Anschläge in Berlin: Lasst euch nicht unterkriegen!

Artikel veröffentlicht am 20. Dezember 2016
Artikel veröffentlicht am 20. Dezember 2016

Europäische Schlüsse aus den Anschlägen könnten unterschiedlicher nicht sein: Während die einen ihre Befürchtungen bestätigt sehen, Flüchtlinge würden unsere Sicherheit gefährden, sehen andere in den Anschlägen ein Schwächeln der IS-Miliz und glauben an einen letztlichen Sieg der freien Gesellschaft. 

Kurier: Die freie Gesellschaft wird siegen; Österreich

Trotz häufiger Terroranschläge wie womöglich auch dem vom Montagabend in Berlin wird die freie Gesellschaft am Ende triumphieren, glaubt der Kurier: „Es gibt Einzeltäter, die sich der mörderischen Ideologie verschreiben; es gibt islamistische Zellen wie jene in Belgien, die gezielt Attentate vorbereiten und ausführen, orchestriert vom Gebiet des 'Islamischen Staates'; und es wird, davor warnen Verfassungsschützer in ganz Europa, jetzt, wo die Dschihadistenorganisation in Syrien und im Irak militärisch stark ins Hintertreffen gerät, Heimkehrer geben, die all ihren Hass und Mordhunger versuchen in Europa auszuleben. Jetzt herrscht Trauer. Und auf den Weihnachtsmärkten wird die Stimmung in den nächsten Tagen eine andere sein. Dennoch, die Lage ist gefährlicher geworden, ja - und sie hat sich nicht geändert: Wachsam sein, sich und die Politik nicht dem Terror beugen, so zynisch das angesichts weiterer Opfer klingen mag. Im Wissen, dass Demokratie und unsere Werte ein paar Jahrhunderte voraus und stärker sind als der dschihadistische Irrsinn.“ (19. Dezember 2016

Jutarnij List: Terroristen setzen auf Kettenreaktion; Kroatien

Jeder Terrorakt hat immer auch ein politisches Kalkül - dem wir nicht erliegen dürfen, warnt Jutarnji list:„Terrorismus ist von seinem Wesen her ein Akt der Feigheit. Unbewaffnete Unterhändler zu töten, unbewaffnete Journalisten oder unbewaffnete Zivilisten, wie die kaltblütig Ermordeten gestern in Berlin, ist ein Akt moralischer Armseligkeit. Das Ziel der gestrigen Attentate war nicht nur, Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Es waren nicht nur Vergeltungsschläge - gezielt in Ankara, blind und wahnwitzig in Berlin - sondern auch der Versuch, die Auseinandersetzung weiter eskalieren zu lassen und eine Kettenreaktion auszulösen. Die politischen Auswirkungen sind Teil der Terrorstrategie. Die Mordtat von Berlin gibt den populistischen Hetzern Argumente, um Angela Merkel und die demokratische Regierung zu beschuldigen, nicht mit genügend Härte gegen potentielle Attentäter und Terroristen vorzugehen. Zu diesen werden dann nur allzu leicht gleich alle Ausländer und alle Muslime gerechnet. Der Terrorismus muss aber an seiner Wurzel, am Krisenherd bekämpft werden!“ (20. Dezember 2016)

wPolityce: Deutschland will die Gefahr nicht sehen; Polen

Genau die Vorwürfe, von denen Jutarnji list spricht, erhebt das nationalistische Portal wPolityce: „Angela Merkel hat nach den Attacken auf die Frauen während der Silvesternacht in Köln, demAngriff in Ansbach und der Messerattacke in Bayern Sicherheit versprochen. Man hat jedes Mal versichert, dass Deutschland und auch Frankreich, das ständig von Terrorangriffen geplagt wird, letztlich sicher seien. Man sagte, dass die Islamisten nicht schaden und dass man die Tore für die Flüchtlinge noch weiter aufmachen sollte. Das EU-Parlament hat zwar Polen viermal dafür gemahnt, dass es angeblich die Sicherheit in Europa gefährdet. Doch hat es sich letztlich nie um die Sicherheit der Bürger Deutschlands und Frankreichs gekümmert. ... Wie groß die Bedrohung ist, sehen wir heute. Ein Weihnachtsmarkt wurde mit dem Blut unschuldiger Menschen getränkt. Deutschland, blind von der Liebe zu Migranten, ist überhaupt nicht fähig, an die Bedrohung zu denken und auch nicht daran, wie es seine Bürger vor solchen Attacken schützen kann.“ (19. Dezember 2016)

La libre Belgique: Letztes Aufbäumen der IS-Miliz; Belgien

La Libre Belgique erinnert angesichts der Todesfahrt in Berlin an den Anschlag in Nizza im Sommer und warnt, dass die IS-Terrororganisation, obwohl deutlich geschwächt, noch viel Unheil anrichten kann: „Die Bewegung kämpft mit dem Überleben. ... Gegenüber der internationalen Armada erlebt der Islamische Staat seine letzten Stunden, zumindest auf rein militärischem Gebiet. Sein Schadenspotenzial bleibt jedoch beachtlich. In seiner aussichtslosen Lage wird er versuchen, möglichst viele tödliche Anschläge zu verüben. Die Anführer dieser Bewegung sind nichts anderes als kriminelle Terroristen. Personen ohne Glauben und Moral, die nichts von einer eventuellen Kapitulation oder irgendeiner Reue zu erhoffen haben. So lange diese Organisation nicht völlig enthauptet ist, bleibt sie eine Gefahr für die gesamte Welt. Denn ihre Eiferer sind in allen Ecken der Welt aktiv.“ (20. Dezember 2016

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