After-Erasmus: Fremd-Arbeiten mit Eurodyssée

Artikel veröffentlicht am 5. November 2007
Artikel veröffentlicht am 5. November 2007

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Die Erasmus-Depression auskurieren oder die Arbeitswelt in ganz Europa entdecken? Das internationale Austauschprogramm Eurodyssée hat zum Eroberungsfeldzug angesetzt.

Seit der Einführung des Eurodyssée-Programms im Jahr 1985 haben bereits mehr als 10.000 junge Berufstätige zwischen 18 und 30 Jahren ein Stipendium erhalten. Verglichen mit der halben Million Erasmusstudenten, die seit 1987 an Austauschprogrammen teilgenommen haben, sprechen wir im Rahmen von Eurodyssée wohl vom "armen kleinen Bruder" unter den europäischen Stipendienprogrammen. Es stellt eine Option für all diejenigen dar, die dem Weltenbummlerleben à la Erasmus verhaftet bleiben oder sich nicht von ihren "Eurofreundschaften" trennen wollen. Andererseits ist Eurodyssée auch eine perfekte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit für diejenigen, die sich gegen ein Hochschulstudium entschieden haben.

"Aufgrund der Lust an der internationalen Erfahrung, habe ich einen hervorragenden Job gekündigt", erzählt Dani Grau aus Valencia. Er ist 25 Jahre alt, staatlich geprüfter Techniker und arbeitet im internationalen Speditionswesen. "Schon am dritten Tag nach Beendigung meines Eurodyssée-Stipendienaufenthaltes in Reims (Frankreich) habe ich 2006 in einer Speditionsfirma in Murcia angefangen", sagt er abschließend. Etwa 75 Prozent der Teilnehmer absolvieren ein Eurodyssée Praktikum in Firmen, die im gleichen Arbeitsfeld tätig sind. Wiederum 80 Prozent der mobilen Arbeitskräfte finden im Jahr nach dem Eurodyssée-Aufenthalt eine Anstellung. Die beliebtesten Ziele für einen Stipendienaufenthalt sind Frankreich und Spanien.

Eurodyssée-Leitfaden

Junge Menschen zwischen 18 und 30 mit Berufsabschluss

Einige Austausch-Regionen: Wallonien, Azoren, Andalusien, Katalonien, Baden-Württemberg, Burgund, Picardie, Istrien, usw.

Teilnehmende Unternehmen: Geodis, Ikea, Louvre, cafebabel.com, Amnesty International, Alcatel, Jornal da Madeira, Accor Hotelgruppe usw.

Dauer: zwischen 3 und 7 Monaten einschließlich eines einmonatigen Intensivsprachkurses

Status: Ausbildungspraktikum, Trainee oder befristeter Arbeitsvertrag

Eingeschlossener Versicherungsschutz: Sozialversicherung des Gastlandes und Haftpflichtversicherung

Unterkunft: manche Regionen bieten Apartments bzw. Wohnheimsplätze für junge Berufstätige an

Gehalt: zwischen 600 und 800 Euro pro Monat

Reisekosten: sind nicht im Stipendium inbegriffen, sondern selbst zu tragen

Regionen wachrütteln

Auch wenn das Programm bereits vor "Erasmus" gegründet wurde, hat es sich viel langsamer entwickelt. Zum einen hängt es nicht von der allmächtigen Europäischen Kommission ab, sondern von der Versammlung der Regionen Europas (VRE), einem "Organ politischer Repräsentanten" der Regionen innerhalb des Europarats, unter dessen Dach sich fast 50 Länder zusammenfinden. Zum zweiten ist Eurodyssée ein Programm für europäische Regionen und Unternehmen und kein Austausch zwischen Universitäten, die schon länger Kontakte im Ausland pflegen. Auf dem Eurodyssée-Forum am 20. und 21. September 2007 in Geoagiu Bi (Rumänien) stellte man fest, dass lediglich 26 Euro-Regionen (10 Prozent der 250 VRE-Mitglieder aus über 30 Ländern) das Programm nutzen, beziehungsweise 41, wenn man diejenigen dazu rechnet, die 2007 noch über die Teilnahme verhandeln. In diesem Jahr brach die Stipendiatenzahl mit 500 Teilnehmern alle bisherigen Rekorde.

Bürokratie ade

Die Vermittlungsprozesse für Erwerbstätige sind weitaus flexibler als im Rahmen des Erasmusprogramms. "Sie haben mich gefunden, meine Daten schwirrten im Netz herum und ich denke, ich hatte einfach das passende Profil", versichert Daniel Grau, der heute auf Mallorca lebt. Dank seiner Französischkenntnisse nimmt er an einem Trainingsprogramm von Air Europa teil, um Flugbegleiter zu werden. "Ich hatte vorab ein Treffen mit einem Stipendienverwalter, der mich exzellent beraten hat. Als ich in Paris war, fühlte ich mich sehr gut aufgehoben bei APRECCA, der lokalen Einrichtung, die die Stipendien der Region Île-de-France verwaltet und im Rahmen dieser Odyssee hervorragende Exkursionen veranstaltet", erklärt Paula Criado, eine spanische Übersetzerin und Dolmetscherin, die 2005 nach Paris umsiedelte. Wie Paula nehmen - mit 69 Prozent - überwiegend Frauen an Eurodyssée teil. Heute arbeitet sie beim Arbeitgeberverband der Fremdenverkehrsbüros der Region Valencia.

Die Rechnung geht auf

"Falls ich mich entscheiden sollte, nach Reims zurückzukehren, so würde ich ohne Mühe wieder eine neue Arbeit finden und soziale Kontakte knüpfen können", setzt Daniel Grau fort. Paula Criado, die schon am Erasmus-Programm teilgenommen hatte, wurde in "die Geheimnisse des Übersetzungswesens in Frankreich" eingeführt. Was ihren Beruf angeht, so stehen beide jetzt auf festeren Beinen. "Sie haben mir nie zuviel Arbeit aufgeladen, sondern Herausforderungen angeboten. Ich habe oft freudig angebissen", kommentiert Daniel. "Was meine Persönlichkeit angeht, so hat es meinen Reifeprozess unterstützt", präzisiert Paula: "Zu Anfang war ich unzufrieden mit den mir übertragenen Aufgaben. Also habe ich dem Geschäftsführer gegenüber meine Sicht erörtert und auf der persönlichen Ebene meine Arbeitsbedingungen ausgehandelt".

"Ich würde die Werbung verbessern, denn nur Wenige wissen von der Existenz des Programms", bemängelt Daniel Grau. Paula Criado würde ihrerseits die Gehälter anheben, denn die 800 Euro, die sie pro Monat verdient hat, reichten in Paris kaum bis zum Monatsende, während Daniel versichert, mit 760 Euro in Reims auszukommen, wenn man "es sich gut einteilt". Auf den Webseiten der Teilnehmer-Regionen ist häufig zu lesen, dass es von Vorteil sei, Ersparnisse zu haben, um über die Runden zu kommen. Bei der Stipendienauszahlung kann es unter Umständen zu Verzögerungen kommen.