ApoDec Thessaloniki – Design im Zeichen von Austausch

Artikel veröffentlicht am 27. August 2014
Artikel veröffentlicht am 27. August 2014

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Schwierige Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Die Frage „Was kann man tun?“ ist zur Leitidee einer Generation geworden. Marianna und Tenia aus Thessaloniki versuchen nicht, eine Antwort darauf zu finden, sondern machen die Frage selbst zum Geschäftskonzept. In ihrem ApoDec-Projektraum hält die kreative Szene der Stadt Einzug und bricht mit alten Strukturen

Mit bloßem Auge ist kaum zu erkennen, auf was man sich einlässt, wenn man den ApoDec-Raum in der Stratigou-Sfetsou-Thoma-Straße am westlichen Rand des Zentrums von Thessaloniki betritt. Galerie? Projektagentur? Seminarraum? Coworkingspace? Doch genau hier liegt der Charme einer Idee, die in Griechenlands zweitgrößter Stadt ein wahres Novum darstellt. ApoDec kombiniert verschiedene Konzepte und bietet ein Refugium für all jene, die auf der Suche sind nach Möglichkeiten, ihre eigenen Ideen zu entwickeln.

Vielfalt als Markenzeichen

Marianna und Tenia sind Produktdesignerinnen. Nach dem Studium in Thessaloniki und Barcelona haben sie sich  -wie so viele junge EuropäerInnen in Zeiten der Krise - die Frage gestellt: Was können wir tun? Inspiriert von Projekten in anderen Städten des Kontinents wuchs der Gedanke, einen Raum zu schaffen, in dem diese Frage als konzeptionelle Grundlage dient. „ApoDec ist ein Multifunktionsraum. Hier finden Workshops, Ausstellungen oder Buchpräsentationen statt und wir arbeiten mit einem Team, das offene Diskussionsrunden organisiert“ , erklärt Marianna. „Es ist ein Ort für Menschen, die ganz unterschiedliche Dinge tun und auf diese Weise versuchen wir, Kunst und Kultur mit unserem Designhintergrund zu verbinden“ , beschreibt Tenia den konzeptionellen Hintergrund. 

Seit anderthalb Jahren schon dient der zweistöckige Projektraum als offenes Refugium der kreativen Pioniere. Neben einem einwöchigen Workshop für parametrische Architektur, diversen Buch- und Businesspräsentationen sowie Ausstellungen, fanden hier ebenfalls die ersten beiden Veranstaltungen der Crowdfunding-Initiative Feast Thessaloniki (wir berichteten), eine Antinarrative Performance und der Dreh eines Punkrockvideos statt, für das Marianna und Tenia das Design kreierten. „Wir bieten allen Projekten einen Raum, die unsere Idee angemessen widerspiegeln. Am interessantesten dabei ist es, Menschen zusammenzubringen“ , charakterisiert Tenia den Reiz ihrer Arbeit.

Kooperation reloaded

Nicht immer war in der Griechenland der Geist der Zusammenarbeit so ausgeprägt, wie es jetzt zu Krisenzeiten der Fall ist. Alte Hierarchien und straff organisierte Familienunternehmen ließen oft nur wenig Raum für innovative Entwicklungen. Diese Strukturen stellen das Land auch heute noch vor große Probleme: Der unübersichtliche und kaum flexible Verwaltungsapparat sowie die geringe Bereitschaft griechischer Banken, Kredite für neuartige Konzepte bereitzustellen, sind für viele Jungunternehmer oft nur schwer überwindbare Hindernisse. „Die Gesetze ändern sich ständig und man braucht auf jeden Fall einen Steuerberater, der dich in diesen Prozessen begleitet“ , berichtet Marianna von ihren Erfahrungen als Gründerin. Doch sei es auch wichtig, neben den Hindernissen die vielen Möglichkeiten der Stadt zu erkennen und Lösungen für die Probleme zu finden.

„Wir befinden uns in einer Situation, in der wir viele neue Dinge aufbauen können. Als ich von Barcelona nach Thessaloniki zurückkam, habe ich eine völlig andere Stadt vorgefunden“ , erinnert sich Tenia und verweist auf die vielen Entwicklungen, die sich gerade in den Krisenjahren vollzogen haben. Dabei sind es vor allem junge Leute, die auf der Suche sind nach neuen Möglichkeiten. „Im Gegensatz zu früher haben die Menschen heute weniger Angst, um Unterstützung zu bitten. Viele kommen mit Ideen und stellen Fragen wie: Kannst Du mir helfen? Können wir das zusammen machen? Ist das überhaupt möglich?“ , erklärt Marianna. Dabei aber sei nicht allein die Krise der Auslöser für den neuen Geist der Zusammenarbeit. Auch Auslandserfahrungen und der damit verbundene kulturelle Austausch spielen eine Rolle.

Erfinde dich immer neu

In vielen Branchen ist es nicht leicht, sich auf ein Gebiet zu konzentrieren und damit finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Gerade in der Kreativwirtschaft ist ein breiteres Wissen erforderlich, Eindrücke aus anderen Gebieten und Fachbereichen, die in die Kernkompetenz einfließen und die Grenzen zwischen Kategorien wie Kunst und Design überschreiten. Dabei macht vor allem der ständige Drang sich neue Kompetenzen anzueignen den Reiz dieser Berufe aus. „Wenn Leute mich fragen, was mein Beruf ist, weiß ich oft nicht was ich antworten soll“ , beschreibt Tenia ihre Situation. „Ich fühle mich nicht nur als Designerin, oder als Geschäftsfrau oder als Künstlerin und ich denke nicht, dass das etwas Schlechtes ist. Heutzutage musst Du deine Tätigkeitsfelder permanent verändern und trotzdem trägst Du all deine beruflichen Erfahrungen in Dir und wendest sie an.“

Gerade für diese neue Art der beruflichen Vielfalt hält ApoDec ein passendes Konzept parat. Der Projektraum bietet einen fruchtbaren Boden für alle, die daran interessiert, sich im Austausch zu entwickeln und dabei auf neue Formate zu stoßen. In Zeiten, in denen mit alten Strukturen gebrochen wird, scheint gerade dies der richtige Weg zu sein. Starre Definitionen werden hinterfragt, Ideen werden offen weiterentwickelt und erzeugen neue Gedanken und Anstöße. Dabei aber entsteht nicht allein Austausch. Gleichermaßen wird durch das Konzept sichtbar, dass eine produktive Auseinandersetzung mit der Krise in vollem Gange ist. Marianna und Tenia fungieren dabei als Gastgeberinnen, die zuhören, mitdiskutieren und Formen offerieren. Aller Anfang aber ist das Gespräch: „Wir sind hier“ , sagt Marianna. „Wir können einen Kaffee trinken und überlegen, was wir zusammen erreichen können.“

Kontakt über Facebook: https://www.facebook.com/apodecdesign