Ich bin ein kleiner König, gebt mir nicht zu wenig, lasst mich nicht so lange stehn, sonst ich ein Häuschen weiter geh‘ - des Bankers Wunschzettel für Weihnachten 2009.
Schöne Bescherung: Was junge Banker sich vom Weihnachtsmann wünschen
Für 2009 die Hand aufhalten?/ ©dhammza/flickr
Kommentar
20/12/09
Tags : Bank, Jugend, Geld, Das Beste von cafebabel.com, Jobeinsteiger, Weihnachten, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Arbeitsmarkt, Banker, Arbeitslosigkeit, Arbeit, London.
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Ein ganz spezieller Wunschzettel flatterte mir neulich in Frankreich in die Hände: „Kurz und gut, lieber Weihnachtsmann, ich weiß wirklich nicht mehr, was ich noch machen soll, damit ich, meine Schwestern und Brüder für unser Engagement gerecht belohnt werden. Und deshalb zähl‘ ich auf Dich, damit sich das schnell ändert“, stand darauf. Junge krisengeschüttelte Arbeitslose, die Génération Précaire, unterbezahlte Praktikanten, die für ihren Vollzeitjob nicht gerecht entlohnt werden, würde man auf den ersten Blick vermuten? Voll daneben. Pustekuchen! Es handelte sich um das offene Gewerkschaftsschreiben der Sprösslinge einer der größten, global agierenden Banken der Welt. „Artig“ seien sie das ganze Jahr über gewesen, über ihre Ziele hinausgeschossen, und das, obwohl man dem fast zu bemitleidenden Bänkernachwuchs in Zeiten der Krise mal links, mal rechts, mal die komplette Kehrtwende befohlen hatte und sie trotzdem immer brav gefolgt waren. „PS: Kannst Du die Daumen drücken Weihnachtsmann, damit Papa, wenn ich ihn nach mehr Taschengeld frage, Ja sagt?“
Daumen oder Preise drücken
All I want for Christmas is… BARES! | Bänker kämpfen um ihre Boni 2009 ©xtream_i/flickrTatsächlich scheinen die Einstiegsbanker des genannten Etablissements noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Na klar, man hatte ihnen an einer der zahlreichen Elite-Wirtschaftsschulen bestimmt den Topjob, M&A-Spielzeug und die erste Million unter 30 versprochen - bei den ganz Großen sollten sie mitspielen dürfen - wie im Monopoly. Doch dann funkte die Krise dazwischen! Pleiten, Verstaatlichungen, Finanzspritzen tönte es 2009 von überall. Doch an unseren Jungspunten aus dem Finanzsektor scheint das Jahr vollkommen spurlos vorübergegangen zu sein. Sie „erwarten viel vom Weihnachtsmann“, damit sie 2010 ihr „Lachen wieder finden“.
Andererseits ist es ja auch nicht so, als müssten sie Ende des Jahres auf Los zurück gehen. In der Bankenbranche liegen die Einstiegsgehälter nicht wirklich an der Armutsgrenze und verdienen Praktikanten nicht selten durchschnittlich so viel wie Festangestellte in anderen Sektoren. In vielen Unternehmen sind europaweit Lohnkürzungen, Zeitarbeit und Entlassungswellen an der Tagesordnung, während Banken sich nicht lumpen lassen und trotz staatlicher Unterstützung auch 2009 Boni ausschütten werden. Laut Eurostat waren im ersten Quartal 2009 fast 5 Millionen junge Europäer arbeitslos. Tendenz steigend! Im Oktober 2009 waren 20,7% der unter 25-Jährigen auf Arbeitssuche. Im Durchschnitt eine schöne Bescherung!
Wieviel ist meine Arbeit wert?
In Großbritannien und Frankreich sollen nun 50% Steuern auf Banker-Boni ab einer Höhe von 27.700 Euro erhoben werden - eine einmalige, durchaus populistische Aktion, welche die Banker auf die Palme bringt. Um „vernünftige Entlohnungen im Finanzsektor“ sollte es bei besagtem EU-Gipfel vom 11. und 12. Dezember gehen. Doch welches Gehalt ist vernünftig für einen Banker, Gärtner oder Lehrer? Wem sollte der Weihnachtsmann 2009 finanziell unter die Arme greifen?
Deutsche Bank Xmas Party 2009 | ©Anna Warr
Die NEF (New Economics Foundation) hat die Antwort darauf: In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie ‘A Bit Rich: Calculating the real value to society of different professions’ untersuchte der unabhängige britische Think- und Do-Tank den gesellschaftlichen Nutzen verschiedener Jobs und macht Vorschläge für ein grundsätzliches Umdenken, wie Arbeit zukünftig bewertet, anerkannt und bezahlt werden könnte. Der Studie zufolge zahlt die Gesellschaft für jedes verdiente Pfund eines Londoner Bankers 7 Pfund drauf, während jedes dem Müllmann überwiesene Pfund der Gesellschaft zwölf Mal so viel zu Gute kommt. Ein saftiges Bankkonto gebe demnach keine Auskunft über die gesellschaftliche Leistung. Unsere französischen Banker, die von Santa „Geschenke auf der Höhe ihrer Jahresleistungen“ erwarten, sollten sich dementsprechend warm anziehen: das kann teuer werden!
Und PS: Wenn ich einen Wunsch an den werten Herrn Weihnachtsmann ausrichten darf: Eine Gehaltserhöhung für Tim Hunkin. Der Brite ist der Erfinder des Spielautomaten „Hau den Banker“ (Whack a banker), bei dem man im englischen Suffolk mit Plastikhämmern auf kahle Bankerköpfe einschlagen kann. Damit auch wir 2010 unser „Lachen wiederfinden“.
Fotos: dhammza/flickr; xtream_i/flickr; Anna Warr
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