Am 9. November 2009, dem 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls, feiert die Eurogeneration eines der wichtigsten Ereignisse der europäischen Zeitgeschichte. 5 unserer Cityblogs - Sofia, Budapest, Turin, Straßburg und Istanbul - sprechen über virtuelle Mauern, die in ihren Ländern weiterhin existieren. Panorama.
Europa bloggt ‘seine’ Berliner Mauer
©Juan Rodriguez/ laughingmonk/ todayispresent.com/
KRITIK
Übersetzung: cafebabel.com
09/11/09
Tags : Kommunismus, Sevilla, Istanbul, Berliner Mauer, Städte, Geschichte, Budapest, Straßburg, Tourismus, Geburtstag, Immigration, Meinungsbericht, Blogreview, blogs, Sofia, Deutschland, Jugend, Architektur, Integration,
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Der Lajos Kossuth-Platz in Budapest ist bis heute abgesperrt - nicht eingemauert - aber schwer zugänglich.
@Péter Tóth/ budapest.cafebabel.com/enlDas war auch damals schon so, unter dem sozialistischen Regime, als Mária Ballai zum ersten Mal hier stand. Damals war sie fünf Jahre alt und kam oft mit ihren Großeltern an diese Stelle. Mit ihren heute 22 Jahren scheint der Platz, auf dem das ungarische Parlament thront, unverändert. Péter Tóths Foto schildert dieses Déjà-Vu: Besucher hinter Stahlabsperrungen, die sachte eine ungarische Fahne durch das Gitter schieben. Das Budapest-Team weist außerdem auf einen weiteren Jahrestag hin - 2009 wird nicht nur der Mauerfall gefeiert: Ungarn beging am 23. Oktober feierlich das 20-jährige Bestehen der ungarischen Republik.
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Sechs Tage nach dem zentraleuropäischen Großevent in Berlin begeht eine weitere Republik außerhalb
‘A few walls were just downright sexy,’ kommentiert Istanbul-Blogger Cinar Kiper, über die Veränderungen in der Republik. ‘You could now see women’s ankles!’ | ©Cinar Kiperder EU ihren 86. Jahrestag. Hier in Istanbul ist der Grundtenor säkular, Mauern zwischen Männern und Frauen, zwischen Türken und Kurden sollen fallen. Aber trotz Verbesserungen bestehen, laut Istanbul-Blogger Cinar Kiper - der von der Feuerwerk-erhellten Prunkstraße aus Istanbul berichtet - weiterhin Brüche. Die Gedenkfeiern rund um den 9. November sollten nicht nur an die Ereignisse in Deutschland, an eine Zweiteilung in Osten und Westen erinnern. Es geht auch um Zentraleuropa und südlicher gelegene Regionen, darum Europäer oder Nicht-Europäer zu sein.
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Die einzige Mauer, die den Italienern aus Turin in den Sinn kommt, ist die Padova-Mauer der norditalienischen Stadt. Die Trennwand wurde vom Bürgermeister 2006 errichtet, um die Bewohner vor ‚Kriminalität‘ zu schützen. Erinnern wir uns, dass auch die Berliner Mauer in der DDR als ‚Schutzwall‘ bezeichnet wurde. 3 Jahre später hat sich die Lage in dem Turiner Viertel gebessert - die Mauer steht jedoch immer noch nutzlos in der Landschaft. Viel erschreckender, so befindet das Turin-Team, sei jedoch die virtuelle Mauer zwischen der Innenstadt und dem Ghetto-Viertel Barriera di Milano, an dessen Schulen fast ausschließlich Immigrantenkinder gehen.
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Die Padova-Mauer in der Via Anelli (Bild aus dem Jahr 2008) | ©dadevoti/ pro-fumo.net/
Die Berliner Mauer selbst ist heute in Stücken über den ganzen Globus verstreut. Das cafebabel-Team in Straßburg entziffert beispielsweise die Schriftzüge auf dem 3 Meter 60 hohen Mauerstück, das vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte steht: Unter dem französischen ‚liberté“ lässt ich noch hauchdünn das Wort ‚Freiheit‘ erkennen.
©Ivan TopliiskiSofia hat seinerseits die wohl coolste Art Mauern zu überwinden - architektonische in diesem Fall. In der bulgarischen Hauptstadt nutzen Skater ehemals kommunistische Bauwerke und Plätze für ihren Sport, erklärt Miles Iskander. So kann es mitunter vorkommen, dass das Grab des ehemaligen bulgarischen Premierministers kurzum als Halfpipe umfunktioniert wird.
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