Ägypten: Blogger berichten besser

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2007

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Der World Press Freedom Day der UNESCO erinnert die Welt daran, dass die Meinungs- und Pressefreiheit beschützt werden muss.

In einigen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen sind zensurfreie Medien immer noch Wunschvorstellung. Dort ist das Internet die einzige Möglichkeit, unzensiert Informationen auszutauschen. „In Europa kommentieren Blogger alltägliches, produzieren aber nicht wirklich Informationen. In Ägypten hingegen sind es nicht nur Kommentatoren, sondern auch investigative Journalisten.“, sagt Julien Pain, 38, von Reporter ohne Grenzen. Im November 2006 veröffentlichten ägyptische Internetsurfer ein Video auf YouTube, das die Folterung von Emad Al Kabir zeigt. Das Video zeigt, wie Islam Nabih, ein Polizeioberst und Reda Fati, ein Offizier außer Dienst, Al Kabir mit einem Schlagstock vergewaltigen.

Angst vor dem Internet

Das Video ist eines der ersten Beweisstücke für die Verbrechen der Regierung. Neuere mit Handy-Kameras gefilmte Videos auf YouTube zeigen den Wahlbetrug während des Referendums am 26. März über umstrittene Verfassungsänderungen. Die Videos lassen Zweifel aufkommen, ob das Referendum gültig ist und enttarnen die undemokratischen Mittel, mit denen die derzeitige Regierung ihre Entscheidungen durchsetzt. Autoritäre Regime fürchten das Internet und empfinden die wachsende Popularität von Internet-Videos und Blogs als Gefährdung ihres Machterhalts.

Das Internet ist für sie wesentlich schwieriger zu kontrollieren und zensieren als die traditionellen Medien, bei denen die Menge der Autoren klein und einfach zu identifizieren ist. Im Internet bleiben die Nutzer weitgehen anonym und sind deshalb schwer für ihre Meinung zu bestrafen. Im Grunde genommen kann jeder zum Journalisten werden und seine Sicht, seine Meinung und sein Multimedia-Material mit anderen teilen. „Es ist ein neues Dilemma für sie, sie wissen nicht wie sie damit umgehen sollen und meistens verfügen sie nicht über die notwendige Technik überhaupt etwas zu tun“ kommentiert Pain en Umgang autoritärer Regime mit dem Internet. „Üblicherweise sperren sie den Zugriff auf die gesamte Webseite, wenn ihnen ein Video nicht gefällt.“ So geschehen zum Beispiel in Brasilien, Türkei, Iran, China und erst kürzlich in Thailand, wo die Regierung die YouTube-Webseite vollständig sperrte. Solche Zensur kann jedoch die Verbreitung von regierungskritischen Material nicht verhindern, da die Regierung nur dann einschreiten kann, wenn die Videos bereits populär geworden sind.

Moderne Zensur

Weil YouTube so populär ist, ist es zudem verständlich, dass ein Backup der Daten erstellt wird, selbst wenn die originalen Videodateien vom Nutzer gelöscht wurden, der sie veröffentlichte. Zensur von Webseiten wie YouTube kann nur funktionieren, wenn die Regierung dazu in der Lage ist, alle Mediendaten, die hochgeladen werden, nach verräterischem Material zu filtern, bevor sie populär werden. Die Regierung müsste nur dieses Material blockieren können und nicht die gesamte YouTube-Website.

Fortgeschrittene Zensurtechnologien gibt es in Europa. Danny O'Brien, 39, Spezialist der Electronic Frontier Foundation meint, dass es solche Technologien gibt und dass sie in europäischen Ländern eingesetzt werden: „In Großbritannien kooperiert die britische Telekom mit Nichtregierungsorganisationen, wie der Internet Watch Foundation, die nach Webseiten mit Kinderpornographie fahndet. Der Zugriff ihrer Kunden auf diese Seiten oder auf indiviudelle URL's wird blockiert.“

Auch in Frankreich und Deutschland werden moderne Techniken eingesetzt, um Websites von Suchresultaten auszuschließen, die Hassreden verbreiten. Wenn man zum Beispiel nach einer französischen Naziorganisation sucht, verlinken die Suchmaschinen nicht auf Seiten, die markiert wurden, weil sie Hassreden beinhalteten. Die einzigen Quellen, die man in den Suchresultaten sieht, sind die, die von der Regierung als „angemessen“ befunden worden sind. Ist das Internet also wirklich immun gegen Zensur? Mit der Hilfe westlicher Firmen wie der British Telecom oder Cisco, könnten diese Technologien auch von autoritären Regimen angewendet werden. Dies ist jedoch ein kostspieliger Prozess, weil Geld, das in Technik fließt, welche den Zugriff auf Informationen blockiert, nicht als Mittel zur Verfügung steht, die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern.

Das Internet bleibt wahrscheinlich ein freies Medium, weil – wie O'Brien erklärt – „Es eine Schnittmenge gibt, von der Firmen, Benutzer und Menschenrechtsaktivisten profitieren können, und das ist der unbehinderte Fluss von Information.“ O'Brien meint, dass das Internet immun gegen Zensur sei und bleiben wird: „Im immerwährenden Kampf gegen Internetüberwachung, liegt der Vorteil das erste Mal auf der Seite der Leute, die für Freiheit kämpfen – sie sitzen einfach am längeren Hebel.“