Alan Sked, ein verbitterter Europafreund

Artikel veröffentlicht am 24. August 2005
Artikel veröffentlicht am 24. August 2005

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„Europapropaganda, was?“ war die erste Bemerkung, die Alan Sked fallen ließ, als er von cafe babel hörte. Der Gründer der „UK Independence Party“ eröffnete eine hitzige Debatte über Großbritannien und die Zusammenarbeit mit der EU.

Der Schauplatz dieser Diskusssion hätte passender kaum sein können. Sie fand im „The Debate“ statt, ein geräumiges Restaurant den „Houses of Parliament“, den Parlamentsgebäuden in London - Einer der wenigen Orten, zu denen Skeds ehemalige Partei - die United Kingdom Independence Party ( UKIP) – bisher nicht vordringen konnte.

Begeisteter Anhänger europäischer Kultur

Während ich eine typisch englische Backkartoffel bestellte, nahm Sked überraschender Weise französisches Brot mit Suppe. Der fidele Euroskeptiker mag zwar kein Anhänger europäischer Politik sein, doch findet er durchaus Gefallen an den kulturellen Bindungen. „Ich beherrsche einige Sprachen, darunter auch Deutsch und Französisch. Ich liebe die europäische Kultur und mag es ,den Kontinent zu bereisen.“

Angesichts der traditionellen parlamentarischen Insitution in der wir uns befanden, konnte das Gespräch nicht lange bei dem Thema Kultur bleiben. Auf die Frage nach seinen politischen Ansichten antwortete Sked: „Ich bin ein Liberaler. Jeder soll machen, was er will, so lange es den Anderen nicht schadet. Der Rest Europas kann gerne die Integration vorantreiben, aber lasst uns aus dem Spiel.“ Doch Isolationismus war nicht immer das Schüsselwort für Skeds Europapolitik. „Als ich in deinem Alter war, war ich auch ein großer Europaanhänger. Ich war in der Liberalen Partei aktiv [den heutigen Liberaldemokraten], die immer noch die pro-europäischste Partei ist. Später stand ich dem Zentrum für europäische Studien an der London School of Economics (LSE) vor. Aber dann würde mir leider klar, was für ein Durcheinander die EU wirklich ist.“

Der europäische Superstaat?

Dieser Kommentar war der Anfang einer aggressiven Attacke auf „die verrückten Bürokraten und ihren Amtsschimmel“. Worte, die Sked in der nächsten Stunde, häufiger fallen ließ und in der er „den europäischen Superstaat“ einer ganzen Reihe von Dingen beschuldigte. „Er hat unsere Fischerei-Industrie zerstört. Er hat uns dazu gebracht, unsere Souveränität in den verschiedensten Bereichen aufzugeben. Und er kostet uns eine ganze Menge Geld.“ Wirklich? Wie steht es mit dem Wirtschaftswachstum, dem sich Großbritannien dank der europaweiten wirtschaftlichen Integration erfreut? „Das kann schon sein, doch fallen die Nettozahlen immer noch negativ aus. Die Mittel, die wir wegen Europa verloren haben, hätten auf profitablere Art und Weise investiert werden können.“

Natürlich könnte ich diesen Angriff nicht unerwidert stehen lassen. Hat Sked als Dozent der Internationalen Geschichte an der LSE etwa nicht die beispiellos lange Phase des Friedens, der Stabilität und Sicherheit bemerkt, welche die Europäische Union mit sich gebracht hat?.

Mein Gegenüber lachte: „Über das Habsburger Reich sagte man genau dasselbe im 19.Jahrhundert.“ Das Habsburger Reich, die mittelalterliche katholische Kirche, das stalinistische Russland und das Nazi- Regime sind nur einige Institutionen, die Sked mit der Europäischen Union vergleicht. Mögen diese Beispiele auch an den Haaren herbeigezogen sein, einem geachteten Akademiker zu widersprechen ist nicht gerade die leichteste Übung.

Großbritannien und die EU

Angesichts dieser Aussagen ist es nicht gerade überraschend, dass sich Sked für einen schnellstmöglichen Austritt Großbritanniens aus der EU ausspricht. „75 Prozent der britischen Öffentlichkeit stehen der EU neutral oder gleichgültig gegenüber. Noch treiben die Eliten in der Regierung und in Brüssel eine Politik einer engeren Union voran. Aber wann haben sie jemals mit den einfachen Leuten geredet?“ Aber stimmt es nicht, dass die meisten Briten sich den Vorteilen einer EU-Mitgliedschaft einfach nicht bewusst sind? „Das ist Elitengerede – direkt aus Brüssel.“, entgegnete Skad. Und wie steht es mit den engen Beziehungen Großbritanniens zum Rest Europas in Sachen Politik, Kultur und Wirtschaft? „ Ich fühle mich eher wie ein Australier oder ein Amerikaner als wie ein Ungar. Und was haben die zentralisierenden und sehr korrupten Staaten wie zum Beispiel Frankreich oder Deutschland mit den politischen Organen in Großbritannien zu tun?“

Einen derart gefestigten Menschen zu bekehren, war nicht das Ziel dieser Unterhaltung. Stattdessen lenke ich das Gespräch eine neue Richtung. Wenn er so unzufrieden mit der Bürokratiemaschine Brüssel ist, warum versucht er dann nicht, eine interne Reform zu fördern? „Das sagt jeder, aber niemand macht einen Vorschlag. Blair? Nein, der hat nicht die leiseste Ahnung.“

UKIP

Das war das Ende dieses Kapitels. Im Folgenden ging es um die politische Karriere von Sked. 1993 gründete er die UKIP, deren Kernforderung der Austritt Großbritanniens aus der EU war. „Ich habe versucht, die Tory- Partei [die Konservativen] in eine europaskeptische Bewegung zu verwandeln. Aber ich hatte den Eindruck, daß die Dinge nicht schnell genug voran kämen, also gründete ich die UKIP. Wenn die Parteien merkten, dass ihr Stimmenanteil in den Wahlen sinkt, dann würden sie ihre Politik schneller anpassen.“ Sked glaubt, in dieser Hinsicht erfolgreich gewesen zu sein. „Alle drei großen Parteien in Großbritannien [Labour, Liberaldemokraten und die Konservativen] waren proeuropäisch eingestellt. Jetzt sind es nur noch zwei.“

Dennoch haben sich die Beziehungen zwischen der UKIP und ihrem Gründer in den letzten Jahren verschlechtert. „Sie hassen mich jetzt. Vielleicht sogar mehr als sie mich in Brüssel hassen.“, erklärt er lachend, „Die Partei ist zu rechts geworden und hat komplett ihre Politik geändert. Wir wollten nie Abgeordnete im Europaparlament, da wären nur leere Sitze vorzufinden gewesen.“ Das heißt jedoch nicht, dass die politische Karriere Alan Skeds vorbei ist. Falls die Konservative -Partei es wagen sollte, einen proeuropäischen Vorsitzenden zu wählen, dann „werde ich wahrscheinlich eine neue Partei gründen. Ich werde sie vermutlich die ‚Internationale Partei’ nennen, weil es das ist, wofür ich stehe.“, beteuert der Akademiker.

Hat der Historiker nach so vielen negativen Aspekten des europäischen Projektes auch eine Idee für eine positive europäische Zusammenarbeit? „ Ein populäres Europa ist möglich, wenn wir einen gemeinsamen Feind wie zum Beispiel den Islam haben. Aber ich hoffe inständig, dass dies nicht passieren wird.“