Das passt Nicolas Sarkozy gar nicht: Da erdreistet sich die europäische Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, Viviane Reding, Frankreichs Roma-Abschiebungen zu kritisieren - und das nicht gerade zimperlich. Die „Grande Nation“ schmollte, verlangte eine Entschuldigung, Sarkozy schoss zurück. Die Reaktionen auf ihre Äußerungen wären weniger scharf ausgefallen, wenn sie männlich wäre, ließ Reding jetzt verlauten. Willkommen im Macho-Club Europa!
Viviane Reding vs. Europas Macho-Club
Europas Machos im Kampf gegen Viviane Reding
Kommentar
22/09/10
Tags : Luxemburg, Frankreich, Sinti und Roma, Viviane Reding,
- Deutsch [OF]
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Viviane Reding hat es momentan nicht leicht. Mitte September warf sie Frankreich vor, Roma gezielt aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit auszuweisen und zog Vergleiche zum Zweiten Weltkrieg. Europaweit war man sich einig: Das war zu viel des Guten. Silvio Berlusconi eilte seinem Freund Nicolas prontamente zu Hilfe. Das Roma-Problem sei kein speziell französisches, ließ er verlauten. Klar, auch Italien stritt sich in Sachen Roma schon 2008 mit der Kommission herum.
Sarkozy selbst hatte wohl weniger Lust auf Diplomatie und empfahl Reding, die Roma doch in ihrer Heimat Luxemburg aufzunehmen. Der französische Senator Philippe Marini legte mit Betrachtungen über Luxemburg nach. Es sei eine “äußerst bequeme Aufgabe, Luxemburger Minister oder EU-Kommissar zu sein”, schließlich habe es das Land “nicht einmal nötig, seine Steuern einzutreiben.”
Viviane Reding | EU-Kommissarin auf dem KriegspfadEin Problem ganz anderer Art mit Reding hat Jean Quatremer. „Skandalös“ sei es, dass Reding ihre Anklage auf Englisch und nicht auf Französisch vorgebracht hätte, mault der Brüssel-Korrespondent der französischen Tageszeitung Libération.
Viviane Reding fühlt sich durch die Polemik der letzten Wochen „gestärkt“. Trotzdem stellt sie fest: „Wenn ein Mann mit der Faust auf den Tisch haut, gilt er als männlich, er verteidigt sich selbst. Wenn eine Frau mit der Faust auf den Tisch haut, ist sie hysterisch.“
Monsieur Sarkozy hat gerade eindrücklich das Gegenteil bewiesen: Auch auf Tische hauende Männer wirken mitunter eher hysterisch.
In ihrem Song “Enough is enough” greift die französsiche Web-Chansonneuse ‘La Parisienne Libérée’die aktuellen Debatten ihres Landes auf - Roma-Abschiebungen, Luxemburg-Bashing und ein arroganter Präsident, der sich nicht um Europa schert | “Enough is enough, if you like the Roms You should take them all and welcome them in your own homes Enough is enough, you little country Cause if you go on I will annex the Grand Duchy”
Fotos: Artikellogo (cc) Clint Gardner/flickr; Viviane Reding (cc) europeanpeoplesparty/flickr; Video: ©laparisienneliberee.com/Youtube
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