50 Jahre Europa: Der Kampf für Gleichberechtigung

Artikel veröffentlicht am 16. März 2007
Artikel veröffentlicht am 16. März 2007

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Auch 50 Jahre nach der Gründung Europas bleibt die Diskrimination von Minderheiten ein Problem. Ein Blick auf die Situation der Sinti und Roma damals und heute.

Sinti und Roma sind die größte Minderheit innerhalb der Europäischen Union und sie kämpfen mit Nachdruck, um bestehende Vorurteile zu beenden. In der Umfrage des Eurobarometer-Institutes vom Januar dieses Jahres wurde besonders nach den Motiven der Diskriminierung gefragt – schließlich soll 2007 das „Jahr der Gleichberechtigung“ werden. Die Erhebung kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Zwei Drittel der befragten Europäer glauben, dass vor allem ethnische Minderheiten diskriminiert werden.

Genauso viele Europäer glauben, dass ein Zusammenleben Menschen verschiedenster Kulturen die eigene Nation bereichere und dass die Fremdenfeindlichkeit in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. Die Studie zeigte auch, dass die europäischen Bürger es für einen sozialen Nachteil halten, als Sinti und Roma geboren zu werden. Hier variieren die Prozentsätze allerdings innerhalb der Staaten stark.

Die 50er Jahre in Spanien: Verfolgt und ausgeschlossen

Das Zimmer ist überfüllt mit Büchern und Unterlagen, die Jahrzehnte des Gleichberechtigungskampfes spanischer Sinti und Roma thematisieren. In diesem Arbeitszimmer sitzt Juan de Dios Ramírez-Heredia. Der 65-jährige ist Präsident der Unión Romaní und einer der Gründer des europäischen Beobachtungsstabes gegen Rassismus. „Als meine Mutter mir sagte, dass ich studieren solle, hat das mein Leben verändert", beginnt er zu erzählen. Die Entscheidung seiner Mutter war durchaus ungewöhnlich: „Ich kann es mir noch immer nicht erklären, weshalb sie – selbst Analphabetin – sich in den Kopf gesetzt hatte, dass ich weiter zu Schule gehen und sogar studieren solle. Das hat mich sehr beeindruckt und beeinflusst."

Damals, 1957, besaßen die meisten Sinti und Roma in der Unterschicht Andalusiens praktisch nichts. „Wir erfuhren auch nichts über das politische Leben jenseits der Grenzen Spaniens während der Diktatur Francos", so Ramírez-Heredia weiter. Was die Sinti und Roma jedoch wussten, war, dass sie im franquistischen Spanien verfolgt wurden – sowohl von der Guardia Civil, dem damaligen spanischen Polizeiapparat, als auch von einem Großteil der spanischen Bevölkerung.

Seither hat sich die Situation jedoch gewandelt: „Wir haben von so weit unten aus angefangen, es gab so vieles, was wir überwinden mussten. Doch auch jetzt bleibt uns noch viel zu tun, viele Verhaltensweisen müssen verändert werden – sowohl von Zigeunern als auch von Nicht-Zigeunern," betont Juan de Dios Ramírez-Heredia.

Der ehemalige Europaabgeordnete beschwert sich über die Rolle der politischen Institutionen: Im spanischen Parlament gibt es aktuell keinen Abgeordneten der Roma-Minderheit, im Europäischen Parlament gibt es gerade einmal zwei ungarische Abgeordnete, die Sinti und Roma sind.

2007: Hoffen auf Europa

In den letzten fünfzig Jahren gab es in der Behandlung der Sinti und Roma in Spanien und in ganz Europa enorme Fortschritte. Dennoch findet Manuela Fernández, dass es noch immer eine absolute Ausnahme sei, sowohl Sinti oder Roma als auch Akademiker zu sein. Die 28jährige wuchs in La Mina, einem ärmlichen Vorortviertel Barcelonas auf. Heute ist sie verantwortlich für den Plan zur Integration der katalanischen Sinti und Roma bis zum kommenden Jahr und betreut sämtliche andere, gesamteuropäische Projekte der Sinti und Roma in Katalonien.

Manuela Fernández studierte, weil ihr Vater, der sich autodidaktisch bildete, sie dazu motivierte. Doch aus ihrem Umfeld gingen die Wenigsten auf eine weiterführende Schule. Das ändere sich jedoch gerade, weil die dortigen Jugendlichen zunehmend Bezug zu höherer Bildung entwickelten: „Normalerweise ist es eine Barriere, Frau und Zigeunerin zu sein. Aber in meinem Falle hat sich diese Konstellation in ein Trampolin gewandelt, weil ich studiert habe. Ich habe meinen Job gerade weil ich Sinti und Roma bin!" erklärt Fernández.

In ihrer Arbeit sieht sie, dass sich die Sinti und Roma Europas vernetzen: „Heute haben unsere Jugendliche einen internationalen Horizont. Bei vielen Treffen spricht man wieder Rumänisch." Europäische und staatliche Institutionen investierten viel Geld, so Fernández, in die Gemeinschaft der Sinti und Roma, aber es mangele daran, solche Projekte nachhaltig zu fördern und zu bezuschussen.

Daher fordert sie, den interkulturellen Dialog zu verstärken und sich innerhalb der Sinti und Roma politisch zu beteiligen: „Wir müssen uns wirklich einmischen und mitmachen, nicht nur so tun, als ob."