15. 10: Die Welt auf der Straße

Artikel veröffentlicht am 15. Oktober 2011
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Artikel veröffentlicht am 15. Oktober 2011

Als Teil einer welt­weit or­ga­ni­sier­ten Pro­test fin­det heute die Ber­li­ner De­mons­tra­ti­on vom Alex­an­der­platz bis zum Kanz­ler­amt statt.

Die glo­ba­le Welle der Em­pö­rung er­reicht Ber­lin. Die Menge ge­gen­über dem Kanz­ler­amt ist aber fried­lich. Zwei sind die am Meis­ten von den frei­wil­li­gen Spre­chern zi­tier­ten The­men: Geld und De­mo­kra­tie.

Die Ver­samm­lung nennt sich „As­sem­blea“ und funk­tio­niert nach dem spa­ni­schen Vor­bild: Alle sind zu reden ein­ge­la­den und haben eine Art von Wahl­recht. Mit den Armen kön­nen die Zu­schau­er die Reden zu­stim­men, indem sie die Hände schüt­teln, oder ab­leh­nen, indem sie ihre Arme kreu­zen. Möch­ten sie den Spre­cher wech­seln, dre­hen sie die Arme in der Luft. Aus New York kommt dann die „Human Mi­kro­fo­ne“, das Kon­zept ist das alle die nä­he­rer Zu­schau­er laut wie­der­ho­len die Reden von den hin­ten ste­hen­den Teil­neh­mern und so wei­ter bis in den letz­ten Plät­zen.

Als ba­sis­de­mo­kra­ti­sche För­de­rung schlägt ein Spre­cher vor: „Set­zen wir uns in den Reichs­tag!“ Eine an­de­re meint, dass mehr „Bür­ger­be­we­gun­gen ge­fragt sind“. Ein jun­ger Ak­ti­vist ver­teilt die Num­mer des Kanz­ler­amts, um sich über die Fi­nanz­steu­er­trans­ak­ti­on zu er­kun­di­gen. Alle diese Vor­schlä­ge be­kom­men eine große Zu­stim­mung bei den Zu­schau­ern. Der Wunsch nach einer di­rek­ten Be­tei­li­gung an dem de­mo­kra­ti­schen Pro­zess ist groß. „Angi, Obama und alle die Sar­ko­zy der Welt schaut uns zu, seid Stolz auf uns“, ruft ein Red­ner.

Auch des­we­gen sind kaum po­li­ti­schen Fah­nen unten den De­mons­tran­ten zu sehen. Der Mo­dera­tor der "As­sem­blea" bit­tet alle die Spre­cher keine Wer­bung für ein­zeln Grup­pen zu ma­chen, da alle als ein­zeln Per­so­nen dort sein soll­ten. Di­rek­te De­mo­kra­tie durch Blog und so­zi­al Net­work sind die neue Idee der Be­we­gung, um die tra­di­tio­nel­len Netz­wer­ke der Par­tei­en zu über­schrei­ten. Die Fra­gen zum Geld, das an­de­re große Ka­pi­tel der Pro­test, äu­ße­ren sich am meis­ten durch die Fan­ta­sie der zahl­rei­chen Pla­ka­te. Aus der Bühne, die aus einem alten Po­li­zei­wa­gen be­steht, plä­diert ein Spre­cher für eine „de­mo­kra­ti­sche Geld­schöp­fung“.

Der Pro­test rich­tet sich be­son­ders an der po­li­ti­schen Füh­rungs­eli­te, die bis jetzt keine neue Idee ge­fun­den habe und nur die von den Ban­ken ge­frag­ten Maß­nah­men zu re­zi­pie­ren ver­su­che, wie die Ak­ti­vis­ten der Be­we­gung auf der Buhne kla­gen. In ihren Augen ist diese eine gute Chan­ce für die Men­schen von jedem Alter, die auf der Wiese des Bun­des­tags sit­zen, sich mit den ita­lie­ni­schen, spa­ni­schen, grie­chi­schen Stra­ßen und Plät­zen ge­mein­sam zu ver­bin­den, um eine echte eu­ro­päi­sche öf­fent­li­che Mei­nung über ge­mein­sa­me The­men zu bil­den.

Fo­tos und Text von Ste­fa­no Lip­piel­lo