"Arsch und Hemd" auf freundschaftlicher Entdeckungstour durch Europa

Artikel veröffentlicht am 4. August 2010
Artikel veröffentlicht am 4. August 2010
Zwei Babelianer, die sich nach französischer Art wie „Arsch und Hemd“ (cul et chemise) verstehen, haben ihren Sommer genutzt, um eine kleine Tour quer durch Europa zu machen. Unterwegs entdeckten sie tausend und eine Art, Freundschaft auszudrücken. Ein vierhändig verfasster Reisebericht.

Von Paris aus geht es zunächst durch die Pyrenäen und, kaum angekommen, entdecken die beiden „Diebe auf dem Markt“ (larrons en foire), dass in Spanien Freundschaft durch den Magen geht. „Hacer buenas migas“ (gute migas haben - miga ist ein Ragout aus frittiertem Brot mit Speckstreifen) gilt hier als gutes Mittel, um die Zähigkeit freundschaftlicher Bindungen zu prüfen … eine Herausforderung, der sich die beiden Babelianer natürlich ohne zu zögern gestellt haben. So sehr, dass ihnen nach einigen Tagen nur noch ein lausiger Pinienkern blieb. Allerdings finden die Spanier, dass das Teilen eines Pinienkerns (estar a partir un piñon – so sehr Freunde sein, dass man sich sogar einen Pinienkern teilt) das edelste Zeichen der Freundschaft sei. Ein schwacher Trost für die hungrigen Reisenden.

Mehr als jemals zuvor „Schweinefreunde“ (copains de cochon) begeben sich die beiden nach Italien und stärken sich dort mit einem delikaten Tomaten-Mozzarella-Salat. Schwupps! Als der am meisten Hungernde sein Gericht salzen möchte, öffnet sich der Salzstreuer und verschüttet ein gutes Kilo. Solidarisch hilft ihm der andere nun, seinen Teller leer zu essen: Ein Kilo Salz zusammen gegessen haben (Hanno mangiato un chilo di sale insieme) – in der Region Abruzzen ein untrügliches Zeichen der Freundschaft. Die Abreise nach Deutschland steht an und die Italiener rufen wie ein einziger Mann: „Ihr seid wie Gianni und Pinotto!“ („Voi siete come Gianni e Pinotto!“). Die beiden Freunde hätten es nicht besser ausdrücken können:

In Deutschland, gierig nach einheimischer Kultur, zappen sie sich munter durch die deutschen Fernsehsender – dabei absichtlich Inspektor Derrick vermeidend – bis sie über Bud Spencer und Terrence Hill stolpern, ein untrennbares Polizisten-Duo. Der Film trägt den Titel „Zwei wie Pech und Schwefel“. Sie finden also heraus, dass Freundschaft in Deutschland eine Flamme ist. Eine Flamme, die auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals entfacht wird: Sagt man über zwei Komplizen nicht, „they get on like a house on fire“ („sie verstehen sich super“)? Aufgeheitert durch diese Hitze und „an der Hüfte zusammengeschweißt“ (joined at the hip), kommen ihnen gleichzeitig die Textzeilen von Vanessa Paradis‘ Song L’Incendie ins Gedächtnis: „L’un sans l’autre, c’est un incendie …“ („Der Eine ohne den Anderen, das ist eine Brandkatastrophe …“):

Und so aneinandergeklebt beschließen sie, sich in Polen niederzulassen. Um Karriere zu machen. „Wie Brüder“ (Jak bracia). Ein Erfolg. Nachdem sie in Italien mit Gianni e Pinotto verglichen wurden, nominieren die Polen sie nun als würdige Erben von Jeremi Przybora und Jerzy Wasowski, die zwei lustigen Kerle vom Kabaret Starszych Panów ("Kabaret der betagten Herren“). Und das ist völlig verdient … Denn von Speckstreifen zu Pinienkernen, von Polizisten zu Häusern oder von Cartoons zu Störenfrieden: In Europa wird Freundschaft ungehemmt gelebt.

Artikellogo ©crosathorian/flickr

Videos : Gianni e Pinotto ©Giacomo GD/YouTube ; L’Incendie von Vanessa Paradis ©VanessaParadisVEVO/YouTube; Kabaret der “betagten Herren“ ©moodrabilla/YouTube