Abgebrannt im Ausland: Wie ich es geschafft habe (endlich) eine Reichensteuer zu entrichten

Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 13. Oktober 2009
Wer hätte gedacht, dass ein abenteuerlicher Umzug ins Ausland mit einem steuerrechtlichen Kater bestraft wird? Vollkommen unerwartet klopft das französische Finanzamt an die Tür einer Französin, die ein Jahr auf Sardinien verbracht hat, um von ihr eine atemberaubende Summe zu verlangen.

Lieber Babelianer! Bitte verzeihe den gewerkschaftlichen Ton dieses Artikels. Nur für dich, den zukünftigen Expat, werde ich mich öffentlich von meinen früheren Reden, dass die Steuern, die der französische Staat erhebt, durchaus berechtigt seien, distanzieren und als Steuerflüchtige eine Tirade auf das französische Finanzamt anstimmen.

Lange bevor ich mich, die Nase im Wind, auf den Weg machte, mit meinem Liebsten auf die wunderbare Insel Sardinien zu ziehen, hatte ich alle Seiten des Merkbüchleins für Auswanderer sorgfältig studiert - bis auf eine. Da wir beide gute französische Bürger sind, hatten wir schon früh allen amtlichen Stellen unsere sofortige Ausreise mitgeteilt, einen Nachsendeantrag bei der Post gestellt, unsere Sachbearbeiter der Arbeitslosenversicherung, die uns wie in allen ähnlichen Fällen drei Monate Arbeitslosengeld zusagten, von unseren Plänen unterrichtet, ein Leonardo-Stipendium beantragt, das es Arbeitnehmern unter 37 Jahren erlaubt, einen bis zu dreimonatigen Aufenthalt in einem europäischen Unternehmen zu finanzieren, das Finanzamt von Paris informiert...

Wir meinten, somit alles in unserer Macht Stehende getan zu haben. Nicht einmal vor dem Schritt, unsere Beziehung als eingetragene Lebenspartnerschaft offiziell registrieren zu lassen, schreckten wir zurück. Wahrscheinlich wollten wir unsere Beziehung auch einfach öffentlich registrieren lassen, aber das sollte nicht davon ablenken, wie penibel wir alles vorbereitet hatten.

Ein Sabbatjahr auf der schönsten Insel der Welt

In Sardinien angekommen, haben wir, von der Insel und ihren Bewohnern in den Bann gezogen, mehr oder weniger von Tintenfisch und Liebe gelebt. Der Arbeitsmarkt auf der Insel ist nicht gerade dynamisch, vor allem nicht für Einwanderer, die keine zwei Worte Italienisch können, wie die Autorin dieses Artikels bei ihrer ersten Ankunft. Doch was macht das schon? Europa kennt schließlich keine Grenzen mehr. Ich entschied mich also, mein Arbeitslosengeld auf dem Konto zu horten, meine Ersparnisse ein wenig anzugreifen und freiberuflich für die armen Franzosen, die in Frankreich geblieben waren, zu arbeiten. Ein Sabbatjahr, eine zauberhafte Auszeit - das war mein Traumjahr 2008.

Kaum zurück in Frankreich machten wir natürlich, dumm wie wir waren, als erstes unsere Steuererklärung.

Das Jahr 2009 drohte allerdings schon viel zu bald am Horizont und wir zogen notgedrungen in unser schönes Heimatland zurück. Soll man nicht immer gerade dann aufhören, wenn es am Schönsten ist? Cazzo! Kaum zurück in Frankreich machten wir natürlich, dumm wie wir waren, als erstes unsere Steuererklärung. Ich bin damit immer äußerst pünktlich und würde sogar sagen, dass ich meine Steuererklärung liebe. Aus einem Grund, den ich selbst nicht so genau kenne (vielleicht handelt es sich ja um eine Störung im Gehirn?), fühle ich mich, wenn ich meine Steuererklärung mache, als ob ich wählen ginge oder aktiv am Leben und der Gestaltung meiner Stadt teilnähme. Mein Liebster teilt diesen Enthusiasmus nicht, weder in Bezug auf die Steuer noch auf die Wahlen. Wir teilten dem Finanzamt also zu zweit mit, dass wir auf Sardinien 15.000 Euro und ein paar Zerquetschte verdient hatten.

Danke, ihr lieben Steuerrechtler!

Und nun, lieber Babelianer, freue dich mit mir, denn dieses Jahr wirke ich mehr denn je an der Stadtgestaltung mit. Vor kurzem haben wir unseren Steuerbescheid erhalten und schulden dem Finanzamt nun 3.414 Euro. Auch ein mehrmaliges Nachrechnen änderte nichts an der astronomischen Summe, die 20 Prozent unseres Einkommens "aus französischen Quellen" entspricht. Welch unverhoffter Luxus! Wenn wir, ohne unser Heimatland zu verlassen, unter den gleichen Steuersatz hätten fallen wollen, hätten wir mindestens 26.000 Euro pro Person verdienen und also 52.000 Euro als Einkommen deklarieren müssen. (Ich runde die Zahlen für dich, den zukünftigen Expat, der seine Pläne schon zu überdenken beginnt, etwas auf.)

Wir haben also genauso hohe Steuern wie jeder reiche Pariser bezahlt, ohne allerdings im Schweiße unseres Angesichts mindestens 37.000 Euro verdient zu haben. Als ob man sich da nicht beschweren dürfte! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich sogar noch etwas drauf geschlagen.

Dieses kleine Wunder verdanken wir dem Artikel 197a des allgemeinen Steuergesetzbuches, der 2006 in Kraft getreten ist. (Wem muss ich danken?) Der Artikel geht von dem Grundsatz aus, dass Expats - diese kleinen Verrückten! - nicht nur über ein Einkommen "aus französischen Quellen", sondern ebenso in ihrem gelobten Land verfügten und demnach über ein erhöhtes revenu mondial (auf Deutsch "Gesamteinkommen"; A.d.R.) verfügten. Revenu mondial : Ich liebe dieses Wort! Erinnert es dich, lieber Babelianer, nicht auch ein bisschen an das Jetset-Leben auf Sardinien?

Wer aber von einem hohen Einkommen spricht, meint auch einen hohen Steuersatz, was die Erklärung für die 20 Prozent sein dürfte. Ich will dem französischen Finanzamt nichts unterstellen, aber man muss die Gesetzesbücher wirklich sehr genau gelesen haben, um auf diese Bestimmungen zu stoßen. In Zukunft werde ich auf jeden Fall seltener darüber nachdenken, in welcher Steuerklasse ich mich über den Tisch ziehen lasse. Es bleibt zu hoffen, dass mein Steuerbeamter Tintenfisch mag…

Hier geht es zur Rubrik für Auslandsfranzosen auf der Internetseite des französischen Finanzamts.

Wie steht es um die Steuererklärung der Expats in deinem Heimatland? Schreib’ einen Kommentar und hilf den zukünftigen Weltenbummlern weiter!