2017: Endlich das Ende von Roaming in Europa

Artikel veröffentlicht am 22. September 2016
Artikel veröffentlicht am 22. September 2016

Die EU-Kommission hat die Gebühren für die Handynutzung im Ausland abgeschafft. Telekom-Konzerne dürfen von Kunden allerdings Gebühren verlangen, wenn diese zum Beispiel dauerhaft im Ausland telefonieren. Das verletzt die Idee eines grenzenlosen Europas, meinen einige Kommentatoren. Andere kritisieren, dass die Telekom-Firmen die großen Verlierer der Brüsseler Entscheidung sind.

tagesschau.de: Bald gibt es gute und schlechte Kunden; Deutschland

Die Freiheit des grenzenlosen Telefonierens schränkt die EU-Kommission mit ihrem Vorstoß zum Wegfall der Roaming-Gebühren kräftig ein, kritisiert tagesschau.de: „Wenn es nach der EU-Kommission geht, gilt ab Sommer 2017 das Prinzip: Roaming-Gebühren fallen nur weg, wenn wir Nutzer von dieser neuen Freiheit nicht zu häufig Gebrauch machen. Ob das der Fall ist, sollen die Telefonanbieter selber prüfen. [...] Statt einer Telefonrechnung erstellen Telekom und Co. in Zukunft regelrechte Kundenprofile, um die guten von den schlechten 'Roamern' zu unterscheiden. Mit dem Segen der EU-Kommission. Und im Zweifel müssen wir Kunden uns auch noch rechtfertigen, wenn wir zum Beispiel gerade mal mehr in der EU unterwegs sind als sonst. Das Versprechen, Roaming abzuschaffen, hält die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag. Doch dafür verletzt sie die Idee eines grenzenlosen Europas, in dem wir eben nicht an einen Ort gebunden sein sollen - schon gar nicht durch so etwas Banales wie Handytarife und Profite von Telekom-Unternehmen.“ (Artikel vom 21. September 2016)

L'Echo: Telekom-Firmen sind die großen Verlierer; Belgien

Mit ihrer Entscheidung, gebührenfreies Roaming nun doch nicht auf 90 Tage zu begrenzen, lässt die EU-Kommission die Mobilfunkanbieter im Stich, konstatiert L'Echo: „Im Hinblick auf die Freizügigkeit in Europa ist die Maßnahme eine Wohltat für Bürger und Unternehmen. Die Telekommunikationsanbieter könnte sie jedoch teuer zu stehen kommen, da sie auf dem europäischen Markt einem starken Wettbewerb ausgesetzt sind. […] Wer wird sich letztlich beschweren, keine Roaming-Gebühren mehr zu zahlen? Kaum jemand. In diesem Punkt hat sich die Kommission, die zwar unbeständig, aber dennoch vorsichtig ist, für das Interesse der Masse entschieden. Den Mobilfunkunternehmen erteilt sie im Gegenzug das Recht, Missbrauch zu ahnden und gegebenenfalls Aufschläge zu verlangen. Das ist jedoch ein schwacher Trost, denn in der Realität wird sich diese Jagd als komplex erweisen, da das Verfahren vage und unzureichend definiert ist. Sie sind eindeutig die großen Verlierer in dieser Angelegenheit.“ (Artikel vom 22. September 2016)

Der Standard: Ende der Abzockerei; Österreich

Telekom-Unternehmen werden sich erfolglos gegen die Abschaffung der unzeitgemäßen Roaming-Gebühren wehren, prophezeit Der Standard: „Dass der Minutentarif ins EU-Ausland im Festnetz noch vor einer Generation gut einen Euro ausmachte (und mobil deutlich mehr), darüber können junge Leute heute wahrscheinlich nur ungläubig staunen - abgesehen davon, dass sie lieber whatsappen statt telefonieren. Derartige Abzockerei hat der Markt, hat die Konkurrenz vieler Anbieter inzwischen beendet. Vor diesem Hintergrund ist die Kontroverse um die völlige Abschaffung der Roaming-Gebühren zu sehen. Eine solche ist von den politisch Verantwortlichen für 2017 oft versprochen worden. Nun stellt sich heraus: Es gibt eine Fußnote, die gern unterschlagen wurde. Sie heißt Fair Use. An schmerzlich hohen Roaming-Gebühren haben nationale Telekomfirmen bis zuletzt bestens verdient. Das wollen sie nicht so leicht aufgeben. Die Kommission hält ihnen die Stange. Aber es wird nichts nützen, Roaming-Gebühren sind unzeitgemäß.“ (Artikel vom 22. September 2016)

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