Aleppo ist das Guernica des 21. Jahrhunderts

Artikel veröffentlicht am 18. Oktober 2016
Artikel veröffentlicht am 18. Oktober 2016

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Jean-Marc Ayrault, französischer Außenminister, hat letzte Woche eine Rede über die Syrien-Krise in der Schule für Internationale Beziehungen der Sciences Po Universität in Paris gehalten. Er sprach hierbei von Aleppo wie ein Guernica des 21. Jahrhunderts:

Syrien ist ein misshandeltes Land. Die Stadt Aleppo könnte ein Symbol für diese Krise werden, die nicht damit aufhört seine katastrophalen Effekte zu erzeugen.  Ich habe dies Guernica des 21. Jahrhunderts genannt.

Dem syrischen Volk, welche Wahl bleibt ihm noch?

Die Flucht. Das ist es, woran die Nachbarländer und Europa seit 5 Jahren arbeiten, mit bald etwa der Hälfte der Bevölkerung unterwegs auf den Exilrouten oder umgesiedelt.

Der Tod. Und die Toten beziffern sich auf Hunderttausende in diesem Konflikt, der sich, an diesem Volk messend, mit dem blutigsten aller Kriege des letzten Jahrhunderts vergleichen lässt.

Die Radikalisierung. Dies geschieht leider bei einigen Rebellengruppen, welche sich, der systematischen Gewalt von Assad ausgesetzt, terroristischen Gruppierungen annähern. Dieser Teufelskreis wird von Damaskus wissentlich herbeigeführt um Syrien einem morbiden Auge-in-Auge der zwei Barbareien auszusetzen: Regime gegen Terrorismus.

Weder das Assad-Regime, noch der IS, noch al-Nosra, dem syrischen al-Qaïda-Ableger, weichen mitnichten von ihren Prinzipien in diesem mechanischen und barbarischen Eliminationsvorgang von jener Bevölkerung, die anders denkt, anders glaubt, oder aber schlicht stört, weil sie am falschen Ort wohnt. Es ist das abscheuliche Spektakel der schlimmsten Grausamkeit, zu der der Mensch in der Lage ist. Sie findet dort statt, auf der anderen Seite des Mittelmeers.

Was machen wir seit den 5 Jahren, die dieser Konflikt andauert? Wir waren kollektiv schwach, wir müssen uns trauen das einzugestehen, und ich mache es euch vor. Der Frieden hätte vielleicht wiederkehren können, wenn - kollektiv, ich wiederhole es - wir es geschafft hätten eine ausreichend starke Koalition zu erzeugen, welche die Verantwortlichen der Giftgasangriffe von Ghuta von 2013 geschlagen hätte. Damals haben wir, Frankreich, es uns gewünscht. Aber Einige dachten, dieser Konflikt sei zu weit entfernt und zu wenig mit eigenen Grundinteressen verbunden. Die USA haben gezögert. Die Briten haben abgelehnt. Seitdem haben wir den Auswirkungen dieser Zweifel beigewohnt. Der Krieg in Syrien hat einen massiven Zustrom an Flüchtlingen erzeugt, welche nun unser Problem sind. Der Krieg hat ein beispielloses Entstehen des Brennpunktes des internationalem Terrorismus begünstigt, welcher wiederum als Schlupfloch oder Inspiration für Attentate auf der ganzen Welt dient.

Heute dient der Krieg in Syrien der Machtdemonstration Russlands, das zeigt, dass es stand hält mit einer Koalition, die aber wiederum keineswegs gegen Russland zielt. Deswegen läuft Russland, durch die Unterstützung und den Zuspruch an Assad, nicht nur Gefahr Komplize von Kriegsverbrechen zu werden, sondern nimmt auch Teil an einem Unternehmen, welches den mittleren Osten destabilisert, die Türkei destabilisiert, Europa destabilisiert und schlussendlich sich selbst auch.

Auf Jene, bis hin nach Paris, die uns seit einigen Monaten sagen, es reiche, sich hinter Moskau zu ducken um das syrische Problem zu lösen, antworte ich: ihr irrt euch. Seht das Resultat der Versuche John Kerrys, der unablässig und aufrichtig versuchte, eine Waffenruhe mit Sergueï Lavrov zu verhandeln, im Austausch mit einer Kooperation im Kampf gegen Jabhat al-Nosra. Diese Waffenruhe hat nur einige Tage angehalten und das syrische Regime hat seinen Marsch auf Aleppo wieder aufgenommen, mit Zustimmung und Unterstützung von Russland und dem Iran.

Wir müssen also den Mut zur Klarsicht haben, und erkennnen, dass die Welt in Syrien im Angesicht einer der schlimmsten Situationen seit dem 2. Weltkrieg steht. Sollen wir deswegen resignieren und uns verschließen - und Moskau sich verschließen lassen - in einer neuen Konfrontation, in welcher die Grenzen einer jeden Herrschaft wieder der Machtwillkür der Großen geopfert wären? 

Syrien kann nicht mehr warten. Wir dürfen nicht mehr warten. Die Kämpfe müssen aufhören, zuerst in Aleppo. Das ist worum wir uns bemühen, gerade in diesem Moment, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, welcher tagt, während ich zu euch spreche. Letzte Woche habe ich in New York einen kollektiven Kontrollmechanismus für die Einhaltung der Waffenruhe vorgeschlagen, damit ein Vertrauen geschaffen wird, welches jetzt so grausam fehlt. Es muss humanitäre Hilfe an die Bevölkerungen kommen, welche zum Teil seit Monaten mittellos sind. Anschließend muss ein politischer Vorgang wieder aufgenommen werden um Syrien die Möglichkeit zu geben in Zukunft Frieden zu finden. Diese Zukunft ist möglich. Sie ist nötig, wenn wir möchten, dass die internationale Gemeinschaft seine vereinten Kräfte auf den Kampf gegen den Terrorismus konzentriert.

Mit Syrien ist die Welt an einem Moment der Wahrheit. Das Gleichgewicht der Weltmächte und die Zukunft unseres internationalen Systems stehen auch auf dem Spiel.