Alexander Ač: Klimawandel auf Tschechisch

Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2015

In Prag arbeitet das Czech Globe Institut unermüdlich, um die Ergebnisse ihrer Klimawandel-Studie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir haben mit dem tschechischen Aktivisten Alexander Ač über die Notwendigkeit gesprochen, endlich unsere Lebensweise ändern zu müssen.

Alexander Ač ist ein Aktivist, der gern und viel spricht. Aber denkt nicht, dass ihr ihn irgendwann mal mit einem Megaphon in der Hand auf einem öffentlichen Platz finden werdet - das ist eher nicht sein Fall.

Der junge Tscheche betreibt einen Blog in zwei Sprachen, beantwortet Fragen von Journalisten, hält Vorträge für Schulen und Greenpeace. Mit anderen Worten: er verbringt sein Leben damit, unermüdlich die Gründe zu wiederholen, aus denen es wichtig sei, eine weitere Erderwärmung zu vermeiden.

Der beste Weg Menschen beizubringen sich um ihren Planeten zu kümmern, ist ihnen Verantwortung für den Zustand ihrer eigenen Nachbarschaft zu geben. Als Forscher für das Czech Globe institute glaubt der 35-jährige fest an diese Logik. Alexander entschied sich lieber für eine akademische Karriere als für Hardcore- Öko-Aktivismus. Damit könne er besser Wissen, Diskussionen und systematische Erklärungen zum momentan katastrophalen Zustand unseres Planet fördern, meint er.

"Zunächst wünsche ich mir, dass jeder anfängt, sich um den Klimawandel Sorgen zu machen", erklärt er. Seine Botschaft: "Wenn man Wissen zu diesem Thema anhäuft, dann kann man seinen eigenen Weg finden, um zu verhindern, dass Klimawandel weiter fortschreitet". Dies ist auch der Grund, weshalb er, nachdem er im slowakischen Košice Ökologie studiert hatte, ein Studium in der Umweltforschung in der tschechischen Hauptstaft Prag aufnahm. Alexander zufolge sei es zwar wichtig, ein Studium zu Klimafragen zu absolvieren. Noch nützlicher sei es jedoch, Resultate und Erkenntnisse der Forschung anschließend auch zu verbreiten.

Aus diesem Grund verriegelt sich Alexander nicht hinter verschlossenen Türen im Czech Globe Institute. Die Studie über die Auswirkungen des Klimawandels, die in Brno durchgeführt wird, "entwickelt eine Forschungsinfrastruktur, die eine umfassende Erfassung der Probleme um den globalen Klimawandel ermöglicht."

Auch der Informationsfluss in der Muttersprache ist wichtig. Zusammen mit einem Kollegen übersetzte Alexander deshalb ein Handbuch zum globalen Klimawandel ins Tschechische, um einem breiten Publikum im Lande einen grundlegenden Katalog zum Thema Klima zugänglich zu machen. Er besteht darauf, dass "man als erstes die Schwere der Probleme realisieren muss, vor denen die Menschheit steht - alles andere wird danach von alleine kommen."

Zirka acht von zehn (86%) Befragten in der Tschechischen Republik sagen, dass Klimawandel ein schwerwiegendes Problem sei. 61% von ihnen schätzen das Problem sogar als "sehr schwerwiegend" ein. Die letzte Eurobarometer-Statistik zeigte ähnliche Resultate für die Slowakei.

Alexander Ač wird an den "letzten drei Tagen" der COP21-Klimaverhandlungen teilnehmen. Ich frage ihn, was er von der Konferenz erwartet, die für viele seiner Kollegen die größte Hoffnung für eine Veränderung des Status Quo darstellt. "Nicht viel", betont er, "da keine der Verhandlungen zum gleichen Thema in den letzten 25 Jahren grundlegende Veränderungen hervorgerufen hat."

"Es wird zweifellos starke Worte geben, doch die Versprechen sind nie im Einklang mit der Realität. Daher werden Weltpolitiker zwar erklären, dass sie beabsichtigen, ihre Treibhausgas-Emissionen zu verringern. Doch ein klarer Mechanismus, um dieses Zial auch zu erreichen, wird unklar bleiben. Das ist nicht nur der Fehler der Politiker. Wir sind alle mit Schuld daran."

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.