Seit dem 6. Dezember versammeln sich tausende Griechen im Gedenken an Alexis, den 15-jährigen Gymnasialschüler, der im vergangenen Jahr während der Studentenunruhen von einem Polizisten getötet wurde, auf den Straßen des Landes. Am Rande der Demonstrationen geht es zwischen Anarchisten und den 6000 Ordnungskräften wieder heiß her. Junge Griechen berichten.
Unruhen in Griechenland - ein Jahr später
150 Mitglieder, die man verdächtigte, Mitglieder der anarchischen Bewegung zu sein, wurden « »vorsichtshalber » von der griechischen Polizei noch vor den Demonstrationen festgenommen/ ©flickr.com/photos/murplejane/
NACHRICHTEN
Übersetzung: Daniela Berger-Riede
08/12/09
Tags : Prekarität, Athen, Demonstration, Studium, Studenten, Anarchie, Universität, Jugend, Griechenland.
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Vor genau einem Jahr, in der Nacht des 6. Dezember 2008, wurde der junge Alexis Grigoropoulos während einer Kontrolle im alternativen Viertel Exarchia in Athen von einem Polizisten getötet. Sein Tod hatte im ganzen Land Krawalle ausgelöst. Einen Monat lang hatten junge Griechen in den Straßen von Athen ihrer Wut gegen das politische System im namen sozialer Gerechtigkeit Luft gemacht. Diese für Griechenland ungewöhnliche Revolte war eskaliert. Den aktuellen Problemen der griechischen Gesellschaft wurde nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gewalt begegnet.
Seitdem sind die Forderungen der Demonstranten nicht zu 100 Prozent erfüllt worden. Die amtierenden Konservativen (Nea Dimokratia) mussten im Rahmen der Blitzwahlen vom 4. Oktober das Ruder abgeben. Die hellenische Jugend hofft mit dem Wechsel auf zukunftsweisende Bildungsreformen. Sie beklagt sich darüber, „Opfer“ des Systems zu sein, Studenten beschweren sich. Es sei für sie unmöglich, von einem Mindestlohn von lediglich 700 Euro brutto pro Monat zu leben.
Steine gegen Tränengas
Im Hinblick auf den ersten Todestag des jungen Grigoropoulos hatte die neue sozialistische Regierung eine friedliche Demonstration genehmigt. Das habe ebenfalls dem Wunsch der Mutter des Opfers entsprochen, den sie in den Medien geäußert hatte. Ihres Sohnes gedenken, ja, aber in Stille. Leider wurde dieser Wunsch nicht erhört. Am Sonntag kam es in Athen, aber auch in Thessaloniki, zu Zusammenstößen zwischen Studenten, Anarchisten und der Polizei. Geschäfte wurden verwüstet, Müllcontainer angezündet, ein Rektorat besetzt, Ordnungskräfte mit Steinen beworfen. Der Rektor der Universität Athen musste mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Die Anarchisten haben auch eine griechische Flagge verbrannt und sie anschließend durch eine Anarchistenfahne ersetzt. Auf der einen Seite flogen Steine und Molotowcocktails, auf der anderen wurde Tränengas eingesetzt. Fast 150 Personen wurden am Sonntag festgenommen und ungefähr die gleiche Anzahl aus anarchistischen Kreisen in der Nacht zuvor - „zur Vorsicht“, wie die Polizei mitteilte.
Es wäre eine gute Idee, wenn der 6. Dezember zu einem nationalen Tag gegen die Jugendgewalt gemacht würde.
Am Montag, dem 7. Dezember 2009, waren weitere, durch Studentenkoordinationskomitees, linke Organisationen und Gewerkschaften organisierte Demonstrationen vorgesehen. Eine Ausnahmesituation ein Jahr später, die einen in der Presse zitierten griechischen Politiker zu folgenden Worten inspirierte: „Es wäre eine gute Idee, wenn der 6. Dezember zu einem nationalen Tag gegen die Jugendgewalt oder sogar zu einem Tag der Jugend würde“, sagte er. „So könnte man jedes Jahr des Todes dieses Jungen gedenken und ihn friedlich ehren.“
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