1989: Am Morgen danach

Artikel veröffentlicht am 25. September 2014
Artikel veröffentlicht am 25. September 2014

Wer in Deutschland an 1989 denkt, dem fällt der Mauerfall ein. Und dann meistens die Bilder von einem Bagger, der Betonplatten auseinander reißt, und Menschen, die sich in den Armen liegen. Das auf diese Nacht aber auch ein Morgen folgte, vergisst man oft. Wie ging das Leben weiter am 10. November 1989? 

Im Herbst 1989 ging ich in die 4. Klasse der Klara-Schabbel-Oberschule in Berlin Prenzlauer Berg. Am Abend des 9. November kam meine Mutter von einem Klassentreffen in der Friedrichstraße nach Hause und berichtete ungläubig, dass die Grenze nach West-Berlin offen sei. Am nächsten Morgen fehlte in meiner Klasse mindestens die Hälfte der Schüler.

Vereinzelt saßen wir auf unseren Stühlen im Klassenraum und schauten zweifelnd auf das Foto von Erich Honecker, das an jeder Wand der Schule hing. Unsere Klassenlehrerin Frau Guse war sichtlich überfordert und trug alle fehlenden Schüler in das Klassenbuch ein. Fehltag bleibt Fehltag! Man ahnte schließlich nicht im Geringsten, was die Ereignisse der vergangenen Nacht bedeuteten und ob die Maueröffnung nicht doch wieder rückgängig gemacht würde. Das dachten auch einige der Eltern meiner Klassenkameraden: Manche kamen gar nicht mehr wieder.   

Beyond the Curtain: 25 Jahre offene Grenzen

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