Arianna Huffington, die griechische “Queen der Blogosphäre”

Artikel veröffentlicht am 3. September 2010
Artikel veröffentlicht am 3. September 2010
Mit Zitaten wie “Darlings, make blogs, not war” und dem Blog Huffington Post ist die 60-jährige Athenerin in den USA zum Star geworden. In ihrer Heimat Griechenland hingegen ist die als Arianna Stassinopoulus Geborene weitestgehend unbekannt. Schade.

Immer wenn ich früher danach gefragt wurde, was ich später einmal werden wollte, gab ich einen meiner typisch kurzlebigen Berufswünsche bekannt: Mal wollte ich Lehrerin werden, mal Schauspielerin, mal Popsternchen. Auf die Idee, Bloggerin zu werden, kam ich allerdings nie. Gab es den "Beruf" schon, als ich ein Kind war? Heute, mit Ende 20, bin stolz, mich eine Bloggerin nennen zu dürfen. Ich nutze den Titel sogar, wenn ich in Foren mitdiskutiere. Und: Heute bewundere ich außerdem die 60-jährige Griechin Arianna Huffington aus LA. Nach Zwischenstationen in Cambridge und London zog die Athenerin in die USA, wo sie 2005 schließlich den erfolgreichen amerikanischen Blog Huffington Post ("HuffPo") mitbegründete. Im März 2010 zählte der Blog bereits 13 Millionen Besucher. Bei den Webby Awards gewann er den Zuschauerpreis für den besten politischen Blog.

Ikarus vs. Arianna Stassinopoulos-Huffington

Arianna mag es durchaus polemisch, ist als Sachbuchautorin jedoch anerkanntViel wird in den USA über Arianna Huffington geredet. Sie hat nicht nur eine glücklose politische Karriere (sie verlor das Rennen um den Gouverneursposten in Kalifornien 2003 gegen Arnold Schwarzenegger) hinter sich, sondern auch eine glücklose Ehe (mit dem republikanischen Politiker Michael Huffington, dem Vater ihrer zwei Töchter, der sich nach dem Ende ihrer 11-jährigen Ehe als bisexuell outete) und eine glücklose TV-Karriere. Am Ende half es ihr, die herkömmlichen Institutionen zu meiden und stattdessen mit einem politischen Blog an die Öffentlichkeit zu gehen - und der Erfolg kam. Als "konvertierte" Demokratin berichtete sie über die US-Präsidentenwahlen 2008 und über die Geschehnisse im US-amerikanischen Kongress. Sie sprach sich entschieden gegen die amerikanischen Interventionen in den Jugoslawien-Kriegen sowie im Afghanistan-Krieg aus, kritisierte Politiker und ihre PR-Berater-Hofstaaten. Immer wieder schafft Huffington es, Prominente und andere Blogger für Beiträge zu gewinnen. Im amerikanischen Politikspektrum ist die Huffington Post als liberal einzuordnen, also auf Seiten der Demokratischen Partei. Für Huffington trotzdem kein Grund, sich mit ihrer Meinung zurückzuhalten: In einem Kommentar greift sie die derzeitige demokratische US-Außenministerin Hillary Clinton an: "In der Hölle ist für alle ein Platz reserviert, die etwas hätten tun können, um den Krieg aufzuhalten, aber stattdessen nichts getan haben. Zu diesen Personen gehört Hillary.“

In Griechenland jedoch ist der "größte griechische Überflieger seit Ikarus" kein Gesprächsthema. Webrecherchen bringen für Arianna Stassinopoulos-Huffington immer wieder dieselben Ergebnisse hervor: "Queen der Blogosphere" mit kontroversen politischen Ambitionen, ihre gescheiterte "Zweckehe" und Berichte über ihren Lebensstil im Allgemeinen. Es gibt außerdem einige Verrisse über die Bücher und Biografien, die sie geschrieben hat (insgesamt ungefähr zwölf), darunter ihr neuestes Buch, ein Blogging-Guide. Vor ihrer Karriere als Bloggerin schrieb Arianna eine feministische "Antwort" auf das Werk von Germaine Greer sowie Biografien über Maria Callas und Picasso, deren Stil von griechischen Kommentatoren als zu geschwätzig abgeurteilt wurde. Ich fand sogar heraus, dass Arianna Huffington schon einmal wegen Plagiarismus und der Verletzung von Urheberrechten verklagt wurde. Diese Fälle wurden jedoch beigelegt.

Eine Postkarten-AnsichtIhr Vater Konstantinos, ein Journalist und Workaholic, war vor allem dafür bekannt, dass er den griechischen Widerstand gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg unterstützte und als Gefangener in einem deutschen Konzentrationslager interniert war. Arianna wuchs im Athen der 1960er Jahre auf. Dort las sie eines Tages in einer Zeitschrift über die Universität von Cambridge. Kurz darauf flog sie mit ihrer Mutter nach Großbritannien, um sich vor Ort umzusehen. Dies galt für junge Griechen als unüblich, außer wenn sie viel Geld hatten und aus reichen Familien stammten. Auch dass ihre Mutter ihr half war für das damals sehr konservative Umfeld äußerst ungewöhnlich. Athen galt in dieser Zeit als eine der schönsten Hauptstädte Europas. Nichts war in der Stadt an der Ägäis von der heutigen anarchischen und chaotischen Architektur zu erahnen. Die Athener lebten in ihrem eigenen Universum.

Griechisch sein oder nicht griechisch sein – das ist hier die Frage

Arianna Huffington behauptet, sie habe ihren griechischen Namen nach ihrer Scheidung ablegt, da sie keine Lust mehr gehabt hätte, ihn immer zu buchstabieren. Ich vermute eher, dass Huffington, der Name ihres Ex-Mannes, dessen Vermögen aus der Öl-Industrie stammt, bei einem amerikanischen Publikum einfach besser funktioniert. Arianna Huffington gehört zu den Menschen, die hinter dem stehen, was sie sagen und Taten sprechen lassen. Sie adoptiert nicht einfach Kinder aus der Dritten Welt oder hält heuchlerische Reden über Politik und soziale Probleme. Es gibt nicht viele so bewundernswerte dynamische Frauen in Griechenland, oder gar in der ganzen westlichen Welt, weder in der Wirtschaft, noch in der Kunstszene noch in der Politik.

Da Arianna nicht im Fernsehen auftritt, ist sie einem Großteil der Menschen unbekannt. Aus Interviews geht hervor, dass sie sehr stolz darauf ist, Griechin zu sein. So zitiert sie gerne berühmte griechische Schriftsteller. Ihre überschwängliche Art ist außerdem regelrecht typisch griechisch - wir Griechen nennen das tchahpina (τσαχπίνα). Obwohl sie zugibt, dass sie ihren griechischen Akzent zu unterdrücken versucht, hat sie ihn zu ihrem Markenzeichen gemacht und setzt ihn gekonnt ein. Auf twitter schreibt sie, dass sie ihren Sommerurlaub in Griechenland verbracht hat. Letztes Jahr feierte sie den Jahrestag ihrer Scheidung gemeinsam mit ihrem Ex-Mann und den Kindern auf Kreta. Das wissen wir natürlich ... aus ihrem Blog.

Hier geht's zum offiziellen Blog des cafebabel-Teams in Athen.

Fotos: Artikellogo ©JD Lascia, socialmedia.biz; Buchcover ©amazon; Postkarten-Ansicht ©gichristof/flickr; Video ©CourageCampaign/YouTube