Anschlag in Tunis: „Sie werden nicht gewinnen!“

Artikel veröffentlicht am 29. November 2015
Artikel veröffentlicht am 29. November 2015

Drei Tage nach dem Selbstmordattentat in Tunis, bei dem 13 Menschen in einer Explosion getötet wurden, beschreibt eine tunesische Journalistin ihre Eindrücke. Sie betont die Fähigkeit der Tunesier, nach jedem Schlag wieder nach vorne zu blicken.

Letzten Dienstag, als ich die traurige Nachricht erfuhr, gefror mir fast das Blut in den Adern. Sicher, Tunesien wird seit mehr als drei Jahren gelegentlich das Ziel von Terrorakten. Doch dieses Mal hat der feige Angriff, der 13 Menschen das Leben kostete, zweifellos eine andere Bedeutung.

Warum? Weil sich das Attentat auf der Avenue Mohamed V ereignete, einer der wichtigsten Verkehrsadern der tunesischen Hauptstadt, nicht weit vom Innenministerium entfernt, am dritten Tag der Filmfestspiele von Karthago (Journées cinématographiques de Carthage, JCC). Das ist eine Art Flaggschiff für Tunesiens Kulturveranstaltungen. Aber vor allem, weil sich der Anschlag gegen Mitglieder der Präsidentengarde richtete, einer der Elite-Sicherheitseinheiten des Landes. Es liegt auf der Hand, dass die Terroristen damit eine Kampfansage an die Sicherheitskräfte richten und Angst in den Herzen der Menschen säen wollen. Doch da haben sie ihre Rechnung ohne die unglaubliche Fähigkeit der Tunesier, nach jedem Tiefschlag wieder aufzustehen und mit noch mehr Mut nach vorne zu blicken, gemacht.

Am Abend des Angriffs waren wir alle erschüttert, im Innersten betroffen; doch schon am nächsten Tag kehrte wieder Normalität in unser Leben ein. Wir begruben unsere Märtyrer und wandten uns dem Leben zu. Alle gingen zur Arbeit, die Kinder in die Schule, die Verwaltungen funktionierten wie immer, die Geschäfte waren geöffnet, die Filmfestspiele liefen weiter und Kinoverrückte standen für manche Filme mehr als eine Stunde an. Könnte man eine bessere Antwort von einem gebeutelten Volk erwarten, das nichtsdestotrotz den Kopf hoch hält und sich an die Hoffnung auf eine bessere Zukunft klammert?

Heute, mehr denn je, ist nicht der richtige Moment für Tränen und Niedergeschlagenheit. Nur Arbeit und Ausdauer wird uns retten. Mit Optimismus gerüstet und voller Vertrauen in die Zukunft werden wir Widerstand leisten und weiterhin vorwärts streben - trotz des Schmerzes, der Angst und Zweifel. Eins ist sicher: Jene, die den Tod bringen, werden nicht siegen.