ALOK JHA: IN DER ANTARKTIS GESTRANDET

Artikel veröffentlicht am 26. März 2014
Artikel veröffentlicht am 26. März 2014

Am Hei­lig­abend des letz­ten Jah­res, waren 77 Wis­sen­schaft­ler in der Ant­ark­tis für neun Tage im Eis in einem Schiff eingeschlossen. Alok Jha war mit auf der MV Aka­de­mik Sho­kals­kiy, deren Besatzung tagelang auf Rettung wartete. Ca­fé­ba­bel sprach mit dem Guardian und BBC Mitarbeiter über die Expedition und das ewige Eis.

Cafébabel: Was hat dich mo­ti­viert, auf diese Ex­pe­di­ti­on zu gehen?

Alok Jha: Wis­sen­schaft­ler an der Uni­v­se­ri­ty of New South Wales in Aus­tra­li­en or­ga­ni­sier­ten diese Ex­pe­di­ti­on, die hun­dert Jah­re nach der Dou­glas Maw­son Ex­pe­di­ti­on stattfand. Maw­son war einer der ers­ten Er­for­scher der Ant­ark­tis. Ich dach­te, es würde eine sehr gute Ge­le­gen­heit. Es ist ein er­staun­li­cher Ort für einen Re­por­ter. Und per­sön­lich ist es ein Ort, an den ich immer gehen woll­te.

Cafébabel: Was wolltest du ursprünglich auf der MV Aka­de­mik Sho­kals­kiy machen?

Alok Jha: Mei­n Kol­le­ge Lau­rence To­pham begleitete mich. Er fo­to­gra­fier­te und mach­te Vi­de­os. Wir be­han­del­ten das Schiff, wie jeden anderen Ort, von dem wir berichten wollten.

Cafébabel: Was war das für ein Ge­fühl, als du rea­li­sier­t hast, dass das Schiff ste­cken ge­blie­ben ist?

Alok Jha: Wir rea­li­sier­ten ein­fach eines Mor­gens, als wir auf­wach­ten, dass wir ste­cken ge­blie­ben waren. Man­che Leute waren ge­stress­t. Es war wie das wirk­li­che Leben: chao­tisch. Aber Lau­rence und ich waren sehr be­schäf­tigt und ehrlich ge­sagt war es ein schö­ner Ort, um verschollen zu sein. Am Ende wurde die Ex­pe­di­ti­on von einem chi­ne­si­schen und einem aus­tra­li­schen Eis­bre­cher be­freit. Die Fran­zo­sen kamen auch.

Cafébabel: Man­che Wis­sen­schaft­ler kri­ti­sie­ren die Ex­pe­di­ti­on als eine Tou­ris­t­enrei­se, die eine echte wis­sen­schaft­li­che For­schun­g in der Re­gi­on verhin­der­te. Was den­kst du dar­über?

Alok Jha:   Die Antarktis ge­hört allen. Jeder hat das Recht dort­hin zu gehen. Daher haben die Wis­sen­schaft­ler kei­nen Grund, sich aufzuregen. Manch­mal glaube ich, das Wis­sen­schaft­ler eine ar­ro­gan­te Ein­stel­lung  haben. 

Cafébabel: Live Twit­tern und veröffentlichen vom Süd­pol ist be­stimmt schwie­rig. Wie hast du das ge­schafft?

Alok Jha: Wir hat­ten eine BGAN (Broad­band Glo­bal Area Net­work) Sa­tel­li­ten­ver­bin­dung, die bis an die Süd­spit­ze der Ant­ark­tis reicht. Das Internet war sehr lang­sam. Am Tag waren wir vielleicht eine halbe Stun­de verbunden. Dann schick­ten wir meh­re­re Tweets. Das Schlimms­te war, wenn schlech­tes Wet­ter draußen schlecht wurde oder wenn es sehr win­dig wurde. Die Com­pu­ter funk­tio­nier­ten manchmal nicht, weil sie zu kalt wurden. Iro­ni­scher­wei­se hat­ten wir wäh­rend der Zei­t, in der wir ste­cken ge­blie­ben sind, die beste Ver­bin­dung, weil wir uns nicht be­weg­ten. 

Cafébabel: Du bist eine sehr risikofreudige Per­son. Du hast nicht nur von der Ant­ark­tis be­rich­te­tet, son­dern hast dich auch an einem Schwer­lo­sig­keits­flug der eu­ro­päi­schen Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­ligt und hast deine Gene se­quen­zie­ren lassen? Hast du noch anderePläne?

Alok Jha: Ich bin ei­gent­lich gar nicht so risiko­freu­dig! Die­ses Aben­teu­er in der Ant­ark­tis ist das Gefährlichste, was ich bisher un­ter­nom­men habe. Ich bin je­mand, der nicht so gerne Städ­te, einen draht­lo­sen In­ter­net­zu­gang oder seinen guten Kaf­fee ver­lässt. Als nächstes Projekt, werde ich wahr­schein­lich in die Bi­blio­thek gehen und an meinem nächs­ten Buch ar­bei­ten. 

Cafébabel: Hast du Pläne, ir­gend­wann bald wie­der auf ein Schiff zu gehen?

Alok Jha: Wenn je­mand mir eine Kreuz­fahrt an­bie­ten würde und wenn ich sonst nichts zu tun hätte, dann na­tür­lich! Warum nicht? Ir­gend­wo ins Warme, wo ich nicht so viel Ar­beit habe. Ich brau­che Ur­laub!