" stolz prä­sen­tiert wer­den.

Ver­bor­ge­ne Völ­ker, der Trend geht wei­ter...

Auch auf den dä­ni­schen Fä­rö­ern kennt man das Hul­dufólk als fried­fer­ti­ge Mit­be­woh­ner. Auch das Mut­ter­land hat sein ei­ge­nes "ver­bor­ge­nes" Volk, das von König "El­lestin­ge­ren" re­giert wird. Auf Born­holm haben sich die Sagen um den ex­zen­tri­schen König, des­sen drei­bei­ni­ges Pferd und sein un­ter­ir­di­sches Völk­chen lange be­wahrt. So war es eine aber­gläu­bi­sche Tra­di­ti­on, die letz­te Ha­ferg­ar­be einer Ernte wie­der auf das Feld zu­rück zu legen. Somit woll­te man das Pferd von El­lestin­ge­ren füt­tern und den König für die nächs­te Ernte gnä­dig stim­men. Heut­zu­ta­ge pflegt man aber lie­ber einen etwas all­tags­taug­li­cheren  Aber­glau­ben in Dä­ne­mark. So spielt man sehr gern mit der Zah­len­kom­bi­na­ti­on 7-9-13 (Syv-ni-tret­ten) als Be­schwö­rungs­for­mel, die alles Un­heil ab­wen­den soll. Prak­tisch sagt man also nach einem Wunsch ein­fach "syv-ni-tret­ten" und dann scheint mor­gen ga­ran­tiert die Sonne oder man hat bis zum Jah­res­en­de den Mann fürs Leben ge­fun­den, was auch immer es ist, "syv-ni-tret­ten" hilft immer, also in der Theo­rie. Be­rühm­tes­tes Bei­spiel für diese Manie war der 7. Sep­tem­ber 2013, an dem ein wah­rer Hoch­zeits­boom im Lande aus­ge­bro­chen war.

Die Frage nach dem Wahr­heits­ge­halt stellt sich erst gar nicht (das bringt Un­glück), aber fragt man, warum es nun aus­ge­rech­net 7-9-13 sein muss, dann schei­den sich die Geis­ter. Sie­ben ist weit­hin als Glücks­zahl be­kannt und die 13 ist die Un­glück­zahl in Per­son. Bei der Neun rät­selt man seit Chris­ti­an An­der­sens Zei­ten, ob es nun für drei mal drei Stoß­ge­be­te steht oder noch eine an­de­re Be­deu­tung hat. Fakt ist, die Wir­kung der For­mel ist un­be­strit­ten und un­er­schöpf­lich, syv-ni-tret­ten...

Aber­glau­be? Na gehen wir mal auf Num­mer si­cher...

Da steht es, Schloss Egeskov. Stolz und mäch­tig er­hebt sich das Renaissance­schloss aus dem weit­ge­zo­ge­nen Was­ser­gra­ben. Man nä­hert sich über eine lan­gen Ei­chen­al­lee dem An­we­sen, dass bis heute im Be­sitz des dä­ni­schen Ge­schlechts Ahl­feld-Lau­rvig-Bil­le ist. Die­ses Schloss zieht jähr­lich tau­sen­de Tou­ris­ten an und doch kann es je­der­zeit ver­schwin­den. Wan­delt man durch das Schloss, so wan­delt man durch die Epo­chen, die das klei­ne Kö­nig­reich durch­lebt hat. Am Ende kommt man auf einem ver­win­kel­ten Dach­bo­den her­aus, der ei­gent­lich nichts be­son­de­res zu sein scheint, doch dann bleibt man er­starrt ste­hen. Da liegt etwas. Da liegt je­mand. Durch ein Dach­fens­ter fällt Licht auf eine ver­zweig­te Bal­ken­kon­struk­ti­on. 

Und in deren Mitte liegt je­mand. Auf einem ur­al­ten Kis­sen er­kennt man einen klei­nen Holz­mann. Arme und Beine hat die Zeit sich ge­nom­men, eben­so seine Nase. Es ist selt­sam aber von die­ser Figur geht eine so ei­ge­ne Aura aus, dass man re­spekt­voll Ab­stand hält. 

Wenn man das Glück hat und Graf Mi­cha­el im Schloss trifft, er­zählt er si­cher gern die Ge­schich­te des "træman­den". Kei­ner weiß, woher er kommt oder wer ihn auf Kis­sen und Bal­ken ge­legt hat. Ein Ge­rücht hat sich je­doch er­hal­ten: Wenn man ihn von sei­nem Son­nen­platz (...​auf dem Foto ziem­lich düs­ter) ent­fernt, dann ver­sinkt Eges­kov am nächs­ten Weih­nachts­abend. Auch Aber­glau­be? Für die Vor­fah­ren des Gra­fen je­den­falls genug, um nie­mals die Fei­er­ta­ge auf dem Schloss zu ver­brin­gen. Heut­zu­ta­ge steigt Grä­fin Ca­ro­li­ne in der Hei­li­gen Nacht die hun­der­ten Stu­fen auf den Dacht­bo­den, um dem klei­nen Wäch­ter ein Scha­le Reis­brei zu brin­gen. Am nächs­ten Mor­gen ist diese na­tür­lich leer...

Eins ist klar: der Nor­den hat sich einen recht ei­ge­nen, aber sym­pa­ti­schen Aber­glau­ben be­wahrt. Es gibt un­zäh­li­ge Ge­schich­ten und Ge­bräu­che aus die­ser Re­gi­on, die den Um­p­fang die­ses Ar­ti­kels hier si­cher spren­gen wür­den. Dem"træman­den" je­den­falls, nä­he­re ich mich immer wie­der mit Ehr­furcht.  Und wer weiß, viel­leicht nimmt mir ja auch das Hul­dufólk meine Worte übel. Hof­fent­lich nicht, syv-ni-tret­ten...