Verwirrt durch Gespräche über CO2-Konzentration und ppms? Was es mit dem ganzen Theater im Vorfeld des COP 15 Klimagipfels, der vom 7-18 Dezember in Kopenhagen stattfindet, auf sich hat.
Klimagipfel Kopenhagen 2009: Wofür die EU Milliarden zahlen soll
Aktion: Ein Miniatur-Camp für Klimaflüchtlinge in Dublin (und in anderen EU-Städten) im Oktober 2009/ ©Leon Farrell/Oxfam
Kommentar
Übersetzung: Hildegard Schneider
04/12/09
Tags : Barack Obama, Meinungsbericht, Kopenhagen, Dänemark, Globales Europa, Vereinte Nationen, Treibhauseffekt, Klimawandel, Umwelt, Niederlande, Umweltschutz, Erderwärmung, Naturkatastrophe,
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Captain Planet Obama besuchte die thüringische Stadt Weimar im Mai 2009 | ©elmada/flickrKlimawandel ist DAS Modewort des 21. Jahrhunderts. Organisationen mit langen, komplizierten Abkürzungen veröffentlichen regelmäßig Berichte darüber, dass wir auf ein planetarisches Abschmelzen zusteuern. Sogar ein Mann, der einst als nicht charismatisch genug galt, Präsident der USA zu werden, hat sich in Captain Planet verwandelt, führt den Kampf gegen den Klimawandel an und steckt dabei den Friedensnobelpreis eben locker in die Tasche.
Warum also sind die Gespräche zum Thema Klimawandel, die diesen Monat im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen stattfinden, so wichtig? Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits in ganz Europa spürbar. Venedig wird regelmäßig überflutet. Die Donau tritt immer häufiger über das Flussufer. In Brüssel klettern die Temperaturen sogar im späten November auf stattliche 20ºC!
Europa muss Klima-Klartext sprechen
Während wir uns darüber freuen, unsere Regenschirme zu Hause lassen und die Wintersonne genießen zu können, verschwenden wir keinen einzigen Gedanken an die ländlichen Gemeinden, für die der Klimawandel mittlerweile existenbedrohlich geworden ist. Steigende Meeresspiegel, wechselnde Jahreszeiten und unvorhersehbare Wasserbestände haben katastrophale Auswirkungen auf bereits anfällige Bevölkerungen. Quellen und Flüsse trocknen in alarmierendem Tempo aus, machen Böden unbewirtschaftbar, zerstören Existenzen und berauben Leute des Rechts, für sich und ihre Familien zu sorgen.
Während wir in Europa unsere Versicherung anrufen, mehr für Absicherung ausgeben und auf Notdienste warten, die uns im Falle von Überflutungen retten, stehen den Leuten im Süden keine dieser Optionen zur Verfügung. Nehmen wir zum Beispiel Bangladesch, wo 17% des Landes ernsthaft von steigenden Meeresspiegeln bedroht sind. 90 Millionen Leute, vergleichbar mit der Bevölkerung Deutschlands, sind ernsthaft davon bedroht, Klimaflüchtlinge zu werden. Und das in einem Land mit einer Bevölkerungsdichte, die 9,5 mal so hoch wie die von Frankreich ist. Wären wir dem in Europa wirklich gewachsen?
18. November 08: Frauen in Dhaka/ Bangladesch tragen die Masken der G8-Leader | ©Caroline Gluck/Oxfam
Da die Zusagen der ersten Runde des Kyoto-Protokolls in zwei Jahren ablaufen, wird der Schwerpunkt in Kopenhagen auf der Reduktion von Emissionen und einem Klima-Finanzierungsmodell liegen, um es Entwicklungsländern zu ermöglichen, sich den Folgen des Klimawandels anzupassen und ihre wirtschaftliche Entwicklung mit einer reineren, grüneren aber teureren Technologie fortzusetzen. Die EU-Länder, die sich unter den Hauptverantwortlichen für hohe Emissionen befinden, haben ihre Klimaschuld zu zahlen. Der Europäische Rat ist bereit, in Kopenhagen zwischen 5 und 7 Milliarden Euro anzubieten. Doch dieser Betrag liegt weit unter dem, was für das Erreichen eines angemessenen Abkommens nötig wäre. Es wurden auch keine klaren Aussagen darüber gemacht, ob dieses Geld zusätzlich zu den bestehenden Entwicklungshilfeeinsätzen investiert werde.
1 Milliarde Menschen hungern weltweit
Letztes Jahr hat die Zahl der weltweit an Hunger leidenden Menschen die Marke von einer Milliarde überschritten. Heute Abend wird ein Sechstel der weltweiten Bevölkerung hungrig ins Bett gehen müssen. Europas Politiker und Spitzenvertreter haben schnell gehandelt, um Milliarden Euro in Rettungsaktionen für ihre Banken zu stecken, zögern aber, sich für eine Klima-Rettungsaktion zu verpflichten. Über 100 Milliarden Euro wurden alleine für Northern Rock (britische Bank), Commerzbank und Dexia mobilisiert. Das ist mehr als das Doppelte als die EU-Fördergelder des Jahres 2009. Aber die Regierungen zögern, sich auf geschätzte 132 Milliarden Euro pro Jahr zu verpflichten, die nötig wären, um den Klimawandel weltweit zu bekämpfen.
Kuala Terengganu/ Malaysia, 24. Oktober 2009: Ein malaysisches Studentenkollektiv macht zum International Day of Climate Action auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam. Auch Europa ist betroffen. Die Niederlande müssen gegen den steigenden Meeresspiegel ankämpfen. | ©350.org/flickr
In einer Zeit, in der Gespräche über Nahrungs- und Energiesicherheit die EU-Gespräche dominieren, sollte man unausweichliche Folgen nicht ignorieren: Etwa 60% der niederländischen Bevölkerung leben heute auf einer Landesfläche, die sich unter dem Meeresspiegel befindet. Die EU wird auf der Kopenhagener Konferenz diesen Monat eine Hauptrolle spielen, um die Klimablockade zu brechen. Aber sie werden weitere Gelder zur Verfügung stellen und eine einstimmige Position sicherstellen müssen. Beides hatte sich in früheren Gesprächen eher rar gemacht.
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