ASYL FÜR WHISTLEBLOWER SNOWDEN: (RUSS)LAND IN SICHT?

Artikel veröffentlicht am 15. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 15. Juli 2013

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden will Moskau um vorübergehendes Asyl bitten. Bislang sei aber aber noch kein entsprechender Antrag eingegangen, erklärten die russischen Behörden am Wochenende. Der Whistleblower liefert sich ausgerechnet dem Autokraten Putin aus, meinen Kommentatoren und fordern Amnestie oder ein mildes Urteil vor einem Zivilgericht in den USA. 

Süddeutsche Zeitung: Bittere Ironie; Deutschland


Mit seinem Asylantrag in Russland wird der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden von Putins Gnaden abhängig, bemerkt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Der Herrscher im Kreml findet Gefallen daran, Amerika zu demütigen. Snowden kommt ihm da zupass. Dass er einem Mann, den die US-Regierung so wütend und hartnäckig verfolgt, Unterschlupf bieten kann - unter der scheinheiligen Bedingung, dass dieser dann aber aufhören müsse, 'unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen' - ist ein Triumph für Putin. Aber Snowden muss wissen, dass die Zeiten sich ändern können. Vielleicht ist ein Flüchtling wie er dann plötzlich lästig für die Beziehungen unter Großmächten. Der Zar gibt, aber er kann auch nehmen. Dass der Whistleblower zudem bei einer autoritären Regierung Zuflucht sucht, die sich um Bürger- und Menschenrechte einen Dreck schert, ist bittere Ironie. [...] Snowden in Russland - das heißt auch: Die Wiederannäherung, die US-Präsident Barack Obama an Russland versucht hat - der oft beschworene 'Neustart' - ist endgültig gescheitert." (15.07.2013)

Der Standard: Obama und Snowden in einer end- und sinnlosen Jagd; Österreich


Obama sollte Snowden einen fairen Prozess zusichern, fordert die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Offenbar lässt sich Obama von den Scharfmachern in Washington - Demokraten ebenso wie Republikanern - treiben, die Snowden als Staatsfeind am liebsten in der Todeszelle sehen würden. Aber Snowden ist kein Landesverräter, der wertvolle Geheimnisse feindlichen Mächten zuspielt, sondern ein klassischer Whistleblower, der zwar der NSA schadet, aber seinem Land nützt, indem er umstrittene Praktiken offenlegt. Idealerweise würde er sich selbst stellen, um seine Sache vor einem ordentlichen Zivilgericht vorzubringen - und auf die Kraft der Argumente setzen. Aber statt eines milden Urteils oder gar einer Amnestie durch das Weiße Haus, wie es manche bereits fordern, droht ihm lebenslange Haft. Wie in einem absurden Theaterstück stecken Obama und Snowden daher in einer end- und sinnlosen Jagd, in der beide nur verlieren können." (15.07.2013)


24 Chasa: Kein Staat ist bereit, Snowden zum Helden zu machen; Bulgarien


Edward Snowdens abenteuerliche Flucht vor den US-Behörden zeigt nach Ansicht der liberalen Tageszeitung 24 Chasa, dass dieser offenbar nicht wahrhaben wollte, dass "die Welt aus Staaten besteht und nicht aus miteinander vernetzten Computern. Es gibt zwar viele Menschen, die sich freuen, wenn die Schnüffelei der USA aufgedeckt wird und dies anderen Staaten eine Warnung sein kann. Dennoch ist kein Staat bereit, Snowden zum Helden zu machen. [...] Für die neue Generation der 'Revolutionäre' ist der Fall Snowden die erste politische Erfahrung und sie werden ihre Lehre aus ihm ziehen. Menschen wie Snowden und Assange werden immer wieder auftauchen und sie werden immer wieder mit dem Staat zu kämpfen haben, von dem sie bisher nur eine nebulöse Vorstellung hatten. Sie werden einsehen müssen, dass außerhalb der Grenzen ihrer eigenen Welt eine andere Welt auf sie wartet." (13.07.2013)

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