Am 1. Juni flog ich von São Paulo nach Paris. Beim Aussteigen bekam ich mit, dass der Parallelflug aus Rio de Janeiro ‘verschwunden’ war. Als ich mir einige Stunden später eine brasilianische und französische Zeitung kaufte, hatte ich den Eindruck, dass auch einige Wörter verschwunden waren. Kommunikationsstrategie oder Zufall?
Air France: Tabuwort nach dem Unglück?
©FrancoisRoche/flickr (http://www.flickr.com/photos/francoisroche/)
Kommentar
Übersetzung: Leonie Müßig
09/06/09
Tags : Medien, Frankreich.
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Am Montag, dem 1. Juni, nachdem ich frisch aus einem Kurzurlaub in Brasilien zurück gerade in Paris gelandet war, hörte ich die Nachricht, dass der Air France Flug AF-447 von Rio de Janeiro nach Paris ‘verschwunden’ war. Es handelte sich um einen Parallelflug zu meinem, mit gleicher Strecke und gleichen Zeiten, der eineinhalb Stunden nach meinem Flug in der französischen Hauptstadt landen sollte. In meinem Hotel kam eine kleine Kriseninformationsgruppe zusammen. Wir erhielten in Echtzeit Nachrichten von den brasilianischen Medien, dem französischen Fernsehen und per Telefon von beiden Seiten des Atlantiks.
Wenige Stunden nachdem ich den Fernseher eingeschaltet hatte, kam das Gefühl auf, als würde sich etwas in der Berichterstattung ändern. Mir fiel auf, dass der Name der Fluggesellschaft Air France, zu der die Unglücksmaschine gehörte und der in allen Nachrichten präsent war, zu verschwinden begann. Anstatt dessen tauchte nun der Name Airbus auf. In den brasilianischen Medien dagegen blieb der Name Air France in allen Berichten über das Unglück stehen.
Auch einige Tage später, am 4. Juni, ist dieser Unterschied auf den Titelseiten der französischen und brasilianischen Zeitungen immer noch sichtbar. Beim Blick in die Nachrichten über den Absturz der drei meistgelesenen französischen Online-Zeitungen findet sich der Name ‘Air France’ nur viermal (ein Mal bei Le Monde, ein Mal bei Libération und zwei Mal bei Ouest France), davon kein einziges Mal in der Überschrift. Le Figaro, der in seinem Artikel zwölf Mal die französische Fluggesellschaft beim Namen nennt, bildet die Ausnahme. In den brasilianischen Medien zeichnet sich ein anderes Bild ab. In O Globo wird Air France acht Mal und in der Überschrift erwähnt. In Folha de São Paulo taucht ihr Name sechs Mal und im Jornal de Brasil vier Mal auf. Die Zeitung Correio do Povo nennt die Fluggesellschaft nur zwei Mal, dafür taucht ‘Air France’ in der Überschrift auf.
Kuriose Unterschiede
Purer Zufall, unterschiedlicher Stil in der Berichterstattung oder schlechte Abstimmung der Informationen?
Ein weiterer ‘kurioser’ Unterschied sind die unterschiedlichen Informationen, die von beiden Seiten des Atlantiks kamen. In Brasilien wurde die Absturzstelle schnell in einem weitläufigen, zu Brasilien gehörenden Seegebiet, in der Nähe der Insel Fernando de Noronha, lokalisiert. Währenddessen suchte man das Flugzeug in Frankreich in afrikanischen Gewässern, ohne über die brasilianischen Vermutungen zu informieren, die sich später bestätigten. Als Ursachen für das Unglück wurden in Frankreich schnell das schlechte Wetter und ein Blitzeinschlag genannt, und das noch bevor überhaupt sicher war, ob und wo es einen Absturz gegeben hatte. Eine Theorie, die die Verantwortung für das Unglück auf höhere Gewalt schiebt und mögliches technisches oder menschliches Versagen außer Acht lässt, dass der Fluggesellschaft oder der Herstellerfirma der Maschine zuzuschreiben wäre.
Purer Zufall, unterschiedlicher Stil in der Berichterstattung oder schlechte Abstimmung der Informationen? Denkt man an die Interessen, die hier auf dem Spiel stehen, halte ich einen Zufall für wenig wahrscheinlich - eine gezielte Kommunikationsstrategie hingegen für offensichtlich.
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