65% der europäischen Studenten sind für ein gebührenfreies Studium

Artikel veröffentlicht am 11. Mai 2009
Artikel veröffentlicht am 11. Mai 2009

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Die deutschen Studenten drohen mit Streiks. In Frankreich sind mehrere Universitäten dauerhaft blockiert und der Gedanke an die Abschlussprüfungen beunruhigt. „Die Studenten und die Reform der Hochschulbildung“? Gefährliche Umfrage der Europäischen Kommission.

In Frankreich wurde das LMD-System eingeführt (für Licence-Master-Doctorat - es wurde bereits von 39 Ländern angenommen), danach das LRU-Gesetz (Gesetz über die Freiheit und die Verantwortlichkeit der Universitäten). Welchen Namen man diesen Gesetzestexten in den vielen Ländern auch immer geben mag, die Harmonisierung der europäischen Universität, ihre neue Architektur und ihr Finanzierungsmodell sorgen an den Unis des Kontinents für zahlreiche Unruhen. Die Umsetzung des Bologna-Prozess‘, der 1999 ins Leben gerufen worden war, verunsichert nicht nur in Frankreich, wo Streiks ein gängiges Mittel sind. Die kaum damit vertrauten Deutschen gehen zunehmend ebenfalls auf die Barrikaden.

Die Unzufriedenheit wächst nach Erklärungen wie der von Marius Reiser, Professor an der Universität Mainz, der seine Professur im Januar niedergelegt und einen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienenen Artikel „Gegen die Auflösung der deutschen Universität und ihre Umwandlung in eine Lernfabrik“ veröffentlicht hatte. Ein anderes Beispiel: In Spanien fürchten tausende Studenten, Kunden einer zu kapitalistischen Uni zu werden. Ein neuer Bildungsminister, Ángel Gabilondo, ehemaliger Präsident der Universitätsrektoren, ist seit einigen Wochen im Amt, um einen „Plan Bolonia“ voranzubringen, der seit zwei Jahren im Leerlauf läuft.

Nach den Treffen von Louvain Ende April haben die Bildungsminister der 46 europäischen Länder ihre Ziele für 2020 neu definiert: die Mobilität der Studierenden in allen Staaten auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen, die Vergleichbarkeit und die Qualität der Studiengänge zu verbessern, die Zusammenarbeit mit der Arbeitswelt zu betonen. Die eher soziale Frage, die von den demonstrierenden Studenten am Rande des Gipfels aufgeworfen wurde, hat lediglich zu Versprechungen geführt, vor allem im Bereich der Studiengebühren. Einen Masterabschluss zu machen bedeutet mindestens fünf Jahre Studium und viele Ausgaben, die jährlich zu leisten sind. Man befürchtet ebenso, dass der Wettbewerb unter den Ausbildungen soziale Barrieren aufbauen wird.

Soll man alle Studenten zulassen?

Nach einer im Februar 2009 von der Europäischen Kommission durchgeführten Umfrage unter 15.000 europäischen Studenten aus 31 Ländern (die 27 EU-Staaten, Kroatien, Island, Norwegen und die Türkei) denken in der Tat 65% der Studenten, dass der Zugang zur Universität kostenlos sein sollte. 33% tolerieren die Gebühren, wenn es ein System von Stipendien oder Darlehen gäbe. Die Studenten aus Spanien, Griechenland, Belgien und Zypern stehen dem Auswahlprinzip am kritischsten gegenüber (21 bis 24%). Für die Mehrheit unter ihnen wiederum ist eine Auswahl zu Beginn einer Ausbildung entsprechend der von der Einrichtung gesuchten Profile logisch (50%). Aber 48% der Studenten sind der Ansicht, die europäischen Universitäten sollten alle Studenten zulassen.

Bei der Professionalisierung der Ausbildungen sind sich alle einig, Minister und Studenten: 9 von 10 Studenten meinen, dass die Kommunikationsmittel, die Teamarbeit und die Techniken, mit denen man „lernen kann, wie man lernt“ mit den theoretischen Kursen kombiniert werden müssen, um den Übergang in die Arbeitswelt zu optimieren. Die Auslandsaufenthalte sind sicherlich ein großer Trumpf in einem Lebenslauf: 53% der Umfrageteilnehmer haben angegeben, gern eine solche Erfahrung machen zu wollen (die 10% der Europäer bereits gemacht haben). Aber genau an diesem Punkt hängt die Bilanz der letzten zehn Jahre von Bologna: nur 550.000 der 31 Millionen europäischen Studenten brechen jährlich ins Ausland auf (davon 160.000 dank Erasmus). Das Leistungspunktesystem der Hochschulen (ECTS) hat es nicht ermöglicht, die Diplome beim Wechsel von einem Land in das andere ausreichend anzurechnen.