Die Zahl der Bagatelldelikte und die Arbeitslosenquote (17,6%) sind hoch in der Innenstadt von Brüssel, das eigentlich eine der niedrigsten Kriminalitätsraten in Europa vorweist. Trotzdem musste die Polizei am 15. Februar zwölf albanischstämmige Belgier verhaften, die mit einer kriminellen Bande in Verbindung gebracht werden. Andere Stadtteile sind ebenfalls als gefährlich eingestuft.
Anderlecht, Molenbeek, Schaarbeek: Krimi-Pflaster in Brüssel
Brüsseler Polizei-Statue; ©Chuck Nhorus/flickr
Kommentar
Übersetzung: Kay Schaubach
01/03/10
Tags : Sex, Europe on the ground, Balkan, Brüssel, Beitrittskandidaten, Einwanderung, Arbeitslosigkeit, Viertel in Europa, Prostitution, Journalismus, Belgien, Kriminalität, Albanien, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Gewalt, Rotlichtviertel.
- 6 Kommentare für “Anderlecht, Molenbeek, Schaarbeek: Krimi-Pflaster in Brüssel”
- “Anderlecht, Molenbeek, Schaarbeek: Krimi-Pflaster in Brüssel” drucken
4votes plus 0 votes moins
Als Reporter speziell für Kriminalität in Tirana verbringe ich die Tage an Tatorten und in Gerichtssälen, schreibe über den weit verbreiteten Drogenkonsum, Prostitution und Mord der Stadt. In Brüssel bestimmt das Verbrechen mindestens drei große Viertel. Schließlich besteht die Stadt nicht nur aus Hochhäusern, dem Place de Luxemburg und dem Grand Place, sondern auch aus Schaarbeek, Anderlecht und Sint-Jans-Molenbeek. Diese drei Nachbarschaften im Nordwesten der Stadt werden hauptsächlich von Immigranten bewohnt - ungefähr 80.000 der Bewohner dort sind arabischen oder afrikanischen Ursprungs, während 3 von 5 Kriminellen in Belgien nicht belgischer Abstammung sind.
Schaarbeek
Als Journalist im Bereich Kriminalität habe ich gelernt Gesichter zu erkennen. An diesem Nachmittag in Schaarbeek sehe ich einige davon. Nicht viele Leute zeigen sich in Schaarbeek, dem nördlichen Teil von Brüssel. Aber man hört Türkisch, Arabisch und afrikanische Dialekte in den Straßen. Im westlichen Molenbek griffen Einwohner die Polizeiwagen mit Molotow-Cocktails und Steinen an. Während der muslimischen Unruhen im September 2009 wurden sie sogar mit Gasflaschen beworfen. Internetvideos zeigen die Momente, in denen die Polizisten die Straße nach Molenbeek bewachen und Wasserwerfer gegen die Menge einsetzen.
Anderlecht
Anderlecht scheint seinerseits der gefährlichste Stadtteil zu sein. Anfang Februar wurde berichtet, dass das Institut Supérieur Industriel de Bruxelles aufgrund der vielen Überfälle auf seine Studenten in diesem Viertel seinen Campus verlegen würde. Die offiziellen Angaben der belgischen Polizei sprechen von einem Anstieg der Bagetelldelikte in den ersten sechs Monaten 2009. Die Polizei riet den Anwohnern die Häuser nicht für längere Zeit zu verlassen, um so Einbrüche zu verhindern. „Meine Fernsehantenne wurde gestohlen, als ich Brüssel für ein paar Tage mit meiner Familie verließ“, berichtet ein albanischer Einwanderer bei einem Kaffee in Schaarbeek. Er lebt hier seit vielen Jahren, einer von den geschätzten 30.000 bis 60.000 Albanern in Belgien. „Die Anwohner erhalten kaum Informationen. Früher habe ich in Molenbeek gelebt, wo ich mit eigenen Augen eine Person drei andere niedermetzeln sah. Es gab darüber in den Medien keine Nachrichten oder auch nur eine Polizeimeldung.“ Ich kann keine offizielle Erklärung für den Anstieg der Kriminalität finden, doch dieser ältere Einwohner schiebt es teilweise auf die Krise. „2009 verloren viele albanische, arabische und türkische Immigranten ihre Jobs. Sie sind die ersten, die gehen müssen oder niedrigere Löhne bekommen.“
Rotlicht-Brüssel
Drüben in der Rue d’Aerschot oder auch der Aarschotstraat sucht sogar die Sexindustrie nach einem Ausweg aus der Wirtschaftskrise. „Es kommen viele Leute und lassen Geld hier, aber die meisten von uns verdienen nur wenig“, sagt eine bulgarische Sexarbeiterin (19), die vor einem Jahr herzog. Andere Mädchen bestätigen, dass ihr Einkommen sinkt. Für viele Jahre war der Rotlichtbezirk ein Rückzugsgebiet für die örtliche Wirtschaft, doch sogar dieser Geschäftszweig baut ab. Als Kriminalitätsjournalist schreibe ich keine Happy-Ends in Albanien, einem Land, das einen Antrag für den EU-Beitritt gestellt hat. Aber wie es aussieht, gibt es in Europas bürokratischer Hauptstadt auch nicht viele.
- Mehr zum Thema lesen
Anzeige


Kommentaren folgen Reihenfolge der Kommentare umkehren Kommentare erneut laden Mitdiskutieren
Deinen Senf dazugeben? Sag es hier!
Schon Babelianer? Log-in. Oder sign-up!