60 Jahre danach: Indien und Pakistan

Artikel veröffentlicht am 21. August 2007
Artikel veröffentlicht am 21. August 2007

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Während sich Indien als potentielle Weltwirtschaftsmacht behauptet, wird Pakistan fast täglich von neuen Attentaten erschüttert. 60 Jahre Unabhängigkeit von Großbritannien: eine Bilanz.

Pakistan erlebt momentan eine der blutigsten Zeiten in seiner Geschichte. Und Pervez Musharraf sitzt zwischen allen Stühlen. Der "Präsident-Diktator" des Landes ist dem Druck von allen Seiten ausgesetzt. Die moderaten Islamisten, die ihn bisher unterstützten, beschimpfen ihn nun als "Mörder". Die Taliban haben den Krieg bis in das Stadtzentrum der Hauptstadt ausgedehnt. Die laizistische Opposition im Exil erkennt einen Präsidenten in militärischer Uniform erst gar nicht an.

Auch die internationalen Verbündeten, allen voran die Vereinigten Staaten, fühlen sich immer unwohler. Sie lehnen es zunehmend ab, eine Regierung zu unterstützen, die nicht in der Lage ist, der zunehmenden Herrschaft der Taliban im Norden des Landes ein Ende zu setzen. Solange Musharraf nicht mit allen politischen Parteien den erhofften nationalen Pakt schließt, um das Land aus der momentanen Sackgasse zu führen, steht er allein da. Doch jetzt, wo Pakistan hofft, im Herbst Wahlen abhalten zu können, läuft die Uhr gegen ihn. Die jüngsten Umfragen zeigen, dass sich 64 Prozent der Bevölkerung gegen eine Wiederwahl Musharrafs aussprechen.

Kurz nach den Wahlen am 14. August feiert Pakistan den 60. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Großbritannien. Indiens Feierlichkeiten folgen einen Tag später. 100 Jahre lang hatten beide Staaten Verwaltung, Territorium und Kultur unter Aufsicht des Vereinten Königreiches geteilt. Mit der Unabhängigkeit entschieden sie sich, den indischen Subkontinent in zwei Staaten zu teilen: einen muslimischen und einen hinduistischen. Mit der Dekolonialisierung wurde das moderne Commonwealth of Nations geboren.

Sechzig Jahre später lassen die wirtschaftlichen Indikatoren die Regierung Musharraf in gutem Licht erscheinen. Der Regierung gelang es, die Inflation zu senken und hohe Wachstumsraten zu erzielen. Politische Instabilität und fehlende Sicherheit sind an diesem Jahrestag die einzigen Punkte, in denen sich die Länder unterscheiden.

In den letzten Jahrzehnten seit Abzug der Briten war das Nachbarschaftsverhältnis sehr angespannt. Drei Kriege entzündeten sich zwischen den beiden Ländern, zwei von ihnen um die Kaschmir-Region. Dieser Konflikt brachte beide Seiten dazu, ihre atomaren Waffenprogramme weiterzuentwickeln. Fast drei Jahrzente lang handelten sie sich Saktionen seitens der internationalen Gemeinschaft ein, die ihrer Wirtschaft nachhaltig schadeten. Erst in den letzten Jahren, als Indien und Pakistan anfingen, sich im Kampf gegen den Terrorismus zu engagieren, ließen die Sanktionen nach.

Dennoch gelang es beiden Ländern – aber vor allem Indien - sich im Rahmen der Globalisierung zu öffnen und Wachstum zu verzeichnen. Heute zieht die expandierende städtische Mittelklasse immer mehr multinationale Unternehmen an. Schließlich verhalfen auch die wirtschaftlichen Reformen, die seit den achtziger Jahren entwickelt wurden, Indien zunehmend zum Aufstieg. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds ist Indien eines der Länder mit dem höchsten Wirtschaftswachstum weltweit.

Der Weg zur Stabilität

Ihren Wendepunkt erreichte die Beziehung zwischen Indien und Pakistan mit den Attentaten auf die Züge von Bombay, die am 11. Juli 2006 von Islamisten verübt wurden. 190 Menschen ließen dabei ihr Leben. Zwei Monate später beschlossen beide Länder beim XIV. Gipfel der Bewegung der blockfreien Staaten einen Friedensprozess auf den Weg zu bringen, um die Bedrohung durch Terroristen einzudämmen und dem Kaschmir-Konflikt ein Ende zu bereiten.

Indien hat aus dieser neuen Situation Kapital geschlagen und versucht sich den Vereinigten Staaten anzunähern. Das Land hatte sich nach seiner Unabhängigkeit unter Indiens erstem Ministerpräsidenten Nehru zunächst in einen sozialistischen Staat verwandelt, der der Sowjetunion nahe stand. Heute hat sich die Situation grundlegend gewandelt. Die nach eigenen Informationen größte parlamentarische Demokratie der Welt hat einen historischen Vertrag mit den Vereinigten Staaten geschlossen, der ihr Zugang zur nordamerikanischen, zivilen Nukleartechnologien verschafft und erlaubt, nukleare Brennstoffe zu lagern: eine Ausnahme in der amerikanischen Nuklearpolitik.

Pakistan bleibt auf der Strecke

Während sich Indien in den neuen Partner der Vereinigten Staaten verwandelt, bleibt Pakistan in seiner Instabilität versunken. Zu Zeiten des Kalten Krieges unterstützte Pakistan - mit Hilfe der Amerikaner - die Mudschahidin, um den Einfluss der Sowjets in Zentralasien zu bremsen. Derartige Allianzen scheinen heute undenkbar.

Eine größere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Indien und Pakistan könnte der Region vielleicht den letzten nötigen Anstoß geben. Zumindest wurde zuletzt der erste Schritt in diese Richtung getan. Beide Staaten unterzeichneten ein Abkommen, um die Handelsbeziehungen anzustoßen. Sie hoffen dadurch das bilaterale Wirtschaftsvolumen bis 2010 verfünffachen zu können. Die aus dem Abkommen hervorgehende Erklärung zeugt von einem gemeinschaftlichen Willen zur Verständigung. Nach 60 Jahren, in denen sich beide Länder unabhängig voneinander entwickelten, kann in Zukunft nur die Zusammenarbeit die erhoffte Stabilität bringen.